Erdnächster Doppelstern könnte noch unentdeckte Begleiter besitzen Hat auch Alpha Centauri Planeten? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Erdnächster Doppelstern könnte noch unentdeckte Begleiter besitzen

Hat auch Alpha Centauri Planeten?

Im Nachbarsystem Alpha Centauri könnte es noch unentdeckte Erdzwillinge geben © Michael S. Helfenbein

Noch mehr Erdzwillinge als Nachbarn? Es ist wahrscheinlich, dass das nahe Sternsystem Alpha Centauri erdähnliche Planeten besitzt – vielleicht sogar in der habitablen Zone. Denn wie Astronomen ermittelt haben, waren solche kleineren Planeten mit bisherigen Mitteln für uns nicht aufspürbar. Um beide Sterne könnten sich demnach sogar noch mehrere Erdzwillinge verstecken, wie die Forscher im „Astronomical Journal“ berichten.

Sie sind unsere nächsten Nachbarn: Die beiden Sterne von Alpha Centauri und der Rote Zwerg Proxima Centauri liegen nur rund vier Lichtjahre von der Erde entfernt – und damit theoretisch in einer zumindest in Zukunft für uns erreichbaren Distanz. Umso spannender ist es, dass Astronomen um Proxima Centauri bereits einen erdähnlichen und potenziell lebensfreundlichen Planeten entdeckt haben.

Doch wie sieht es mit dem Doppelstern Alpha Centauri aus? Könnten nicht auch sie planetare Trabanten besitzen? Immerhin haben Astronomen bisher schon mehrere Exoplaneten mit zwei oder sogar drei Sonnen entdeckt. Bei Alpha Centauri aber ist man trotz intensiver Suche bisher nicht fündig geworden. Ein 2012 um Alpha Centauri B entdecktes potenzielles Planetensignal hat sich bisher nicht bestätigt.

Nah, aber trotzdem schwer aufzuspüren

Warum das so ist, haben nun Lily Zhao von der Yale University und ihre Kollegen untersucht. Sie werteten dafür Daten mehrerer neuer Spektrographen am Very Large Telescope Array der ESO in Chile aus. „Das Universum zeigt uns, dass die häufigsten Planeten die kleineren sind“, erklärt Zhaos Kollegin Debra Fischer.

Doch gerade diese sind mit bisherigen Technik extrem schwer aufzuspüren – unter anderem weil ihre Sterne sie überstrahlen und sie nur wenig Schwerkrafteinfluss auf diese haben. Bei Alpha Centauri kommt dazu, dass beide Sterne zurzeit von uns aus gesehen eng zusammenstehen. Winzige Taumelbewegungen der Sterne oder andere von Planeten verursachte Effekte sind daher kaum auszumachen.

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2012 haben Astronomoen bereits ein möägliches Planetensignal bei Alpha Centauri B entdeckt - bestätigen ließ sich dies aber bisher nicht. © ESO/L. Calçada/ N. Risinger

Übersehene Erdzwillinge

Wie die Auswertung ergab, könnten sich deshalb durchaus noch mehrere kleine, erdähnliche Planeten im Alpha-Centauri-System verstecken. „Es ist fast sicher, dass es solche Planeten um die beiden Sterne von Alpha Centauri gibt“, sagt Fischer. „Wenn sie aber in der habitablen Zone kreisen, hätten wir sie bisher nicht finden können.“

Nach Angaben der Astronomen könnte es in der habitablen Zone um Alpha Centauri A Planeten von bis zu 50 Erdmassen geben – bis zu dieser Grenze reichte die bisherige Auflösung. Alpha Centauri B könnte immerhin noch unentdeckte Planeten von bis zu acht Erdmassen Größe besitzen, wie die Forscher ermittelten. Und selbst Proxima Centauri könnte noch einen bisher unentdeckten Planeten besitzen – erste Hinweise darauf gab es ja auch schon.

Keine Gasriesen um Alpha Centauri

Eher ausgeschlossen ist dagegen die Existenz von Gasriesen wie dem Jupiter bei Alpha Centauri – sie hätte man mit bisherigen Mitteln längst aufspüren müssen. „Indem wir die bekannten Daten auf neue Weise ausgewertet haben, konnten wir ausschließen, dass es dort große Planeten gibt“, so Zhao und ihre Kollegen.

Für die Suche nach potenziellen Erdzwillingen in diesem System ist dies eher eine positive Nachricht. Denn solche Gasriesen können durch ihre große Schwerkraft die Bahnen kleinerer Planeten stören oder auch Asteroiden auf sie lenken – auch der Jupiter hat in der Frühzeit unseres Sonnensystems für Turbulenzen gesorgt.

Ab 2019 herrschen günstige Bedingungen

Insgesamt könnten diese neuen Erkenntnisse wertvolle Hilfe bei künftigen Fahndungen nach Exoplaneten um Alpha Centauri leisten, wie die Forscher erklären. „Es engt den Suchbereich ein und hilft, die Bemühungen zu priorisieren“, so Fischer. Günstig auch: Der Winkelabstand von Alpha Centauri A und B nimmt allmählich wieder zu. „Ab 2019 werden die Sterne daher ideale Ziele für die Doppler-Planetensuche sein“, so die Astronomen. (The Astronomical Journal, 2017; doi: 10.3847/1538-3881/aa9bea)

(Yale University, 20.12.2017 – NPO)

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