30 Kilogramm schwerer Brocken aus Blaubeuren ist kosmischen Ursprungs Größter Steinmeteorit Deutschlands gefunden - scinexx | Das Wissensmagazin
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Größter Steinmeteorit Deutschlands gefunden

30 Kilogramm schwerer Brocken aus Blaubeuren ist kosmischen Ursprungs

Blaubeuren-Meteorit
Der in Blaubeuren gefundene Meteorit misst 28 x 25 x 20 Zentimeter und ist gut 30 Kilogramm schwer.© DLR / U. Köhler

Himmlischer Zufallsfund: Ein im schwäbischen Blaubeuren gefundener Steinbrocken ist der größte Steinmeteorit, der jemals in Deutschland gefunden wurde. Das Fundstück wiegt gut 30 Kilogramm und zeigt klare Merkmale eines Meteoriten. Analysen zufolge handelt es sich um einen sogenannten H-Chrondriten – einen Steinmeteoriten mit relativ hohem Eisenanteil. Wann dieser himmlische Brocken auf die Erde gefallen ist und woher er kam, ist bisher noch offen.

Die Erde wird immer wieder von größeren und kleineren Brocken aus dem All getroffen – auch Deutschland ist davon nicht ausgenommen. Ein 2016 über Bayern niedergegangener Meteorit oder auch große Krater wie das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken zeugen von diesem kosmischen „Bombardement“. Obwohl wahrscheinlich 90 Prozent aller im Sonnensystem kreisenden Brocken primär aus Gestein bestehen, bleiben sie nach ihrem Einschlag nur selten erhalten. Deshalb gehören nur ein Viertel der auf der Erde gefundenen Meteoriten zu den Steinmeteoriten.

Steinmeteorit
Auf den ersten Blick unscheinbar: der Blaubeuren-Meteorit. © Gabriele Heinlein

Zufallsfund im Kabelgraben

Den bislang größten in Deutschland gefundenen Steinmeteoriten hat nun ein Hausbesitzer im schwäbischen Blaubeuren durch Zufall zutage gefördert. Schon im Jahr 1989 war er beim Ausheben eines Grabens auf seinem Grundstück auf einen gut 25 Zentimeter großen Felsbrocken gestoßen. Weil der Brocken unauffällig bräunlich gefärbt war und auf den ersten Blick keine ungewöhnlichen Merkmale aufwies, blieb er jedoch bis 2015 unbeachtet im Garten liegen, dann verfrachtete der Finder ihn in den Keller.

Im Januar 2020 dann weckte der Brocken doch die Neugier des Mannes und er meldete den Fund beim Institut für Planetenforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Bei der Untersuchung einer kleinen Gesteinsprobe entdeckte DLR-Experte Dieter Heinlein eine charakteristische Struktur mit winzigen Silikatkügelchen, den sogenannten Chondren. Sie sind für Steinmeteoriten typisch.

Größter Steinmeteorit Deutschlands

„Das war das Bruchstück eines Meteoriten, da war ich mir sofort ziemlich sicher“, sagt Heinlein. „Das Fundstück hat eine Masse von 30,26 Kilogramm, was ihn als größten je in Deutschland gefundenen Steinmeteoriten ausweist.“ Am 7. Juli 2020 hat auch die Meteoritical Society diesen Meteoritenfund offiziell bestätigt. Vor dem nach seinem Fundort „Blaubeuren“ getauften Brocken war der unweit von Oldenburg gefundene Benthullen-Meteorit mit einem Gewicht von 17,25 Kilogramm der Rekordhalter.

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Nähere Analysen ergaben, dass in der Matrix aus Silikatgestein auch Partikel aus Eisen und anderen Metallen eingelagert sind. Ihnen verdankt der Meteorit seine relativ hohe Dichte von 3,34 Gramm pro Kubikzentimeter. Ausgehend von diesen Merkmalen stuften die DLR-Forscher den Meteoriten als gewöhnlichen Chondriten der Klasse H4-5 ein. Dabei handelt es sich um Steinmeteoriten, die rund 28 Massenprozent Eisen enthalten und die in ihrer Vergangenheit auf mehrere hundert Grad erhitzt wurden.

Opfer einer kosmischen Kollision

Wann der Meteorit auf die Erde gestürzt ist und woher er kommt, ist bislang erst in Teilen aufgeschlüsselt. So legt der Verwitterungszustand nahe, dass der Brocken vor seinem Fund schon mehrere Jahrhunderte lang im Untergrund lag. Wann genau er aber einschlagen ist, versuchen Forscher zurzeit mithilfe von Isotopenanalysen zu klären. Die Ergebnisse dazu stehen noch aus.

Dünnschliffe
Dünnschliffe des Blaubeuren-Meteorits zeigen typische kugelförmige Chrondren mit Einschlüssen. © Addi Bischoff, Institut für Planetologie/ WWU Münster

Dafür ergaben Untersuchungen von Dünnschliffen unter dem Durchlicht-Polarisationsmikroskop, dass es sich bei dem Steinmeteoriten um ein Brekzie handelt – ein Gestein, das aus Bruchstücken zusammengebacken wurde. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass der Blaubeuren-Meteorit in der Vergangenheit mindestens eine heftige Kollision erlebt haben muss. „Das sehen wir bei H4- und H5-Chondriten häufig“, erläutert Addi Bischoff von der Universität Münster.

Auch wenn die Analysen der Meteoritenproben noch laufen – der Finder hat schon bestimmt, dass der größte Steinmeteorit Deutschlands künftig in einem Museum ausgestellt werden soll. Dann kann auch die Öffentlichkeit einen Blick auf diesen „Schwaben, der vom Himmel fiel“ werfen.

Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

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