Bohrkern 1049B und die Dinosaurier Zeitreise in die Vergangenheit - scinexx | Das Wissensmagazin
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Bohrkern 1049B und die Dinosaurier

Zeitreise in die Vergangenheit

Meteoriteneinschlag © Nasa

Bohrkern 1049B ist etwas Besonderes. Bohrkern 1049B verrät, warum vor 65 Millionen Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach drei Viertel aller Arten, darunter die Dinosaurier, ausstarben. Hinter der Nummer 1049B verbirgt sich ein Stück Meeresboden aus dem Golf von Mexiko. Das Spezialschiff "JOIDES Resolution" hat ihn 1997 etwa 300 Kilometer nordöstlich von Florida aus dem Meeresboden gebohrt.

Der Bohrkern selbst sieht für Laien eher langweilig aus: Unscheinbares hellgraues Sediment mit leichten Wellenlinien und ungefähr in der Mitte eine acht Zentimeter breite grünliche grobkörnige Schicht, die von einem rostroten Band abgeschlossen wird. Darüber – erdgeschichtlich gesehen – lange Zeit wieder nur grau, kaum Reste von Lebewesen. Fachleute hingegen begeistert der Kern, denn die rostrote Lage über der grünlichen Schicht hat es in sich – vor allem Iridium. Ungewöhnlich, da Iridium auf der Erde nur extrem selten als Spurenelement vorkommt. Findet man so viel Iridium, so deutet das auf einen gewaltigen Meteoriteneinschlag hin.

Die acht Zentimeter breite, grünliche Schicht hat sich vermutlich in weniger als einem Monat direkt nach einem Einschlag abgelagert. Stummer Zeuge einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes: Ein Meteorit von zwölf Kilometern Durchmesser schlug mit 40.000 Kilometern pro Stunde in den Golf von Mexiko ein. Eine 50 bis 100 Meter hohe Flutwelle verheerte die Küsten diesseits und jenseits des Atlantiks. Über 200.000 Kubikkilometer Erdkruste verdampften, schmolzen oder wurden in die Erdatmosphäre geschleudert. Ein großer Teil davon war schwefelhaltiges Kalkgestein. Unter der Hitze und der Wucht des Einschlags entstanden daraus Kohlendioxidgase, Schwefelaerosole und Staub. Der Himmel verdunkelte sich und saurer Regen verätzte das Land. Feuerstürme rasten über den Kontinent. Fast zwei Drittel aller damals lebenden Arten starben aus – entweder sofort oder weil in den folgenden Jahrhen die Nahrungsketten durch die lang anhaltende weltweite Dunkelheit überall zusammenbrachen.

Der iridiumhaltige Staub des pulverisierten Meteoriten verteilte sich über die ganze Welt. Im Jahre 1980 fanden zwei Geologen in Italien eine dünne Schicht Iridium in 65 Millionen Jahre altem Gestein. Ganz richtig vermuteten sie, dass es sich um die Überreste eines Meteoriteneinschlags handeln müsse. Doch zu diesem Zeitpunkt war kein Krater bekannt, der zu einem solch riesigen Einschlag gepasst hätte.

Phytoplankton © Uwe Kils / GFDL

Obwohl Wissenschaftler überall nach dem Krater suchten, dauerte es noch zehn Jahre, bis er gefunden wurde – und dann auch eher nebenbei. 1990 suchten Geologen auf der Halbinsel Yucatan in Mexiko nach Öl. Neben dem schwarzen Gold fanden sie allerdings auch etwas viel größeres: Den nach einem kleinen Ort benannten riesigen Chicxulub-Krater. Der Krater misst 180 Kilometer im Durchmesser, seine Wälle sind acht Kilometer hoch. Doch die Erde hat den Mantel der Zeit über die Katastrophe gebreitet: In den 65 Millionen Jahren seit der Katastrophe hat sich ein ganzer Kilometer Sediment abgelagert. Heute sieht man den Krater nur noch auf speziell angefertigten Karten des Untergrunds als eine längst verwachsene Narbe in der obersten Schicht unserer Erdkruste.

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(DFG-Forschungszentrum Ozeanränder Bremen (RCOM), 07.01.2004 – Kirsten Achenbach / DFG-Forschungszentrum Ozeanränder Bremen (RCOM))

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