Verkehrsbedingte Luftverschmutzung erhöht das Risiko für ein geringes Geburtsgewicht Abgase schaden schon Ungeborenen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Verkehrsbedingte Luftverschmutzung erhöht das Risiko für ein geringes Geburtsgewicht

Abgase schaden schon Ungeborenen

Autos verpesten in vielen Ballungsgebieten die Luft - offenbar auch zum Leidwesen ungeborener Kinder im Mutterleib. © Pawel Czaja/ thinkstock

Verkehrsabgase schaden sogar ungeborenen Kindern: Sind schwangere Frauen einer erhöhten Luftverschmutzung ausgesetzt, wirkt sich das negativ auf ihren Nachwuchs aus. Betroffene Babys kommen demnach häufiger mit einem sehr geringen Geburtsgewicht auf die Welt, wie eine Londoner Studie zeigt. Das könnte sie im späteren Leben anfälliger für vielfältige Erkrankungen machen.

Luftverschmutzung schadet unserer Gesundheit – und das auf vielfache Weise: Feinstaub, Ruß und Stickoxide aus Dieselabgasen beeinträchtigen nicht nur die Lungenfunktion und erhöhen schon bei Konzentrationen unterhalb der Grenzwerte das Risiko für Lungenkrebs. Sie fördern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schädigen unser Gehirn und machen uns anfälliger für bakterielle Erreger.

Zudem mehren sich die Hinweise darauf, dass Abgase und Co sogar ungeborenen Kindern im Mutterleib schaden können. Demnach scheint die Luftverschmutzung das Risiko für Frühgeburten zu erhöhen. Rachel Smith vom Imperial College in London und ihre Kollegen haben nun untersucht, ob sich Folgen der dicken Luft auch bei den Babys bemerkbar machen, die zum errechneten Geburtstermin auf die Welt gekommen sind.

Mehr zierliche Babys durch Feinstaub

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler Daten von über 540.000 Londoner Geburten aus den Jahren 2006 bis 2010 aus. Neben dem Gewicht der Neugeborenen analysierten sie, wo die Mutter während der Schwangerschaft gewohnt hatte – und wie die verkehrsbedingte Belastung durch Stickoxide, Feinstaub und größere Staubpartikel an diesen Orten gewesen war. Zusätzlich schätzten sie das Maß der Lärmbelastung durch den Straßenverkehr ab.

Die Auswertung zeigte: Je stärker die verkehrsbedingte Luftverschmutzung war, desto häufiger waren die Babys bei der Geburt unterdurchschnittlich leicht. Das Risiko eines niedrigen Geburtsgewichts von weniger als 2.500 Gramm stieg demnach um immerhin zwei bis sechs Prozent, wenn die Mutter Werten ausgesetzt war, die oberhalb der mittleren 50 Prozent der Stichprobe lagen.

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Insbesondere der sehr gesundheitsschädliche PM2,5-Feinstaub mit Partikeln von weniger als 2,5 Mikrometern Durchmesser schien sich dabei negativ auszuwirken. Eindeutige Belege für lärmbedingte Folgen fanden die Forscher bei den Neugeborenen hingegen nicht.

Negative Langzeitfolgen

Durch welche Mechanismen die dicke Luft das Gewicht der Kinder beeinflusst, ist unklar. Fakt ist aber: Ein geringes Geburtsgewicht kann Zeichen einer verzögerten Entwicklung sein und betroffene Babys auch im späteren Leben gesundheitlich beeinträchtigen. Wer klein und zierlich auf die Welt kommt, wird Untersuchungen zufolge häufiger krank. Unter anderem steigt mit abnehmendem Geburtsgewicht das Risiko für Stoffwechselstörungen und kardiovaskuläre Erkrankungen.

„Die pränatale Belastung durch Feinstaub in der Luft kann für das ungeborene Kind sehr schädlich sein. Wir hoffen, dass unsere Studie ein stärkeres Bewusstsein für diese Problematik schafft“, schreibt Smiths Team.

Mütter sind machtlos

Betroffene Mütter können leider selbst kaum etwas tun, um ihren Nachwuchs vor dem Einfluss der Abgase zu schützen: Gesichtsmasken mit Filterfunktion könnten eine akute Belastung zwar unter Umständen verringern. Doch letztendlich könne das Problem nur durch die Politik gelöst werden, betonen die nicht an der Studie beteiligten Wissenschaftler Sarah Stock und Tom Clemens von der University of Edinburgh in einem Kommentar zur Studie.

„Die Frauen sind letztendlich von politischen Entscheidungsträgern abhängig: Nur sie haben die Macht, etwas gegen die Luftverschmutzung zu tun und damit das Risiko für die ungeborenen Kinder zu senken“, schließen sie. (BMJ, 2017; doi: 10.1136/bmj.j5299)

(BMJ, 06.12.2017 – DAL)

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