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Von wo sehen Außerirdische die Erde?

Astronomen identifizieren rund 1.400 Sterne mit aktuell freiem Blick auf den Erdtransit

Transit
So wie hier der Exoplanet Corot-9b beim Transit könnte auch die Erde aus Sicht außerirdischer Astronomen vor der Sonne vorbeiziehen.© ESO/L. Calçada

Außerirdischer Blick: 1.402 Sternsysteme haben zurzeit einen freien Bick auf den Erdtransit – die Passage der Erde vor der Sonne. Wenn es dort außerirdische Zivilisationen gäbe, könnten sie dadurch unseren Planeten und seine Lebensspuren entdecken. 46 dieser „Logenplätze mit Erdblick“ sind uns sogar so nahe, dass unsere Radiosignale sie schon erreicht haben, wie Astronominnen im Fachmagazin „Nature“ berichten. Auch einige Exoplaneten in Erdnähe könnten in naher Zukunft ins Sichtfeld gelangen.

Sind wir allein im Universum? Oder gibt es auch auf anderen Planeten Leben und vielleicht sogar außerirdische Intelligenzen? Theoretisch könnte es allein in unserer Milchstraße rund 10.000 fortgeschrittene Zivilisationen geben, doch bislang fehlt von ihnen jede Spur. Obwohl unter anderem das SETI-Projekt gezielt nach Signalen extraterrestrischer Intelligenzen fahndet, hat es bisher nichts gefunden. Aber warum? Wo stecken all die Aliens?

Erde, Sonne
Sterne auf gleicher Ebene mit der Umlaufbahn der Erde um die Sonne bieten Sicht auf den einen Erdtransit – hier mit weißen Punkten markiert.© Burke et al. /PNAS

Aus der Perspektive von Alien-Astronomen

Auf der Suche nach einer Antwort haben zwei Astronominnen nun den Spieß kurzerhand umgedreht: Lisa Kaltenegger von der Cornell University und Jackie Faherty vom American Museum of Natural History in New York haben untersucht, von welchen Sternen aus ein außerirdischer Astronom einen Erdtransit beobachten könnte – die Passage der Erde vor der Sonne. Solche Transits sind eine bewährte Methode, um Planeten um fremde Sterne aufzuspüren.

„Aus der Sicht eines Exoplaneten sind wir die Aliens“, erklärt Kaltenegger. „Wir wollten wissen, welche Sterne die richtige Aussicht bieten, um die Erde beim Verdecken der Sonne zu beobachten.“ Dafür werten die Astronominnen Daten des europäischen Gaia-Satelliten aus, der die Positionen und Bewegungen von 1,8 Milliarden Himmelskörpern in der Milchstraße kartiert hat.

Anders als frühere Studien erfassten die Forscherinnen dabei auch Sterne und Planetensysteme, die in den letzten 5.000 Jahren oder einem ebenso langen Zeitraum in der Zukunft einen „Logenplatz mit Erdblick“ hatten oder haben werden. „Weil sich die Sterne in unserem dynamischen Kosmos bewegen, können sie in die Sichtlinie wandern, sie aber auch wieder verlieren“, so Kaltenegger.

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1.402 „Logenplätze“ mit Erdblick

Das Ergebnis: 1.402 Sterne haben momentan eine freie Sicht auf den Erdtransit. Wenn es um sie Planeten mit außerirdischen Bewohnern gibt, könnten sie unseren Planeten durch dessen Passage vor der Sonne entdecken. Unter diesen „Logenplätzen“ sind 128 sonnenähnliche Sterne und 1.050 Sterne der Spektralklasse M – Rote Zwerge und Rote Riesen, wie die Forscherinnen berichten. Weitere 313 Sterne haben die Erdtransitzone schon wieder verlassen, 319 werden erst in der Zukunft in den Genuss des Erdblicks kommen.

Unter den zurzeit günstig stehenden Sternen sind allerdings erst sieben Systeme mit Planeten bekannt. Uns am nächsten liegt der elf Lichtjahre entfernte Rote Zwerg Ross 128 mit einem erdähnlichen Exoplaneten. Seine Bewohner – so es sie denn gibt – hätten den Erdtransit bis vor rund 900 Jahren sehen können. Die beiden Planeten um den zwölf Lichtjahre entfernten Teegardens Stern kommen dagegen erst in 29 Jahren in die Sichtlinie.

Noch etwas länger dauert es, bis der gut 40 Lichtjahre entfernte Stern TRAPPIST-1 mit seinen sieben Exoplaneten freien Blick auf den Erdtransit bekommt: Sie treten erst in 1.642 Jahren in die Erdtransitzone ein, bleiben dann aber 2.371 Jahre lang in der „ersten Reihe“.

Freie Sicht und irdische Radiosignale

Interessant auch: 46 Sterne liegen momentan sowohl in der Erdtranszone als auch in einem Umkreis von bis zu 100 Lichtjahren. „Diese 46 Objekte könnten die Passage der Erde von der Sonne beobachten und wären gleichzeitig in der Lage, Radiowellen von der Erde einzufangen“, berichten Kaltenegger und Faherty. Denn die seit rund 100 Jahren von der Menschheit ausgesendeten Funksprüche und Radiosendungen, haben sich seither etwa bis in 100 Lichtjahre Entfernung ausgebreitet.

Ausgehend von Schätzungen zur Planetenhäufigkeit um verschiedene Sternentypen könnte das bedeuten, das zurzeit rund 29 potenziell lebensfreundliche Planeten in der richtigen Position stehen, um sowohl die Erde als auch die Radiowellen der Menschheit zu detektieren, so die Astronominnen. Verzichtet man auf den Erdblick, gibt es immerhin 75 nahe Sterne und ihre potenziellen Trabanten, die die menschlichen Radiosignale empfangen könnten.

Genug Zeit für außerirdische Astronomen

Sollte auf einem der Sterne in der Sichtzone außerirdische Astronomen geben, hätten sie reichlich Zeit, den Erdtransit zu bemerken. Denn im Schnitt bleibt ein Stern gut 1.000 Jahre im Sichtfeld des Erdtransits, wie die Astronominnen ermittelt haben. Umgekehrt bleiben auch die meisten Transits von Exoplaneten für uns lange sichtbar. Gerade bei nahen Sternen weckt dies die Hoffnung, anhand der Spektralsignaturen beim Transit molekulare Indizien auf Leben zu finden – beispielsweise in Form eines auffallend hohen Sauerstoffgehalts wie bei der Erdatmosphäre.

Astronomen hoffen, dass das Ende 2021 ins All startende James-Webb-Weltraumteleskop einige nahe Exoplaneten und ihre Atmosphären näher in Augenschein nehmen kann. „Man kann sich vorstellen, dass Zivilisationen jenseits der Erde ähnliche Beobachtungen für uns und das Sonnensystem planen“, sagt Faherty. Ob es solche intelligenten Außerirdischen jedoch gibt und ob sie schon ihre Teleskope auf die Erde gerichtet haben, ist bislang offen. (Nature, 2021; doi: 10.1038/s41586-021-03596-y)

Quelle: Cornell University

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