Mangel in ländlichen Regionen, Überversorgung im Gesamtdurchschnitt und in den Städten Ärzteatlas dokumentiert Mediziner-Landflucht - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mangel in ländlichen Regionen, Überversorgung im Gesamtdurchschnitt und in den Städten

Ärzteatlas dokumentiert Mediziner-Landflucht

Ärzteatlas 2011 © WIdO / AOK

In Deutschland gibt es nicht zu wenig Ärzte, sondern eher zu viele. Doch diese sind ungleich verteilt, wie der jetzt veröffentlichte Ärzteatlas 2011 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK erneut dokumentiert: Überversorgten Gebieten in Ballungszentren wie München stehen unterversorgte Regionen im ländlichen Raum beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern gegenüber. Hier sind bis zu zwölf Millionen Deutsche von einer medizinischen Unterversorgung bedroht.

Gibt es zu wenig Ärzte in Deutschland? Für Patienten, die oft wochen- oder sogar monatelang auf einen Termin warten müssen, drängt sich dieser Eindruck auf. Aber ist dem wirklich so? Genau dies soll der Ärzteatlas 2011 nun zeigen. In ihm stellt das Wissenschaftliche Institut der AOK aktuelle Zahlen zur Verfügung. Für die wichtigsten Arztgruppen wird dabei die regionale Versorgungslage im Jahre 2010 anhand der gültigen Kriterien der Bedarfsplanungsrichtlinien dargestellt.

Die Entwicklung der Arztdichte in Deutschland zeigt, dass es heute über ein Drittel mehr berufstätige Ärzte als Anfang der 1990er Jahre gibt. Mit 397 Ärzten je 100.000 Einwohner ist 2010 ein neuer Höchststand bei der Arztdichte erreicht worden; bundesweit wurden 30,8 Prozent mehr Mediziner gezählt als noch im Jahr 1991 mit 304 Ärzten je 100.000 Einwohner. Seit Mitte der 70er Jahre hat sich die Arztdichte in Deutschland sogar mehr als verdoppelt, und sie steigt jedes Jahr weiter an.

Überversorgung vor allem bei Fachärzten

Laut AOK herrscht derzeit daher insgesamt kein Mangel, sondern eher das Gegenteil ist der Fall: Über alle Arztgruppen hinweg wird die Zahl der festgelegten Arztniederlassungen bundesweit um 26 Prozent übertroffen. Bei den Fachärzten ist die Überversorgung besonders stark ausgeprägt: Mit Internisten und Chirurgen sind sämtliche Planungskreise überversorgt, bei Orthopäden sind es 98 Prozent, bei Gynäkologen 95 Prozent, bei Hautärzten 92 Prozent und bei Augenärzten 86 Prozent. Selbst im hausärztlichen Bereich liegen laut AOK bundesweit 312 der insgesamt 395 Planungsbereiche über einem Versorgungsgrad von 100 Prozent, 182 Planungsbereiche sind sogar überversorgt (Versorgungsgrad größer als 110 Prozent).

Landflucht in Mecklenburg-Vorpommern

Allerdings zeigen sich gerade bei den Hausärzten enorme regionale Unterschiede: Einer Unterversorgung oder drohenden Unterversorgung in einigen Landstrichen steht eine massive Überversorgung insbesondere in Ballungsgebieten und den für Ärzte attraktiven Regionen gegenüber. Besonders vom Ärztemangel betroffen ist Mecklenburg-Vorpommern, wo mehr als jeder Zweite im ländlichen Raum lebt. Viele Bürger haben keinen Hausarzt in ihrer Nähe, da bereits 15 Prozent aller Hausarztstellen unbesetzt sind. Die Folge: Selbst bei weniger kritischen Fällen rufen Patienten den Notarzt, weil kein Hausarzt verfügbar ist.

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Die Lage verschlechtert sich bundesweit. Auch in Bayern wird über die nächsten Jahre ein Rückgang von über tausend Hausärzten erwartet. Hauptgrund für den Ärztemangel ist die wahrgenommene geringere Lebensqualität in ländlichen Regionen im Vergleich zu Großstädten. Zweiter Grund für die Abwanderung sind deutlich längere Arbeitszeiten. Landärzte müssen im Schnitt 50 Prozent mehr Patienten betreuen als ihre Kollegen in der Stadt. Dritter Grund der Abwanderung von Ärzten sind geringere Verdienstmöglichkeiten auf dem Land, da oft lukrative Privatpatienten fehlen.

Download des Ärtzte-Atlas bei der WIdO

(AOK, 11.05.2011 – NPO)

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