Der ESA-Landesonde geht der Strom aus Kometenlandung: Bangen um Philae - scinexx | Das Wissensmagazin
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Der ESA-Landesonde geht der Strom aus

Kometenlandung: Bangen um Philae

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Keine guten Nachrichten von der Landesonde Philae: Wie die ESA heute in einem Live-Stream berichete, sitzt der Lander nach wie vor verkantet auf der Oberfläche des Kometen. Dadurch aber bekommen seine Sonnensegel zu wenig Licht, um die Akkus aufzuladen. Der Strom reicht nach jüngsten Schätzungen der ESA nur noch wenige Stunden – mit etwas Glück gerade bis zum nächstmöglichen Funkkontakt mit Philae. Die Experten diskutieren zwar Ideen, den Lander zu drehen oder zu versetzen, bisher aber ist nichts fest geplant.

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Noch immer ist nicht klar, wo genau Philae auf der Kometenoberfläche sitzt. Die ESA-Forscher sind dabei, das Areal um den geplanten Landeplatz auf dem Kometen-„Kopf“ mit der OSIRIS-Kamera an Bord von Rosetta abzusuchen. Bisher hat die Sonde 84 Bilder geliefert, die aber noch keine Spur von Philae zeigten. Ebenfalls bei der Suche helfen soll eine erneute Durchleuchtung des Kometenkerns mit dem CONSERT-Instrument.

Die Auswertung der von Philae selbst gemachten Bilder deutet darauf hin, dass Philae wohl doch alle alle drei Beine mit Kontakt zum Untergrund hat – aber dass er stark gekippt in einer Art Spalte oder Loch liegt. Auf einer Seite des Landers ragt ein Kliff auf, auf der anderen scheint ein gewölbter Fels zu liegen. Das Kliff wirft einen starken Schatten auf einen Großteil der Sonnensegel des Landers.

Wie lang reicht die Energie noch?

Die größte Frage ist deshalb zurzeit, wie lange die Batterien des Landers durchhalten. Denn ein Großteil seiner Solarpanele bekommt im Moment kaum Licht, so dass sich die Akkus nicht aufladen können. „Wir bekommen sehr wenig Licht: Auf einem Panel haben wir nur 1 Stunde 20 Minuten lang Sonne, auf dem anderen 20 Minuten“, erklärt Valentina Lommatsch vom Lander Team des DLR. In Energie übersetzt bedeutet dies, dass Philae über seine Panels nur rund 4-5 Watt gewinnen kann.

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Dadurch zehrt Philae seit seiner Landung fast auschließlich von seinen Batterien – und deren Energie geht rapide zur Neige. Wie Lommats berichtet, benötigt der Lander zurzeit 80 Wattstunden für die jetzt laufenden Programme. Beim letzten Kontakt waren noch 100 Wattstunden in der Batterie übrig. Für die Zukunft sieht dies nicht gut aus. Denn allein um zu booten benötigt Philae 5,1 Watt, wie Lommatsch erklärt. Für den Betrieb braucht er 50 bis 60 Wattstunden pro Tag – in seinr jetzigen Position kann er die auf keinen Fall über die Sonnensegel bekommen. „Es sieht ein bisschen schlecht aus, aber es gibt immer Hoffnung“, so Lommatsch.

Replay des ESA-Briefings vom 14. November 14:00 Uhr zum letzten Stand von Philae und Rosetta© ESA

Banges Warten: Wird Philae noch antworten?

„Wir hoffen, dass wir heute Abend Kontakt bekommen, aber das ist nicht sicher“, sagt Ulamec. „Es könnte sein, dass die Batterien leer sind, bevor es so weit ist.“ Sollte der Kontakt gelingen, will die ESA als erstes einen Befehl hochschicken, der Philae in eine Art Energiesparmodus versetzt. Das spart zwar nur wenig Energie, ist aber besser als nichts.

Außerdem überlegen die Forscher des Lander-Teams, ob sich Philae irgendwie drehen lässt, damit wenigstens eines der größeren Solarsegel mehr Licht bekommt. „Wegen des großen Schattens durch das Kliff kann es allerdings sein, dass das wenig bringt“, räumt Lommatsch ein. Eine weitere Idee, die diskutiert wird, ist, das Landegestell des Landers zu aktivieren und ihn so ungerichtet vom Untergrund abzustoßen. Selbst wenn diese Maßnahmen nicht funktionieren sollten oder nichts bringen, muss Philae deshalb nicht aufgegeben werden, wie die ESA-Experten betonen. Sie hoffen, dass sich das Sonnenlicht im Laufe der Zeit verstärkt, wenn sich der Komet der Sonne weiter annähert. Möglicherweise läst sich Philae dann reanimieren.

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Erste Experimente laufen – noch

Gestern Abend hat die ESA eine Reihe von Befehlen hochgeschickt, die einige Instrumente von Philae aktivieren, darunter auch den Bohrer. Heute früh, beim letzten Kontakt der Rosetta-Sonde mit dem Lander, zeigte sich, dass das funktioniert hat. „Wir haben gesehen, dass er arbeitet, er hatte sich 25 Zentimeter weit in den Boden eingesenkt, bevor der Kontakt abriss“, berichtet Philippe Gaudon von der ESA in Toulouse.

Ob der Bohrer auch weiterhin funktionierte und was er zutage förderte, wird sich aber erst heute Nacht kurz vor Mitternacht herausstellen – wenn und falls erneut Funkverbindung zum Lander besteht.

Mehr zur Rosetta-Mission und zur Kometenlandung lesen Sie in unserem Special

(ESA, 14.11.2014 – NPO)

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