Forscher entdecken bisher unbekannten klimatischen Zusammenhang Westwinde über Europa beeinflussen Gletscher Asiens - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher entdecken bisher unbekannten klimatischen Zusammenhang

Westwinde über Europa beeinflussen Gletscher Asiens

© Nasa/ISS

Klimaforscher haben einen eine bisher unbekannte Verbindung zwischen Asiens Gletschern und Europa aufgedeckt: Die aus mittleren Breiten wehenden Westwinde beeinflussen das Tauen oder Vorrücken des Eises auf dem Tibet-Plateau. Das widerlegt bisherige Annahmen, nach denen die Himalaya-Gletscher nur vom Monsun geprägt werden und wirft auch ein neues Licht auf vergangenen Klimaereignisse, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Climate Change“ berichten.

Dritter Pol prägt Weltklima

Das Tibet-Plateau und seine angrenzenden Gebirge wie etwa der Himalaya haben sich in den letzten Jahren zu einem Brennpunkt in der Klimaforschung entwickelt. Als Ursprung des Monsuns sowie durch die ausgedehnten Gletscher in der Region gilt das Plateau als mitbestimmend für das Weltklima und wird daher manchmal auch als „dritter Pol“ bezeichnet. Entsprechend wichtig ist die Entwicklung der Eismassen in dieser Region, die durch den Klimawandel ebenfalls zu schrumpfen beginnen. Es gab jedoch bislang nur wenige meteorologische und glaziologische Daten zum Himalaya-Gebiet und dieser Region Hochasiens.

Bisher machten Klimaforscher allein den Monsun für diese Veränderungen der Gletscher verantwortlich. Eine neue Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität Berlin zeigt aber nun, dass diese Annahme nur bedingt gilt: Wesentliche Steuerfaktoren haben ihren Ursprung bereits in den mittleren Breiten Europas. .Für ihre Studie erstellten die Klimatologen einen neuen Datensatz, der ein räumlich komplettes Bild des atmosphärischen Zustands über Hochasien seit 2001 widergibt. Mit nur bis zu zwei Kilometern zwischen den einzelnen Datenpunkten ist die räumliche Auflösung sehr hoch.

Aus diesen Daten konnten die Forscher ein sehr genaues Modell der Prozesse erstellen, die den Gletscher im Laufe eines Jahres wachsen oder schrumpfen lassen. „Durch die neue Methode erhielten wir somit eine elfjährige Zeitreihe der Massenschwankung am Zhadang-Gletscher zwischen 2001 und 2011, der auf dem südlichen Tibet-Plateau im Einflussbereich des Indischen Monsuns liegt“, sagt Dieter Scherer, Leiter des TU-Fachgebietes Klimatologie.

Europäischer Westwind lässt asiatische Gletscher schwanken

Die Ergebnisse zeigen, dass nicht alle jährlichen Massenbilanzen allein durch die Aktivität des Monsuns erklärt werden können. Ein entscheidender zusätzlicher Faktor ist die Stärke der regionalen Luftströmung über dem zentralen Tibet-Plateau. Genau diese Strömungsstärke wiederum hängt von der Intensität der Westwinde in den mittleren Breiten ab – und damit auch von den Winden in Europa und über dem Nordatlantik, wie das Modell ergab.

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„Bildlich gesprochen entscheidet also auch die Stärke, mit der das Westwindband über Deutschland im Frühsommer schwingt, über den jährlichen Zustand des weit entfernten Gletschers“, so Scherer. „Somit konnten wir zum ersten Mal darlegen, dass Gletscherschwankungen in der asiatischen Monsunzone auch vom Klima der mittleren Breiten mit gesteuert werden.“

Wichtige Erkenntnis auch für die Paläo-Klimatologie

Diese Erkenntnis ist von großer Bedeutung für die Zusammenhänge zwischen großräumigen Klimaänderungen und deren Auswirkungen auf die klimatische Umwelt am Tibet-Plateau. In Eisbohrkernen von Gletschern in Hochasien etwa sind viele tausende Jahre an Klimainformation gespeichert. Bisher interpretierten Klimaforscher diese Information vor allem aufgrund der Aktivität des Monsuns.

Nun können auch die Einflüsse des Klimas der mittleren Breiten mit einbezogen werden. Diese zusätzliche Information könnte Aufschlüsse über die Wechselwirkung zwischen Monsun und den Westwinden über einen Zeitraum von Jahrtausenden geben. In Zukunft werden Abschätzungen der Gletscheränderungen in Hochasien nun auch berücksichtigen müssen, wie sehr sich die Strömungseigenschaften in der Westwindzone im Zuge der globalen Erwärmung ändern.

(Nature Climate Change, 2013; doi:10.1038/NCLIMATE2055)

(Technische Universität Berlin, 05.12.2013 – AKR)

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