Einer der Auslöser von Autoimmunität aufgeklärt Aminosäure schuld an Rheuma - scinexx | Das Wissensmagazin
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Einer der Auslöser von Autoimmunität aufgeklärt

Aminosäure schuld an Rheuma

Forscher der Freien Universität Berlin und der Universität Rom „La Sapienza haben wahrscheinlich den Auslöser von Morbus Bechterew entdeckt, einer rheumatischen Krankheit, an der alleine in Deutschland 200.000 Menschen erkrankt sind. Schuld ist eine einzige Aminosäure, die in bestimmter Konstellation einem Viren-Peptid ähnelt und so die Abwehrreaktion der körpereigenen T-Zellen auslösen kann.

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Zahlreiche Erkrankungen, vor allem aus dem rheumatischen Formenkreis, gelten als Autoimmunkrankheiten. Diese beruhen darauf, dass das Immunsystem der Patienten körpereigene Strukturen angreift. Das Wesen dieser

Autoaggression wird bislang allerdings nicht verstanden.

Die normale Reaktion

Das Immunsystem ist normalerweise dazu da, in den Körper eingedrungene Keime oder andere als fremd empfundene Substanzen zu erkennen und unschädlich zu machen. Jede Körperzelle kann, sobald fremdes Eiweiß (Virus, Bakterium) in sie eindringt, dies dem körpereigenen Immunsystem anzeigen. Dazu zerlegt sie das Fremdeiweiß in Teilstücke, so genannte Peptide, und bindet diese an spezielle Zellstrukturen (HLA-Moleküle). Die Bindung gelingt, indem die Peptide sich dabei in einer Furche, die das HLA-Molekül bildet, an dort vorhandenen Andockstellen gewissermaßen festkrallen. Das HLA-Molekül hat dann die Aufgabe, das gebundene Peptid an die Zelloberfläche zu transportieren und es dort den vorbeiströmenden Immunzellen (T-Zellen) wie eine Flagge zu präsentieren. Wenn T-Zellen das Peptid als körperfremd erkennen, kommt es zu einer Kaskade von Reaktionen, welche die Vernichtung der „erkrankten“ Zelle zum Ziel hat. Erscheint den T-Zellen das Peptid indessen als körpereigen, so bleibt der T-Zell-Kontakt ohne Folgen.

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Wenn sich die Immunzellen irren…

Die Unterscheidung zwischen „fremd“ und „eigen“ kann für Immunzellen allerdings schwierig werden, da sie sich auch „irren“ können: Ein Beispiel dafür fanden die Berliner Forscher: Menschen unterscheiden sich genetisch in Bezug auf ihre HLA-Moleküle, die in einer großen Vielfalt vorkommen und dadurch eine große Anzahl verschiedener Peptide binden können. Die Forscher untersuchten die HLA-Moleküle von Personen, die das Gen HLA-B27 besitzen und damit ein stark erhöhtes Risiko aufweisen, an Morbus Bechterew zu erkranken. Gefährdet ist allerdings nicht jeder HLA-B27-Träger. Das Risiko hängt vielmehr auch von Untergruppen von HLA-B27 ab. So ist mit der Variante B*2709 keine Gefahr verbunden zu erkranken, wohl aber mit der Variante B*2705.

Die Forscher haben erkannt, dass der Unterschied zwischen den beiden Varianten in nur einer einzigen Aminosäure im HLA-Molekül und zwar genau in der Bindungsfurche besteht. Dadurch wird ein körpereigenes Peptid unterschiedlich an das HLA Molekül gebunden: Bei Menschen mit der Variante B*2709 geschieht dies in bereits bekannter, konventioneller Weise und die T-Zellen reagieren darauf nicht. Der Mensch bleibt gesund.

Bei Trägern der B*2705-Variante sorgt deren spezielle Aminosäure dafür, dass hier das selbe körpereigene Peptid in völlig neuartiger Weise gebunden wird und damit in einer Konformation vorliegt, die von T-Zellen als fremd eingestuft und attackiert wird. Die Autoaggression hängt also von einer einzigen Aminosäure ab. Die neu gefundene Peptid-Konformation konnten die Wissenschaftler in atomarem Detail anschaulich machen.

Die Wissenschaftler glauben (und haben auch erste Hinweise darauf), dass die besondere Konformation (aus körpereigenem Peptid und HLA-B*2705) einem fremden, von Viren stammenden Peptid so stark ähnelt, dass T-Zellen eine Unterscheidung mehr treffen können und auch das körpereigene Peptid angreifen. Diese „molekulare Mimikry“ könnte das bisher fehlende Verbindungsglied zu autoaggressiven Krankheitsbildern wie dem Morbus Bechterew sein.

(idw – Charité-Universitätsmedizin Berlin, 17.03.2004 – AHE)

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