Stauchungsfalten sprechen für eine aktive Tektonik auf dem innersten Planeten Merkur schrumpft noch immer - scinexx | Das Wissensmagazin
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Stauchungsfalten sprechen für eine aktive Tektonik auf dem innersten Planeten

Merkur schrumpft noch immer

Merkur, der inneste Planet des Sonnensystems, ist noch tektonisch aktiv: Er schrumpft. © NASA/JHUAPL/Carnegie Institution of Washington/ USGS/ Arizona State University

Der Merkur ist aktiver als gedacht. Denn entgegen bisherigen Annahmen schrumpft der innerste Planet noch immer. Dadurch bilden sich immer neue Stauchungsfalten auf seiner Oberfläche und sogar Beben könnte es auf dem Merkur geben, wie Forscher im Fachmagazin „Nature Geoscience“ berichten. Die Belege für diese aktive Tektonik spürte die Raumsonde Messenger bei ihren letzten nahen Umkreisungen des Merkur auf.

Der Merkur ist gleich in mehrfacher Hinsicht rätselhaft. Denn sein Kern ist größer als er eigentlich sein dürfte, er rotiert schneller als erwartet und seine Oberfläche weist gleich mehrere ungewöhnliche Merkmale auf. Eine davon sind hunderte Kilometer lange Falten und Steilstufen, die auf den ersten Blick an Plattengrenzen erinnern. Sie entstanden, weil der Merkur in den vergangenen Milliarden Jahren abkühlte und dabei schrumpfte.

„Runzeln“ im Miniformat

Bisher allerdings hielt man diese Schrumpfung für längst abgeschlossen und den Merkur für einen tektonisch toten Planeten. Doch das stimmt nicht, wie nun Thomas Watters von der Smithsonian Institution in Washington und seine Kollegen herausfanden. Sie hatten für ihre Studie einige der letzten Aufnahmen der NASA-Raumsonde Messenger ausgewertet.

Weil die Raumsonde bei ihren letzten Umkreisungen besonders niedrig über der Merkuroberfläche flog, zeigen ihre Aufnahmen besonders viele zuvor nicht sichtbare Details. Unter diesen waren auch Falten und Steilstufen, die nur wenige Kilometer lang und rund zehn Meter tief waren. „Sie sind damit zwei Größenordnungen kleiner als die bisher bekannten Falten“, berichtet Koautorin Maria Banks vom Planetary Science Institute.

Einige der neuentdeckten kleinen Verwerfungen auf der Oberfläche des Merkur © NASA/JHUAPL/ Carnegie Institution of Washington/ Smithsonian Institution

Verdächtig jung

Auffallend auch: Viele dieser kleineren Verwerfungen überlagerten Einschlagskrater auf der Merkuroberfläche. Die Linien selbst waren aber kaum durch Erosion oder Einschläge verändert. Sie mussten demnach noch relativ jung sein. „Das ständige Meteoriten-Bombardement degradiert und zerstört Strukturen dieser Größe normalerweise sehr schnell“, erklärt Banks. „Diese Falten können daher erst vor kurzer Zeit entstanden sein.“

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Und noch etwas enthüllten die Messenger-Aufnahmen: „Bilder von Carnegie Rupes, einem der größten Steilstufen auf der Nordhalbkugel des Merkur, deuten darauf hin, dass die darunterliegende Verwerfung kürzlich reaktiviert wurde“, berichten die Forscher. Die vermeintlich längst „tote“ Falte hatte sich durch mehrere junge Einschlagskrater fortgepflanzt.

Anhaltende Schrumpfung und Beben

Nach Ansicht der Wissenschaftler lässt dies nur einen Schluss zu: Die Oberfläche des Merkur ist noch in Bewegung. Offenbar ist der Planet noch heute dabei, sich abzukühlen und schrumpft deshalb weiter. „Das bedeutet, dass der Merkur wie die Erde ein tektonisch aktiver Planet ist“, konstatiert Watters. Zwar besitzt der Merkur keine Plattentektonik wie die Erde, dennoch finden auf ihm geologische Prozesse statt, die die Oberfläche verformen und verändern.

„Angesichts der anhaltenden Verschiebungen an den aktiven Verwerfungen ist der Merkur wahrscheinlich auch seismisch aktiv“, sagen die Forscher. Würde man Seismometer auf der Oberfläche des Planeten deponieren, könnten sie Merkurbeben registrieren. (Nature Geoscience, 2016; doi: 10.1038/ngeo2814)

(NASA, 28.09.2016 – NPO)

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