UN-Bericht fordert stärkere Anstrengungen zur HIV-Prävention und -Behandlung Aids weiter auf dem Vormarsch - scinexx | Das Wissensmagazin
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UN-Bericht fordert stärkere Anstrengungen zur HIV-Prävention und -Behandlung

Aids weiter auf dem Vormarsch

40,3 Millionen HIV-infizierte Menschen, 4,9 Millionen Neuinfektionen in 2005 und 3,1 Millionen Tote in diesem Jahr durch Aids weltweit: Die AIDS-Epidemie breitet sich nach einem neuen Bericht von UNAIDS, dem Bekämpfungsprogramm der Vereinten Nationen, und der WHO immer weiter aus und hat immer schlimmere Folgen.

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Die neue Studie belegt aber auch, dass die HIV-Infektionsraten unter Erwachsenen in Ländern wie Kenia, Simbabwe sowie einigen Karibik-Staaten zurückgegangen sind und dass veränderte Verhaltensweisen zur Vorbeugung einer Infektion – wie zum Beispiel der vermehrte Gebrauch von Kondomen, spätere sexuelle Erstkontakte und eine Verringerung der Anzahl der Sexualpartner – eine Schlüsselrolle bei dieser Entwicklung gespielt haben.

Der UN-Bericht der Vereinten Nationen weist jedoch darauf hin, dass noch sehr viel mehr Präventionsanstrengungen erforderlich sind, um die Ausbreitung der Epidemie zu verlangsamen.

Laut dem UNAIDS-Bericht gab es in Osteuropa und Zentralasien – Anstieg um 25 Prozent auf 1,6 Millionen – sowie in Ostasien die höchsten Steigerungsraten bei den HIV-Infizierten. Das südliche Afrika ist jedoch mit weit über der Hälfte der Neuinfektionen (mehr als 3 Millionen Menschen) weltweit weiterhin am stärksten betroffen.

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Feminisierung von Aids

“Wir fühlen uns durch die Fortschritte in einigen Ländern und die Tatsache, dass nachhaltige HIV-Präventionsprogramme eine wichtige Rolle bei der Senkung der Infektionsraten gespielt haben, ermutigt. Die Realität ist jedoch, dass die AIDS-Epidemie weiterhin die globalen und nationalen Anstrengungen zu ihrer Eindämmung weit übertrifft”, so der Direktor von UNAIDS Dr. Peter Piot. “Es ist offensichtlich, dass wir dringend eine schnelle Ausweitung des Umfangs und des Ausmaßes der HIV-Präventionsprogramme benötigen. Kleine Projekte mit kurzfristigem Zeithorizont müssen von umfassenden Strategien abgelöst werden”, fügte er hinzu.

Vor allem in Afrika südlich der Sahara ist die Feminisierung von Aids weit fortgeschritten: „Zwei Drittel aller HIV-Infizierten leben in dieser Region und 57 Prozent von ihnen sind Frauen“, so Renate Bähr von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW). „Besonders gefährdet sind junge Frauen und Mädchen zwischen 15 und 24 Jahren. In Afrika südlich der Sahara kommen auf einen HIV-positiven jungen Mann durchschnittlich 2,7 HIV-infizierte Frauen derselben Altersgruppe“, hebt Bähr hervor.

Folgen der HIV-Behandlung

Der UN-Bericht weist anerkennend darauf hin, dass sich der Zugang zu HIV-Behandlung in den letzten zwei Jahren signifikant verbessert hat. Mehr als eine Million Menschen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen leben jetzt länger und besser, da sie antiretrovirale Behandlung bekommen, und schätzungsweise 250.000 bis 300.000 Todesfälle konnten durch den erweiterten Zugang zur HIV-Behandlung abgewendet werden. Als Erläuterung der potenziellen Vorteile einer Integration von Prävention und Behandlung betont der Bericht des Jahres 2005, dass eine umfassende Antwort auf HIV und AIDS eine gleichzeitige Beschleunigung der Behandlungs- und Präventionsantrengungen erfordert, mit dem letztendlichen Ziel, einen universellen Zugang zu Prävention, Behandlung und Pflege zu schaffen.

„Die klaren Vorteile einer gleichzeitigen Ausweitung der HIV-Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen im Gegensatz zu isolierten Eingriffen sind nun klar zu erkennen“, so der WHO-Generaldirektor LEE Jong-wook. „Die weitreichende Verfügbarkeit von Behandlungsmöglichkeiten gibt Regierungen einen Anreiz, die Aufklärung über HIVPrävention sowie freiwillige Beratung und Tests zu fördern, und ermutigt Betroffene dazu, diese Leistungen in Anspruch zu nehmen. Effiziente Prävention kann auch dazu beitragen, die Anzahl derjenigen, die letztendlich Pflege benötigen werden, zu verringern, so dass der breite Zugang zu Behandlung erreichbarer und nachhaltiger wird.“

Bessere HIV-Prävention nötig

Neue Daten belegen, dass in Lateinamerika, Osteuropa und besonders in Asien die Kombination des intravenösen Drogengebrauchs und der Sexarbeit der Epidemie weiter Vorschub leistet und dass Präventionsprogramme Defizite im Umgang mit dieser Überschneidung aufweisen. Der Bericht zeigt, wie nachhaltige intensive Programme in verschiedenen Situationen dazu beigetragen haben, einen Rückgang der HIV-Inzidenz zu erreichen – so zum Beispiel unter jungen Menschen in Uganda und Tansania, unter Sexarbeitern und ihren Kunden in Thailand und Indien sowie unter intravenös Drogen Spritzenden in Spanien und Brasilien.

Dem Bericht zufolge infizieren sich ohne HIV-Präventionsmaßnahmen rund 35 Prozent der von HIV-positiven Frauen zur Welt gebrachten Kinder mit dem Virus. Während die Mutter-Kind Übertragung in den Industrieländern praktisch besiegt ist und das Angebot an Leistungen sich vielerorts verbessert hat, sind in den meisten Ländern im südlichen Afrika noch immer große Defizite zu erkennen. Ein beschleunigter Ausbau von Leistungsangeboten ist jedoch dringend erforderlich, um diesen unvertretbar hohen Preis nicht mehr zahlen zu müssen.

Das Wissen über „Safe Sex“ und HIV ist in zahlreichen Ländern immer noch niedrig – selbst in Ländern mit hoher und sogar steigender Prävalenz. In 24 Ländern südlich der Sahara (einschließlich Kamerun, Elfenbeinküste, Kenia, Nigeria, Senegal und Uganda) verfügen zwei Drittel der jungen Frauen (Altersgruppe 15 bis 24 Jahre) nicht über umfassende Kenntnisse zur HIV-Übertragung. Gemäß einer groß angelegten Umfrage in den Philippinen aus dem Jahr 2003 glaubten immer noch mehr als 90 Prozent der Befragten, dass HIV durch eine gemeinsame Mahlzeit mit einem HIV-Positiven übertragen werden kann.

Schlechte HIV-Überwachung

Schließlich behindert eine schwache HIV-Überwachung in einigen Ländern in Lateinamerika, in der Karibik, im Nahen Osten und in Nordafrika die Präventionsanstrengungen und führt häufig zu einer Situation, in der die Menschen, die dem größten Risiko ausgesetzt sind – Männer, die mit anderen Männern Geschlechtsverkehr haben, Sexarbeiter und Drogenkonsumenten, die intravenös spritzen – von den HIV-Präventions- und Behandlungsstrategien nicht ausreichend erfasst und erreicht werden können.

Der jährlich veröffentlichte Bericht „AIDS Epidemic Update“ stellt die neuesten Entwicklungen in der weltweiten AIDS-Epidemie dar. Mit Karten und regionalen Schätzungen liefert die Ausgabe 2005 die neuesten Schätzungen zum Umfang der Epidemie und ihre Opfer, untersucht neue Trends in der Entwicklung der Epidemie und widmet sich in einem besonderen Kapitel dem Thema HIV-Prävention.

(UNAIDS/WHO, 22.11.2005 – DLO)

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