Rätselhaftes Abdimmen von KIC 8462852 erstmals auf frischer Tat ertappt "Alien-Stern" wird wieder dunkler - scinexx | Das Wissensmagazin
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Rätselhaftes Abdimmen von KIC 8462852 erstmals auf frischer Tat ertappt

„Alien-Stern“ wird wieder dunkler

Stern KIC 8462852 zeigt mysteriöse Helligkeitsschwankungen, aber auch eine langfristige Abnahme seines Sternenlichts. Der Grund bleibt rätselhaft. Einer Theorie nach könnte ein Kometenschwarm zumindest einen Teil der Beobachtungen erklären. © NASA/JPL-Caltech

Er tut es wieder: Der rätselhafte Stern KIC 8462852 hat wieder begonnen, dunkler zu werden. Dieses unregelmäßig auftretende, erstaunlich starke Abdimmen sorgte schon früher für Rätselraten unter Astronomen – und sogar für Spekulationen über Alien-Zivilisationen. Jetzt haben Forscher erstmals die Chance, den Stern quasi auf frischer Tat zu ertappen, denn sie können nun das Abdimmen direkt in Echtzeit beobachten.

Der Stern KIC 8462852, auch Tabby’s Stern genannt, sorgt schon seit Monaten für Aufsehen, denn er verhält sich äußerst ungewöhnlich. Das Licht des rund 1.450 Lichtjahre entfernten sonnenähnlichen Sterns dimmt ab und zu ab, aber viel zu stark und zu unregelmäßig, um durch einen vorbeiwandernden Planeten oder stellaren Partner erklärt werden zu können. Gleichzeitig nimmt auch seine Helligkeit langfristig immer weiter ab – auch hierfür fehlt bisher eine Erklärung.

Unregelmäßig und viel zu stark

Bisher haben Astronomen das seltsame Verhalten des Sterns nur im Nachhinein rekonstruiert, unter anderem anhand von alten Aufnahmen des Kepler-Weltraumteleskops und anderer Teleskope. Diese Messungen ergaben, dass KIC 8462852 um bis zu 22 Prozent dunkler wird. Doch selbst ein riesiger Planet in seinem Orbit würde maximal ein Prozent Abschattung erreichen können, wie der Astronom Phil Plait erklärt.

Hinzu kommt, dass das Abdimmen völlig irregulär erfolgt: Mal sinkt die Helligkeit nur kurz ein wenig ab um sich dann wieder zu erholen. Dann wieder sackt sie abrupt enorm ab. Dieses zeitliche Muster passt nicht zur Theorie, dass ein im Orbit kreisendes Objekt das Licht abschattet – denn diese Umkreisungen erfolgen in der Regel in konstantem Tempo und damit regelmäßig.

Staubwolke? Aliens?

Was aber kann es dann sein? Einige Astronomen vermuten, dass eine gigantische Staub- und Trümmerwolke im Orbit des Sterns dieses seltsame Abschattungsmuster hervorrufen könnte. Bisher allerdings haben Beobachtungen im Infrarot-Bereich keine Hinweise auf die für solche Wolken typische Wärmesignatur ergeben.

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Eine andere – ziemlich aufsehenerregende – Hypothese vertritt Jason Wright von der Penn State University: Er vermutet, dass die Abschattungen von einer Alien-Zivilisation herrühren könnten. Sie könnten große Raumstationen und Megastrukturen wie eine Dyson-Sphäre um den Stern errichtet haben. Allerdings: Auch dafür ließen sich bisher keinerlei Belege finden, auch eine gezielte Abhöraktion durch das SETI-Institut erbrachte nichts.

Ein neuer Abschattungszyklus hat begonnen

Jetzt jedoch könnten Astronomen eine einmalige Chance bekommen, das Geheimnis von KIC 8462852 doch noch zu lösen. Denn seit dem 19. Mai hat der Stern wieder begonnen, sich abzudimmen – um knapp drei Prozent. Die Forscher hoffen, dass damit ein neuer Zyklus der Abschattungen um den Stern beginnt und dass sie diesen nun erstmals in Echtzeit beobachten und spektrale Messungen durchführen können.

„Dies ist die erste klare Abschattung seit 2013 und die erste überhaupt, die wir in Echtzeit einfangen können“, sagt Wright. Weltweit richten Astronomen nun ihre Teleskope auf KIC 8462852 und haben bereits erste Spektralmessungen durchgeführt. Die Beobachtungen könnten möglicherweise auch klären, ob es doch eine Periodizität gibt – nur eben eine mehrere Jahre dauernde.

Die Astronomin Tabetha Boyajian in eiem Live-Talk zum „Alien“-Stern KIC 8462852© Cool Worlds

Noch ist es zu früh, um eindeutige Aussagen zu treffen. Aber in einem Live-Talk erklärte die Entdeckerin des Sterns, Tabetha Boyajian, dass die bisher aufgezeichneten Spektralmuster in jedem Fall eher auf etwas im Orbit des Sterns hindeuten und nicht auf einen Störeffekt von Objekten, die zwischen uns und dem Stern liegen. Man darf gespannt sein, ob die in den nächsten Monaten gemachten Beobachtungen das Geheimnis des „Alien“-Sterns endlich lüften können.

(Science Magazine, Phil Plait, 24.05.2017 – NPO)

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