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Wo liegen Europas Dürre-Hotspots?

Sommerdürren könnten in fast ganz Europa länger, schlimmer und häufiger werden

Europa
Geht der Klimawandel so weiter, könnte Europa im Sommer immer häufigere, schlimmere und längere Dürren erleben. © Romolo Tavani/ iStock

Die Alpen, Frankreich, Spanien und der Mittelmeerraum – diese Regionen in Europa müssen sich künftig auf extreme Sommerdürren einstellen. Denn dort werden die Niederschläge im Sommerhalbjahr besonders stark abnehmen. Aber auch in Mitteleuropa könnten extreme Sommerdürren bis zum Jahr 2100 um 25 Prozent häufiger werden, wie eine regionale Klimamodellierung zeigt. Parallel dazu nimmt auch die Intensität und Dauer der Trockenperioden zu.

Schon jetzt mehren sich die Indizien dafür, dass viele Regionen der Erde durch den Klimawandel immer trockener und heißer werden, darunter der Mittelmeerraum, der Westen der USA oder auch Teile Asiens. Als Folge häufen sich Dürren und Waldbrände selbst in früher weniger stark betroffenen Gebieten wie der sibirischen Tundra. Auch Mitteleuropa hat bereits einige historisch beispiellose Dürresommer erlebt.

Europas Regionen im Blick

Was aber bedeutet dies für künftige Klima bei uns und in anderen Teilen Europas? Das haben nun Andrea Böhnisch von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und ihre Kollegen genauer untersucht. Für ihre Studie ermittelten sie mithilfe eines Klimamodells, ob und wie stark die Niederschläge bei weitgehend ungebremstem Klimawandel (RCP 8.5) bis zum Zeitraum 280 bis 2099 vom langjährigen Mittel abweichen werden.

Weil das Klima innerhalb Europas extrem unterschiedlich ist, betrachtete das Forschungsteam acht Teilregionen getrennt voneinander: Großbritannien, Skandinavien, Mitteleuropa, die Alpen, Osteuropa, Frankreich, die Iberische Halbinsel und den Mittelmeerraum. Für jedes Gebiet berechneten sie für die präindustrielle Ära, für heute und für Ende des Jahrhunderts den Prozent vom Normal-Index (PNI). Er gibt an, wie viel Prozent des im langjährigen Mittel normalen Niederschlags in einer bestimmten Zeitperiode fällt.

Klarer Trend zu trockenen Sommern

Das Ergebnis: „Wir finden einen klaren Trend zu mehr, längeren und intensiveren Sommerdürren bis zum Ende des Jahrhunderts“, berichtet Böhnischs Kollegin Magdalena Mittermeier. In sieben von acht Teilregionen werden die Niederschläge im Sommer deutlich abnehmen und Trockenperioden und extreme Dürren häufiger werden. Einzig in Skandinavien wird es auch bei starkem Klimawandel keine vermehrte Trockenheit geben.

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In den meisten Teilen Europas wird sich dadurch der Unterschied zwischen dem Winter- und Sommerhalbjahr verstärken: Während die Winter eher nasser werden, bleibt der Regen im Sommer immer häufiger aus. Trotz des teilweisen Niederschlags-Ausgleichs im Winter führt dies dazu, dass Sommerdürren in fast allen Teilen Europas bis auf Skandinavien zunehmen und intensiver werden.

Selbst die Alpen werden Dürren erleben

Konkret prognostizieren Böhnisch und ihr Team für Mitteleuropa eine Zunahme der extremen Sommerdürren um 25 Prozent, parallel dazu nimmt auch die Dauer solcher Trockenperioden zu. Für die Alpen und Osteuropa steigt das Risiko von extremen Dürren im Juli und August um 20 bis 40 Prozent und in Frankreich sogar um bis zu 60 Prozent. Das bedeutet, dass auch Regionen, die bislang immer genügend Regen erhielten, in Zukunft vermehrt unter Trockenheit leiden könnten.

Klimaabweichungen
Diese Diagramme zeigen die Abweichungen vom langjährigen Niederschlagsmittel (PNI) für jeden Monat im Mittelmeerraum und in den Alpen. In jedem Kreis markiert das Zentrum die Gegenwart, der Außenkreis das Ende dieses Jahrhunderts. © Magdalena Mittermeier

En Beispiel dafür sind die Alpen: „Für sie ist charakteristisch, dass die Niederschläge der Sommermonate einen großen Anteil an der jährlichen Regenmenge haben“, erklären die Forschenden. „Das macht Defizite beim sommerlichen Regen noch kritischer.“ Den Prognosen zufolge könnten selbst die eigentlich auch im Sommer regenreichen Alpen bis zum Ende dieses Jahrhunderts in zwei bis vier von 20 Jahren eine extreme Sommerdürre erleben. „Die Alpen sollten daher als ein künftiger Hotspot für Dürren angesehen werden“, sagt Mittermeier.

Dürre-Hotspots Mittelmeer und Iberische Halbinsel

Als weitere Dürre-Hotspots in Europa stufen die Wissenschaftler neben den Alpen auch Frankreich, den Mittelmeerraum und die Iberische Halbinsel ein. Vor allem die letzten beiden Regionen leiden schon jetzt zunehmend unter Trockenheit. Messungen belegen bereits, dass beispielsweise der Mittelmeerraum schneller austrocknet als gedacht. Dies wird sich in Zukunft weiter verstärken.

Den neuen Prognosen zufolge könnten sommerliche Dürren im Mittelmeerraum um 80 Prozent zunehmen, auf der Iberischen Halbinsel sogar um bis zu 96 Prozent. „Die Iberische Halbinsel wird unseren Prognosen zufolge jährlich extreme Dürren von mehr als drei Monaten Dauer erleben, die meisten davon im Sommer“, berichten Böhnisch und ihr Team. Dies passt zu Prognosen, nach denen Teile Südspaniens schon bei zwei Grad Erwärmung zur Wüste werden könnten.

Dazu kommt, dass diese Region die einzige in Europa ist, in der die Niederschläge auch im Winter abnehmen, wie Böhnisch und ihr Team ermittelten. Einen Ausgleich für die sommerliche Trockenheit kann der Winter daher dort nicht leisten.

Noch kann Klimaschutz das Schlimmste verhindern

„Diese Studie ist unseres Wissens nach die erste regionsspezifische Analyse von Dürren in Europa mithilfe hochauflösender Ensemblesimulationen regionaler Klimamodelle“, schreibt das Forschungsteam. Sie belege, dass sich viele Teile Europas unter dem Szenario eines kaum gebremsten Klimawandels auf drastisch zunehmende Sommerdürren einstellen müssen – selbst dort, wo heute noch genügend Regen fällt.

„Solche extremen Auswirkungen können durch Klimaschutz noch vermieden werden“, betont Mittermeier. „Deshalb ist ein konsistenter Klimaschutz, wie er im Pariser Klimaabkommen vereinbart wurde, auch für Europa hochgradig relevant.“ (Frontiers in Water, 2021; doi: 10.3389/frwa.2021.716621)

Quelle: Frontiers

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