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Ein neuer Sonnenzyklus hat begonnen

Nach ihrem Minimum im Dezember 2019 steigt die Aktivität der Sonne wieder an

Sonnenfleck
Zunehmende Sonnenflecken künden vom Beginn eines neuen Zyklus der solaren Aktivität – im Dezember 2019 hat unser Stern sein Minimum durchlaufen und steuert nun wieder auf ein Maximum zu. © NSO/AURA/NSF

Umschwung zu mehr Aktivität: Unsere Sonne hat einen neuen Sonnenzyklus begonnen – ihre Aktivität nimmt nach einem Minimum im Dezember 2019 nun wieder zu, wie die NASA berichtet. Damit bahnt sich nun eine Phase zunehmender Sonnenflecken und solarer Ausbrüche an. Allerdings sagen die Prognosen diesmal einen eher ruhigen Zyklus mit einem gemäßigten Maximum voraus – das ist günstig für die Raumfahrt.

Die Aktivität unserer Sonne folgt einem regelmäßigen Zyklus: Im Laufe von etwa elf Jahren schwingt sie zwischen einer Phase der Ruhe und einer Phase gehäufter Sonnenflecken, Plasmaausbrüche und Sonnenstürme hin und her. Auch das solare Magnetfeld polt sich im Takt dieses Sonnenzyklus um. Angetrieben wird dieser Wechsel wahrscheinlich von großen Umwälzströmen im Sonneninneren.

Zyklisch und doch schwer berechenbar

Das Problem jedoch: Ob die Sonne ein Maximum oder Minimum erreicht hat, lässt sich immer erst im Nachhinein feststellen. „Es kann sechs oder acht Monate dauern, bis wir sagen können, dass es tatsächlich ein solares Minimum gab“, erklärt die Sonnenphysikerin Lisa Upton von der Space Systems Research Corporation in Colorado. Hinzu kommt, dass die solaren Zyklen überlappen können – „alte“ und „neue“ Sonnenflecken treten dann gleichzeitig auf der Sonnenoberfläche auf. Erkennbar ist dies an der unterschiedlichen magnetischen Polung dieser dunklen Stellen.

Um den aktuellen Stand zu ermitteln, müssen Astronomen unseren Stern daher kontinuierlich überwachen. Das geschieht unter anderem am Weltdatenzentrum für den Sonnenfleckenindex und solare Beobachtungen am Königlich Belgischen Observatorium in Brüssel. Ein internationales Expertengremium unter Leitung der NASA ermittelt dann aus diesen Daten, wann ein neuer Sonnenzyklus beginnt.

Sonne ist wieder auf dem Weg zum Maximum

Das ist nun der Fall: Wie die NASA mitteilt, hat unsere Sonne bereits im Dezember 2019 ihr Minimum durchlaufen. In den vergangenen anderthalb Jahren gab es deshalb kaum einen Sonnenfleck und nur wenige Sonneneruptionen, die Strahlung und Teilchen ins All schleuderten. In den letzten Monaten jedoch hat die Sonnenaktivität wieder zugenommen. Schon im Mai 2020 ließen erste stärkere Strahlenausbrüche darauf schließen, dass unser Stern langsam wieder Fahrt aufnimmt.

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Jetzt haben weitere Beobachtungen dies bestätigt. Demnach hat nun auch offiziell der Sonnenzyklus 25 begonnen. Das nächste solare Maximum wird aber erst zwischen 2024 und 2026 erwartet. „Während wir nun aus dem solaren Minimum auftauchen und uns dem Maximum des Sonnenzyklus 25 nähern, sollten wir im Blick behalten, dass die Sonnenaktivität nie aufhört“, betont Lika Guhathakurta von der NASA. „Sie verändert nur ihre Art und Weise, während das solare Pendel schwingt.“

Sonnenzyklus
Aktivitäts-Vorhersage für den nun begonnenen 25. Sonnenzyklus. © NASA/NOAA

Neuer Sonnenzyklus wird eher „schlapp“

Den Experten zufolge wird der aktuelle Sonnenzyklus aber eher gemäßigt ausfallen – ähnlich wie schon die Vorgänger. Bereits seit den 1980er Jahren zeigt die solare Aktivität einen deutlichen Abwärtstrend, für 2030 wurde sogar schon ein „Super-Minimum“ vorhergesagt. „Die aktuelle Phase geringer Sonnenaktivität im Vergleich zu den starken Zyklen, die während des Großteils des vergangenen halben Jahrhunderts vorherrschten, setzt sich in den nächsten elf Jahren offenbar fort“, sagt Gremiumsmitglied Robert Cameron vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung.

Dies sind gute Aussichten für die irdische Telekommunikation, die Stromnetze und auch die Satelliten im Erdorbit. Denn sie werden bei schwacher Sonnenaktivität weniger durch Sonnenstürme und deren schädliche Einflüsse beeinträchtigt. Auch für bemannte Raumfahrtmissionen wie die für 2024 geplante Artemis-Mission zum Mond senkt dies das Risiko gefährlicher Strahlenausbrüche.

Darüber hinaus können Phasen geringer solarer Aktivität sogar das irdische Klima beeinflussen: Schon mehrfach in der Geschichte führten Zeiten mit einer besonders ruhigen Sonne zu einer Klimaabkühlung mit auffällig kalten Wintern, wie historische Daten nahelegen. Allerdings: Die Erwärmung durch den anthropogenen Klimawandel wird selbst eine geringe Sonnenaktivität nicht aufhalten können.

So wird der Sonnenzyklus überwacht und eingeordnet.© NASA/ GSFC

Quelle: NASA, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung

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