Dunkle, schmale Grabeingänge verbesserten die Sicht auf den Sternenhimmel Steinzeit: Ganggräber als Astronomie-Werkzeug? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Dunkle, schmale Grabeingänge verbesserten die Sicht auf den Sternenhimmel

Steinzeit: Ganggräber als Astronomie-Werkzeug?

Das Ganggrab Dolmen da Orca in Portugal - diente sein enger Eingangsrunnel der Himmelsbeobachtung? © F. Silva

Mehr als nur ein Grab: Die Ganggräber der Steinzeit könnten unseren Vorfahren als astronomische Hilfsmittel gedient haben. Denn die dunklen, engen Eingänge dieser Bauwerke helfen dem Auge dabei, selbst schwach leuchtende Sterne am Himmel zu erkennen, wie Astronomen berichten. Einige Ganggräber in Portugal sind beispielsweise so ausgerichtet, dass man von ihnen aus den Aufgang des Sterns Aldebaran gut beobachten konnte.

Dass unsere Vorfahren schon in der Steinzeit himmlische Ereignisse als Zeitmarker, davon zeugen Bauwerke wie Stonehenge, das Sonnenobservatorium von Goseck, aber auch viele exakt nach der Sonne oder einer Himmelsrichtung ausgerichtete Gräber.

Eine weitere Auffälligkeit hat Fabio Silva von der University of Wales im Mondego-Tal in Portugal entdeckt: Die rund 6.000 Jahre alten Ganggräber und Dolmen dieses Gebiets waren zwar einheitlich ausgerichtet, aber offenbar nicht nach Sonne oder Mond – wonach aber dann?

Aldebaran als Markerstern

Weitere Untersuchungen ergaben: Die schmalen Eingänge dieser Gräber zeigten genau auf die Stelle des Horizonts, an der der Stern Aldebaran nach monatelanger Abwesenheit das erste Mal im Jahr aufgeht. Der Aldebaran ist der hellste Stern im Sternbild Stier und schon mit bloßem Auge als rötlicher Lichtpunkt zu erkennen.

Vor 6.000 Jahren ging der Aldebaran im April über der Bergkette Serra da Estrela auf - östlich des Ganggräberfeldes von Carregal do Sal. © F. Silva

Heute ist der Stern bei uns nur ab dem späten Herbst am Himmel zu sehen, in der Steinzeit jedoch ging er bereits im Frühsommer auf. Wie Silva erklärt, könnte sein Auftauchen über einer nahen Bergkette den Menschen daher signalisiert haben, wann es Zeit war, zu den Sommerweiden im Gebirge zu ziehen. Noch heute heißt die Gebirgskette, über der der Aldebaran einst aufging Serra da Estrela – Gebirge des Sterns.

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Dunkler Tunnel als Sehhilfe

„Um das erste Erscheinen dieses Sterns zeitlich genau zu sehen, ist es allerdings entscheidend, auch in der Dämmerung die ersten Sterne gut sehen zu können“, erklärt Silva. Und genau dafür könnten seiner Ansicht nach die Ganggräber mit ihren dunklen, engen Eingangstunneln eine wichtige Rolle gespielt haben. Denn sie könnten wie eine Art Teleskop ohne Linse die Nachtsicht der damaligen Weisen oder Sternkundigen verbessert haben.

Wie Silva und seine Kollegen berichten, helfen die dunkle Umgebung und der Blick auf nur einen kleinen Himmelsausschnitt dem Auge, das schwache Leuchten der Sterne schon in der Dämmerung zu erkennen. Durch den Gang des Megalith-Bauwerks könnten die Weisen oder Schamanen der Steinzeithirten daher den Aldebaran bereits erspäht haben, bevor er unter freiem Himmel und damit auch für den Rest des Volkes sichtbar war.

Nach Ansicht der Forscher könnten auch andere Ganggräber des steinzeitlichen Europa auf diese Weise als astronomische Beobachtungshilfe gedient haben. Diese Bauwerke wären damit so etwas wie die Urvorläufer der Teleskope gewesen – Jahrtausende vor Beginn der modernen Astronomie.

(Royal Astronomical Society (RAS), 30.06.2016 – NPO)

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