Denkorgan von Menschen mit viel Wissen ist effizienter vernetzt Allgemeinwissen zeigt sich am Gehirn - scinexx | Das Wissensmagazin
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Allgemeinwissen zeigt sich am Gehirn

Denkorgan von Menschen mit viel Wissen ist effizienter vernetzt

Gehirn
Es gibt einen Zusammenhang zwischen der effizienteren Vernetzung unsers Gehins und einem guten Allgemeinwissen. © metamorworks/ iStock

Perfekt vernetzt: Das Gehirn von Menschen mit großem Allgemeinwissen ist besonders effizient vernetzt, wie nun Hirnscans enthüllen. Je mehr Wissensinhalte jemand gespeichert hat, desto stärker ist die Verknüpfung verschiedener Hirnareale – und umgekehrt. Die Forscher vermuten, dass die gute Verknüpfung dem Gehirn dabei hilft, die komplexen Teilinformationen unseres Wissens abzurufen und zu integrieren.

Lässt sich die Intelligenz eines Menschen an seinem Gehirn ablesen? Und wenn ja – woran? Einigen Studien zufolge spielen das Hirnvolumen und die anatomische Struktur eine Rolle, andere sehen die eher die spezifische Aktivität des Gehirns als Indikator für das Denkvermögen. Demnach könnte das Gehirn bei intelligenteren Menschen anders und effektiver vernetzt sein. Allerdings: Diese Erkenntnisse basieren nur auf der sogenannten fluiden Intelligenz – der Fähigkeit, Neues zu Lernen und Zusammenhänge zu erschließen.

Hirnverknüpfungen
Nervenverbindungen, dargestellt mittels Diffusions-Tensor-Bildgebung. © RUB/ Erhan Genc

Kristallisierte Intelligenz

Doch wie ist das mit dem Wissen? Auch diese schon gelernten und memorierten Informationen sind ein wichtiger Teil unserer Intelligenz, sie werden daher auch als kristallisierte Intelligenz bezeichnet. „Obwohl wir das Allgemeinwissen von Menschen präzise messen können und dieser Wissensschatz sehr bedeutend für die individuellen Lebenswege ist, wissen wir bislang wenig über die Zusammenhänge zwischen Allgemeinwissen und der Beschaffenheit des Gehirns“, erklärt Erhan Genc von der Ruhr-Universität Bochum.

Genc und sein Team sind daher jetzt dieser Frage auf den Grund gegangen. Für ihre Studie untersuchten sie die Gehirne von 324 Männern und Frauen mit einer besonderen Form der Magnetresonanztomografie, der sogenannten Diffusions-Tensor-Bildgebung. Sie ermöglicht es, die Verläufe von Nervenfasern zu rekonstruieren und so einen Einblick in die strukturelle Vernetzung des Gehirns zu erhalten. Mithilfe von mathematischen Berechnungen ermittelten die Forscher die Effizienz dieser Vernetzung und verglichen diese mit dem Abschneiden der Probanden in einem Allgemeinwissenstest.

Effizienter vernetzt

Das Ergebnis: „Das Niveau des Allgemeinwissens ist eng mit der strukturellen Vernetzung des Gehirns verknüpft – und dies ungeachtet von Alter oder Geschlecht“, berichten die Forscher. Menschen mit viel Allgemeinwissen zeigen demnach auch eine besonders effiziente Vernetzung ihres Gehirns und umgekehrt. Die funktionelle Verschaltung des Denkorgans scheint demnach nicht nur das Lernen und Merken neuer Informationen zu fördern, es erleichtert offenbar auch ihr späteres Abrufen.

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„Wir nehmen an, dass einzelne Wissensinhalte in Form von Teilinformationen über das gesamte Gehirn verstreut sind“, erklärt Erhan Genc. „Um die Informationen, die in unterschiedlichen Gehirnarealen abgelegt sind, zusammenzufügen und einen Wissensinhalt erfolgreich abzurufen, ist eine effiziente Vernetzung des Gehirns unabdingbar.“

Konkret bedeutet dies: Um beispielsweise die Frage zu beantworten, welche Konstante in Einsteins Relativitätstheorie vorkommt, muss man die Bedeutung des Begriffs „Konstante“ mit dem Wissen über die Relativitätstheorie verbinden. „Wir vermuten, dass eine effizientere strukturelle Vernetzung des Gehirns zu einer besseren Integration der Teilinformationen beiträgt und somit zu besseren Ergebnissen in einem Allgemeinwissenstest führt“, so der Forscher. (European Journal of Personality, 2019; doi: 10.1002/per.2217)

Quelle: Ruhr-Universität Bochum

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