Schwarm von Wasserstoffwolken rast aus dem Galaxienzentrum ins All hinaus Exodus aus der Milchstraße - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schwarm von Wasserstoffwolken rast aus dem Galaxienzentrum ins All hinaus

Exodus aus der Milchstraße

Vom Zentrum der Milchstraße rast ein ganzer Schwarm von Wasserstoffwolken ins All hinaus. © S. Brunier/ P. Vosteen

Rätselhafter Exodus: Astronomen haben einen ganzen Schwarm von Wasserstoffwolken entdeckt, die in hohem Tempo aus dem Zentrum der Milchstraße herausrasen. Die mehr als 100 Gaswolken strömen ungewöhnlich schnell ins All hinaus und bilden riesige, mindestens 5.000 Lichtjahre große Kegel. Seltsam auch: Bisher haben die Forscher das Vorderende dieses Gasschwarms nicht ausmachen können.

Im Zentrum der Milchstraße, in unmittelbarer Umgebung des massereichen Schwarzen Lochs, wirken gewaltige Kräfte. Sie führen zu intensiver Sternenbildung, aber auch dem explosiven Untergang von Sternen. Vor einigen Jahren entdeckten Astronomen dort zudem ein rätselhaftes Phänomen: Zwei gigantische, aus der Milchstraßenebene herausragende Gasblasen, die Gamma- und Röntgenstrahlung abgeben. Ursache für diese Fermi-Blasen könnte ein vergangener Ausbruch unseres Schwarzen Lochs gewesen sein.

Schwarm von Wasserstoffwolken

Jetzt haben Astronomen herausgefunden, dass in diesen Fermi-Blasen ein wahrer Exodus von Wasserstoff-Wolken stattfindet. Entdeckt haben die Forscher dies, als sie das galaktische Zentrum und die Fermi-Blasen mithilfe des Green Bank Radiotelekops im US-Bundesstaat West Virginia kartierten. Signale der Wellenlänge 21 Zentimeter verrieten ihnen Tempo und Richtung der Wolken aus neutralem Wasserstoff.

Das überraschende Ergebnis: Ein gewaltiger Schwarm von mehr als hundert Gaswolken rast vom Milchstraßenzentrum aus weit ins All hinaus. Zwar hatten Forscher schon früher schnelle Gasströme in den Fermi-Blasen beobachtet, nicht aber so viele. „Normalerweise sind die Gasbewegungen in der Milchstraße ziemlich gleichmäßig und werden von der Rotation der Galaxie bestimmt“, erklärt Jay Lockman vom Green Bank Observatory. Doch hier sei dies nicht der Fall.

Außenrand nicht auszumachen

Stattdessen rasen die Wasserstoff-Wolken mit Geschwindigkeiten von durchschnittlich 330 Kilometern pro Sekunde aus dem Milchstraßenzentrum nach außen. „Das Auffallende an diesen Wolken ist ihre wirklich verrückte Geschwindigkeit“, sagt Lockman. „In den Fermi-Blasen sehen wir Wolken, die gut 400 Kilometern pro Sekunde schnell sind, direkt neben deutlich langsameren.“

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Die Verteilung und Geschwindigkeit der Gaswolken deuten darauf hin, dass dieser Wasserstoff-Exodus zwei gewaltige Kegel bildet, wie die Astronomen berichten. Diese Kegel aus wegrasenden Gaswolken ragen mindestens 5.000 Lichtjahre über die Milchstraßenebene hinaus. Seltsam jedoch: „Bisher haben wir nicht herausgefunden, wie weit dieser Schwarm von Wasserstoffwolken reicht“, sagt Enrico DiTeodoro von der Australian National University.

Wie die Forscher erklären, konnten sie die Vorderfront dieses Gasstroms bisher nicht ausmachen. „Irgendwo oberhalb des galaktischen Zentrums müssen diese Wasserstoffwolken sich eigentlich zerstreuen oder ionisiert werden“, so DiTeodoro. „Aber bisher haben wir diese Zone nicht gefunden – es gibt also noch einiges zu lernen.“ (231st Meeting of the American Astronomical Society)

(Green Bank Observatory, 15.01.2018 – NPO)

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