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Aliens: ET antwortet nicht

Bislang größte Suche nach außerirdischen Radiosignalen findet nichts

MWA
Die Antennen des Murchison Widefield Array (MWA) haben eine der umfangreichsten Suchen nach außerirdischen Signalen abgeschlossen - vergeblich. © Dragonfly Media

Kein Erfolg für SETI: Die bislang umfangreichste Suche nach außerirdischen Radiosignalen hat kein Lebenszeichen gefunden. Die Abtastung von rund zehn Millionen Sternen im Gebiet des Vela-Sternbilds konnte keine „Technosignaturen“ – starke Signale mit enger Bandbreite im Kurzwellenbereich – aufspüren. Allerdings: Dieser Himmelsausschnitt entspricht nur einem Schwimmbecken im gesamten Ozean des Weltraums, wie die Astronomen betonen.

Wo stecken die Aliens alle? Nach Berechnungen von Astronomen müsste es allein in der Milchstraße rund 10.000 außerirdische Zivilisationen geben, die nächste davon nur rund 2.000 Lichtjahre von uns entfernt. Potenziell lebensfreundliche Planeten gibt es in unserer galaktischen Umgebung ebenfalls reichlich. Doch bisher fehlt trotz intensiver Suche, unter anderem im SETI-Projekt, jede Spur von extraterrestrischen Intelligenzen und ihren Radiosignalen.

Um die Suche auszuweiten, haben Astronomen inzwischen die Hard- und Software des SETI-Programms an immer mehr astronomischen Teleskopen installiert. „Dadurch können SETI-Suchen auch parallel zu primär astrophysikalischen Untersuchungen durchgeführt werden“, erklären Chenoa Tremblay von der australischen Forschungsorganisation CSIRO und Steven Tingay vom International Centre for Radio Astronomy Research (ICRAR).

Suche bei zehn Millionen Sternen

Eine der bisher umfangreichsten SETI-Durchmusterungen haben die beiden Astronomen jetzt mit dem Murchison Widefield Array (MWA) in Australien durchgeführt. Sie tasteten dafür einen rund 400 Quadratgrad großen Himmelsausschnitt im Bereich des Sternbilds Vela ab. Dieser umfasst rund zehn Millionen Sterne, aber nur sechs bisher bekannte Exoplaneten.

„Wir haben den Himmel rund um Vela 17 Stunden lang am Stück beobachtet und dabei 100-mal tiefer und breiter geschaut als je zuvor“, sagt Tremblay. Die Forscher suchten dabei gezielt nach starken Radiosignalen im Bereich von 98 bis 128 Megahertz und mit enger Bandbreite. Diese Merkmale gelten als mögliche Kennzeichen von technisch erzeugten Signalen einer fremden Zivilisation – als sogenannte Technosignaturen..

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Keine Spur von Technosignaturen

Das Ergebnis: Obwohl das MWA mit seinem breiten Sichtfeld und hoher Sensibilität gute Voraussetzungen mitbringt und die aktuelle Suche ein hundertmal größeres Gebiet abgesucht hat als bisherige Durchmusterungen, blieb auch diese Suche erfolglos. „Wir haben keine Technosignaturen gefunden – kein Anzeichen für intelligentes Lebens im All“, sagt Tingay. Zumindest in diesem Teil des Kosmos bleiben die Außerirdischen vorerst verborgen – wenn es sie denn gibt.

„Auch wenn dies eine wirklich umfangreiche Suche war, das Ausmaß des Weltraums, das wir durchsucht haben, war im Vergleich zur Größe des Alls winzig – es entspricht dem Wasservolumen in einem Gartenpool im Vergleich zum gesamten Ozean“, sagt Tingay. Damit gebe es noch reichlich Raum im All, in dem fortgeschrittene außerirdische Zivilisationen stecken könnten. „Es ist noch ein langer Weg auf der Suche nach extraterrestrischen Intelligenzen, aber Teleskope wie das MWA werden weiter die Grenzen des Machbaren ausloten – wir müssen weitergucken.“

Die Suche geht weiter

Schon jetzt sind mehrere Projekte im Gange, in deren Rahm Astronomen auch mit anderen Radioteleskopen weiter nach Technosignaturen im All suchen. So wollen chinesische Forscher mit dem neuen FAST-Teleskop ein SETI-Programm durchführen und auch das MeerKAT-Teleskop in Australien soll demnächst dafür eingesetzt werden.

„Weil wir nicht wissen, welche Technologien mögliche außerirdische Zivilisationen einsetzen könnten, müssen wir auf vielen verschiedenen Wegen suchen“, sagt Tingay. Wo am Himmel sich die Suche am ehesten lohnen könnte, haben bereits im Jahr 2016 einige Astronomen ermittelt. (Publications of the Astronomical Society of Australia (PASA), 2020; doi: 10.1017/pasa.2020.27; arXiv:2009.0326)

Quelle: International Centre for Radio Astronomy Research (ICRAR)

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