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Ufo-Bericht: „Wir wissen es nicht“

Von 144 Sichtungen unbekannter Objekte bleiben 143 unerklärt

Ufo
Screenshot aus dem "Gimbal"-Video eines unidentifizierten Flugobjekts, aufgenommen von den Sensoren eines US-Navy-Flugzeugs. © US Department of Defense

Wenig Neues: Der mit Spannung erwartete Bericht der US-Geheimdienste zu unidentifizierten Flugobjekten liefert eher enttäuschende Ergebnisse. Denn von 144 Sichtungen in den letzten 16 Jahren konnten 143 keiner eindeutigen Ursache zugeordnet werden – aber auch keiner außerirdischen. Die Pentagon-Task-Force kommt letztlich zu dem Schluss, dass die Berichte zu vage waren und in vielen Fällen Beobachtungs- und Sensorfehler nicht ausgeschlossen sind.

Das Thema erhitzt vor allem in den USA schon seit Jahrzehnten die Gemüter: Gibt es unidentifizierte Flugobjekte (Ufos) – und handelt es sich dabei womöglich um fortgeschrittene Technik außerirdischer Besucher? Während einige Menschen davon überzeugt sind, dass „Sie“ längst unter uns sind und die Regierungen dies nur vertuschen, stehen Wissenschaftler dem Ufo-Thema meist skeptisch gegenüber.

Schon Mitte der 1960er Jahre kam ein wissenschaftliches Untersuchungskomitee um den Astrophysiker Edward Condon zu dem Schluss: „Unser allgemeines Fazit ist, dass in den letzten 21 Jahren nichts bei der Erforschung von Ufos herausgekommen ist, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse vorangebracht hätte.“

144 Sichtungen seit 2004 ausgewertet

Jetzt gibt es die Neuauflage: Eine Task-Force des Pentagon hat erneut Sichtungen von unidentifizierten Flugobjekten oder wie es inzwischen heißt unidentifizierten Luftphänomenen (Unidentifed Aerial Phenenoma, UAP) ausgewertet. Berücksichtigt wurden 144 Berichte aus der Zeit von 2004 bis 2021, bei denen die Flugobjekte mit Kameras, Radar, Infrarot oder anderen Sensoren festgehalten wurden. 80 dieser Ereignisse wurden von mehreren Sensoren gleichzeitig registriert.

In 21 der Sichtungen beschreiben die Beobachter, meist Navy-Piloten im Flug, dass das Objekt ein ungewöhnliches Flugverhalten gezeigt habe: „Einige UAP schienen trotz starker Winde auf der Stelle zu stehen, andere bewegten sich gegen den Wind, manövrierten abrupt oder flogen mit beträchtlicher Geschwindigkeit ohne das erkennbare Antriebe sichtbar gewesen wären“, so der aktuelle Bericht. In elf Fällen entging der Pilot nur knapp einer Kollision mit dem Objekt.

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Unscharf und verzerrt

Worum aber handelt es sich? Die US-Task-Force kommt zu dem Schluss, dass es sich bei der Mehrheit der Sichtungen um reale, physische Objekte gehandelt haben muss. Das belegten die Sensordaten. Allerdings sei es fraglich, ob das Verhalten, die Größe und Geschwindigkeit korrekt interpretiert worden sei. Denn die Sensoren an Bord der Flugzeuge seien für spezifische Zwecke ausgelegt und daher kaum geeignet, um UAPs zu identifizieren.

Schon die Form eines Ufos kann durch schlecht kalibrierte Kameras und Sensoren verzerrt sein, wie der Astronom Nick Suntzeff von der Texas A&M University erklärt. „In den Gimbal, Triangle, GoFast oder FLIR1 genannten Videos sind beispielsweise dreieckige Objekte zu sehen“, so der Astronom. „Aber in den meisten kann man erkennen, dass auch andere sichtbare Dinge dreieckig erscheinen. Sind das etwa Schwester-Ufos? Eher nicht, Was das bedeutet ist, dass die Kamera nicht richtig fokussiert war und die ‚Pupille‘ der Kamera, der Verschluss, dreieckig ist.“

Hyperschall-Ufos und das Problem des Parallaxen-Effekts

Ebenfalls schwer einzuschätzen sind Größe und Geschwindigkeit eines unidentifizierten Objekts: „Die Perspektive der Sensoren (…) spielt eine wichtige Rolle dafür, UAPs von bekannten Objekten zu unterscheiden und festzustellen, ob ein UAP bahnbrechende Flugfähigkeiten aufweist“, heißt es im Bericht. Im Klartext: Ob einige dieser Flugobjekte tatsächlich im Hyperschall-Tempo durch die Luft gerast sind, ist fraglich.

Warum, erklärt Suntzeff an einem Beispiel: „In einem Video berichtet ein Pilot, das einem großen TicTac ähnliche Ufo sei so schnell über den Ozean geflogen, dass es die Gesetze der Physik verletze. Das Problem hier ist aber, dass wir nicht wissen, wie weit das Objekt entfernt war“, so der Forscher. Das mache es schwer, Größe und Tempo richtig einzuschätzen. „Wenn du nicht weißt, wie weit ein Objekt entfernt ist, weißt du auch nicht, wie groß es ist.“

Hinzu kommt der Parallaxen-Effekt. Durch ihn kann ein Flugobjekt, dass nah über der Meeresoberfläche scheint, aber in Wirklichkeit sehr viel höher fliegt, von oben gesehen schneller erscheinen als es ist. Weil über dem Meer Bezugsgrößen fehlen, ist die Einschätzung dort besonders schwer. Es ist daher möglicherweise kein Zufall, dass die meisten solcher vermeintlich hyperschnellen Objekte über dem Meer gesichtet wurden.

143 von 144 UAPs bleiben unklar

Eindeutig zugeordnet werden konnte nur eines der 144 Objekte: Eines der Ufos entpuppte sich als halbleerer Wetterballon. Bei den restlichen 143 räumt die Task-Force ein, dass die genaue Ursache unklar bleibt. Klar sei nur, dass es sich nicht um Tests geheimer US-Waffenprogramme oder Technologien handele. Stattdessen gehen sie davon aus, dass es wahrscheinlich verschiedene Arten von UAPs gibt, die sich in fünf Kategorien einteilen lassen:

Die erste Möglichkeit sind atmosphärische Stördaten – Vögel, Ballons, Drohnen oder fliegende Schrottteile. Die zweite sind natürliche atmosphärische Phänomene wie Ansammlungen von Eiskristallen oder thermische Fluktuationen, die beispielsweise auf dem Radar oder im Infrarot ein Signal erzeugen können.

Die dritte und vierte Erklärung wären neuartige Technologien, die von US-Firmen oder aber anderen Staaten entwickelt wurden. Für beides gebe es aber zurzeit keine konkreten Anhaltspunkte: „Uns fehlen die Daten, um irgendeines der UAP eindeutig als Teil eines ausländischen Programms oder einer bedeutenden technologischen Neuerung eines potenziellen Gegners einzustufen“, so die Task-Force.

Und was ist mit Aliens?

Bleibt eine fünfte Kategorie – sonstiges. „Obwohl die meisten in unserm Datensatz beschrieben UAP wegen limitierter Daten oder Mängeln in deren Verarbeitung und Analyse unidentifiziert bleiben, könnten wir bei einigen zusätzliches wissenschaftliches Wissen benötigen, um sie zu analysieren und charakterisieren“, heißt es im Bericht. Mit anderen Worten: Man kann nicht ausschließen, dass einige dieser Sichtungen unerkannte Phänomene zeigen – nur welche, weiß man nicht.

Dass es sich möglicherweise um extraterrestrische Objekte handeln könnte, wird allerdings an keiner Stelle des Berichts explizit erwähnt. Die Pentagon-Task-Force kommt stattdessen zu dem Schluss, dass die unidentifizierten Flugobjekte durchaus eine Gefahr für die Luftfahrt und möglicherweise die Nationale Sicherheit darstellen und daher intensiver untersucht werden sollen. Allerdings geht sie dabei eher von irdischen Gefahren beispielsweise durch andere Länder aus.

Geplant ist nun, durch standardisierte Berichtsprotokolle und eine gezieltere Sammlung solcher Sichtungen mehr und vor allem bessere Daten über UAPs zu sammeln. Auch künstliche Intelligenz soll eingesetzt werden, um die dann eingehenden Daten zu prüfen. Weitere Untersuchungen hält auch der Astronom Nick Suntzeff für sinnvoll, denn bisher lasse sich die Existenz außerirdischer Ufos weder ausschließen noch bestätigen. „Wir brauchen eindeutigere Belege, beispielsweise ein einziges klares Foto. Bisher gibt es das einfach nicht“, so der Astronom. „Die einzige Tatsache, derer wir uns bislang sicher sind ist, dass es dort draußen im Weltall ziemlich still ist.

Quelle: US National Intelligence, Texas A&M University, University of Colorado Boulder

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