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James-Webb-Teleskop voll entfaltet

Größtes je ins All geschickte Weltraumteleskop hat riskanteste Phase erfolgreich absolviert

JWST
Das James-Webb-Teleskop hat seinen 6,50 großen Hauptspiegel erfolgreich ausgeklappt. Damit sind alle Entfaltungsschritte erfolgreich abgeschlossen. © NASA/GSFC, CIL/ Adriana Manrique Gutierrez

Es ist geschafft: Das James-Webb-Weltraumteleskop hat nun auch seinen 6,50 Meter großen Hauptspiegel ausgeklappt und damit den letzten großen Meilenstein seiner komplexen Entfaltung erfolgreich absolviert. Im Laufe der nächsten Wochen werden nun die beweglichen Spiegelsegmente kalibriert und das Teleskop führt eine letzte Kurskorrektur auf seinem Weg zu seinem Einsatzort, dem 1,5 Millionen Kilometer entfernten Lagrangepunkt L2 durch.

Das James-Webb-Teleskop ist das größte, komplizierteste und teuerste Instrument, das die Menschheit jemals in den Weltraum geschickt hat. Wegen der Größe seines tennisplatzgroßen Sonnenschilds und des 6,50 Meter großen Hauptspiegels musste das Teleskop zudem nach seinem Start am 25. Dezember 2021 einen komplexen Entfaltungsprozess durchlaufen – ein hochriskantes Unternehmen, bei dem hunderte Bolzen, Motoren, Spannseile und Haltestangen in genau festgelegter Abfolge ihre Funktion erfüllen mussten.

Kontrollzentrum
Erleichterter Applaus im Kontrollzentrum. © NASA

Erst der Sonnenschild, dann die Spiegel

Doch der riskante Prozess ist geglückt: Schon in der ersten Januarwoche gelang es, den fünfschichtigen Sonnenschild des Teleskops auszufahren und zu spannen. Im nächsten Schritt wurde der an drei ausfahrbaren, eingeklappten Stangen befestigte Sekundärspiegel ausgeklappt und in Position gebracht.

Jetzt hat das James-Webb-Teleskop auch den letzten großen Meilenstein seines Entfaltungsprozesses erfolgreich absolviert: das Ausklappen des goldüberzogenen Primärspiegels. Dieser aus 18 Segmenten bestehende Spiegel war mit 6,50 Meter Durchmesser zu groß für die Nutzlastkapsel der Ariane-Trägerrakete. Deshalb wurden die jeweils äußeren drei Spiegelsegmente für den Transport ins All auf beiden Seiten seitlich eingeklappt.

Das „Golden Eye“ ist in Position

Am 7. und 8. Januar hat nun das neue „Auge im All“ die Seitenflügel seines Spiegels ausgeklappt und damit seine Arbeitskonfiguration erreicht. Nachdem die Spiegelsegmente eingerastet waren, brach das NASA-Deployment-Team, das den komplexen Entfaltungsprozess geplant und jahrelang am Boden getestet hat, spontan in erleichterten Applaus aus. „Damit haben wir einen Meilenstein erreicht“, sagte NASA-Administrator Bill Nelson.

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Das Webb-Teleskop zu entfalten, war laut NASA mit Abstand das Komplizierteste, das je ein Raumfahrzeug im All durchführen musste. „Der erfolgreiche Abschluss der Entfaltung des Webb-Teleskops ist historisch. Dies ist das erste Mal, dass eine NASA-geführte Mission je versucht hat, ein Observatorium in einer so komplexen Sequenz zu konfigurieren“, sagt Gregory Robinson, Webb-Programmdirektor der NASA.

Jetzt folgt die Ausrichtung der Spiegelsegmente

Als nächstes werden nun die 18 hexagonalen Spiegelsegmente ausgerichtet. Dafür manipulieren insgesamt 126 Aktuatoren die dünnen, aus Beryllium bestehenden Spiegel und passen Krümmung und Winkel der Einzelsegmente so an, dass sie einen gemeinsamen, optisch perfekten Spiegel bilden. Dafür müssen die Segmente bis auf ein Zehntausendstel der Dicke eines menschlichen Haares präzise ausgerichtet sein. Dieser Prozess wird mehrere Monate dauern. Die ersten Aufnahmen wird das Webb-Teleskop daher erst im Sommer zur Erde senden.

Einsatzort des Weltraumteleskops ist der Lagrangepunkt L2, er liegt rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt auf der sonnenabgewandten Seite. Um dorthin zu gelangen, muss das Webb-Teleskop noch das dritte seiner drei Korrektur-Manöver durchführen. Dazu wird es seine Antriebsdüsen zünden und sich auf Kurs um den Lagrangepunkt bringen.

Anders als das Hubble-Weltraumteleskop wird das James-Webb-Teleskop primär Aufnahmen und Messungen im Infrarotbereich durchführen. Dadurch kann es noch weiter ins ferne All und damit in die Vergangenheit des Kosmos blicken. Zudem erlaubt die Infrarotsicht es ihm, auch Staubwolken zu durchdringen.

Quelle: NASA

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