Vergleichstest findet kaum Unterschiede zwischen Low-Fat, Low-Carb und Co Abnehmen: Art der Diät ist egal - scinexx | Das Wissensmagazin
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Abnehmen: Art der Diät ist egal

Vergleichstest findet kaum Unterschiede zwischen Low-Fat, Low-Carb und Co

Abnehmen
Das Schwierigste am Abnehmen ist das Durchhalten – das bestätigt auch eine aktuelle Metastudie. © atakan/ iStock

Diätvergleich: Ob Atkins, Low-Fat oder Mittelmeer-Diät – für den Abnehmerfolg ist die Art der Diät ziemlich egal, wie nun eine Metastudie mit knapp 22.000 Teilnehmern bestätigt. Alle 14 getesteten Diätformen brachten nach sechs Monaten fast den gleichen Gewichtsverlust. Auch bei Blutdruck und Cholesterin gab es kaum Unterschiede. Das Problem jedoch: Nach einem Jahr waren diese positiven Effekte bei allen Diäten weitgehend verschwunden.

Immer mehr Menschen haben mit Übergewicht zu kämpfen, doch die überzähligen Pfunde zu verlieren, ist alles andere als einfach. Nur den wenigsten gelingt es, dauerhaft abzunehmen, wie Studien bestätigen. Und wer es nicht schafft, landet oft in einem Teufelskreis aus Diät und Jojo-Effekt. Daran ändern auch die unzähligen Diät-Varianten von Low-Carb über Atkins, DASH oder South Beach bis zur Paläo-Diät nichts.

Atkins, Weight Watchers und Co im Vergleichstest

Doch welche Diät-Form verspricht den meisten Erfolg? Und welche bringt auch für die Herz-Kreislauf-Gesundheit am meisten? Diese Frage haben nun Forscher unter Leitung von Bradley Johnston von der McMaster University in Kanada in einer der bislang umfangreichsten Metastudien zu diesem Thema untersucht. Dafür werteten sie 121 Studien mit insgesamt knapp 22.000 Teilnehmern aus, die übergewichtig oder fettleibig waren.

Alle Studienteilnehmer folgten mindestens zwölf Monate lang einer von 14 populären Diätformen. Darunter waren extreme Low-Carb-Diäten wie Atkins, South Beach oder Zone, extreme Low-Fat-Diäten wie Ornish oder Conley sowie eine Reihe von etwas ausgewogeneren Diäten mit etwa 55 bis 60 Prozent Kohlehydraten und 21 bis 30 Prozent Fett. Zu diesen gehörten unter anderem die Mittelmeerdiät, Weight Watchers oder die auf die Senkung des Blutdrucks ausgerichtete DASH-Diät.

Bei allen Probanden wurde nach sechs und zwölf Monaten ermittelt, wie sich das Körpergewicht sowie Blutdruck und Cholesterinwerte verändert hatten.

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Fünf Kilo nach sechs Monaten – bei fast allen

Das Ergebnis: Nach sechs Monaten hatten alle Teilnehmer im Schnitt vier bis fünf Kilogramm abgenommen – egal, mit welcher Methode. Der Abnehmerfolg war bei den extremen Low-Carb- und Low-Fat-Diäten nur geringfügig höher als bei den ausgewogenen Ernährungsformen, wie die Forscher berichten. Beim Blutdruck brachten Atkins, Mittelmeerdiät und DASH die besten Ergebnisse, die Mittelmeerdiät senkte dagegen den Cholesterinspiegel am effektivsten.

„Alle drei Gruppen von Diäten – Low-Carb, Low Fat oder ausgewogene – führten zu größeren Gewichtsverlusten und einer besseren Blutdrucksenkung als eine normale Ernährung“, berichten Johnston und seine Kollegen. Dabei schien es auch keine großen Unterschied zu machen, wie hoch der Fleisch- oder Gemüseanteil der Ernährung war. Fleischlastige Diäten wie Atkins schnitten ähnlich gut ab wie stärker auf Gemüse basierende Diäten wie die Mittelmeerdiät, DASH oder Ornish.

Rückschlag nach einem Jahr

Das Problem jedoch: Die positiven Effekte hielten nicht an. Nach zwölf Monaten hatten die meisten Teilnehmer wieder an Gewicht zugelegt, so dass sie netto nur noch rund zwei Kilo gegenüber dem Ausgangsgewicht verloren hatten. Auch bei den Herz-Kreislauf-Faktoren gab es keinen signifikanten Unterschied mehr zu einer normalen Ernährung ohne jede spezielle Diät, wie die Forscher berichten. Nur bei der Mittelmeerdiät blieb ein schwacher positiver Effekt auf das ungesunde LDL-Cholesterin erhalten.

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass fast alle Diätformen und populären Markendiäten nach einem Jahr einen nur minimalen Gewichtsverlust bringen“, konstatieren Johnston und sein Team. „Die Unterschiede zwischen den Diäten sind dabei klein und meist trivial.“ Für Abnehmerfolg und Gesundheit macht des demnach kaum einen Unterschied, welcher Diät man langfristig folgt.

Ähnlich sehen es auch Helen Truby und Terry Haines von der Monash University. In einem begleitenden Kommentar schreiben sie: „Die breite Palette der populären Diäten bietet eine große Spanne an Wahlmöglichkeiten – aber keinen klaren Gewinner.“

Diät ist egal, aufs Durchhalten kommt es an

Das aber bedeutet: Im Prinzip ist es ziemlich egal, welche Diätform man wählt – wichtig ist eher, wie gut man sie durchhält. Denn der aktuellen Metastudie zufolge hapert es daran bei den meisten Diätwilligen. Nach anfänglich großer Motivation schleichen sich im Laufe der Zeit immer mehr „kleine Sünden“ ein, die die anfänglichen Fortschritte langfristig wieder zunichte machen.

„Die Menschen sollte daher einfach die Diät wählen, die ihnen am besten liegt, ohne Rücksicht auf das propagierte Ausmaß des Abnehmerfolgs“, sagen Johnston und sein Team. Denn nur wenn man sich an eine Ernährung gewöhnen kann und sie auf Dauer durchhält, führt dies langfristig dazu, dass die Pfunde purzeln. (British Medical Journal (BMJ), 2020; doi: 10.1136/bmj.m696)

Quelle: The BMJ

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