Munich Re: Hohe Zahl von Wetterextremen bestätigt aber den Trend Weniger Tote durch Naturkatastrophen in 2009 - scinexx | Das Wissensmagazin
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Munich Re: Hohe Zahl von Wetterextremen bestätigt aber den Trend

Weniger Tote durch Naturkatastrophen in 2009

Satellitenaufnahme von Orkan Klaus über der Biskaya vom 24. Januar © Naval European Meteorology and Oceanography Center - US Navy/NOAA

Die Schäden durch Naturereignisse sind 2009 deutlich niedriger ausgefallen als im Vorjahr. Der Grund: Großkatastrophen sind weitgehend ausgeblieben, auch die Hurrikansaison im Nordatlantik verlief sehr glimpflich. Dies teilte jetzt die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Munich Re) mit.

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Insgesamt gab es nach Angaben der Experten aber mehr schadenträchtige Ereignisse als im langjährigen Durchschnitt: 850 Naturkatastrophen wurden erfasst. Daher entstand trotz des Ausbleibens wirklich verheerender Ereignisse trotzdem ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden von 50 Milliarden US-Dollar – davon war immerhin knapp die Hälfte versichert. Im Jahr zuvor hatten die Schäden für die Volkswirtschaft laut Munich Re noch 200 Milliarden US-Dollar und für Versicherer 50 Milliarden US-Dollar betragen.

„Nur“ 10.000 Todesopfer durch Naturkatastrophen

Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre ereigneten sich pro Jahr rund 770 schadenrelevante Naturereignisse. Dabei kamen im Durchschnitt rund 75.000 Menschen ums Leben. Neben den Schäden blieb 2009 auch die Zahl der Todesopfer durch Naturkatastrophen deutlich unter dem Durchschnitt – rund 10.000 Opfer waren zu beklagen.

„Man darf sich aber nicht täuschen lassen: Auch wenn die schweren Hurrikane und andere Größtkatastrophen ausgeblieben sind, hat es doch eine große Anzahl mittelschwerer Naturkatastrophen gegeben. Insbesondere bleibt der Trend zu einer Zunahme von wetterbedingten Katastrophen bestehen, während sich die Gefährdung durch geophysikalische Ereignisse wie etwa Erdbeben im Grunde nicht verändert“, so Professor Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung von Munich Re.

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Viele Schäden durch Unwetter in den USA

Auffällig an der Schadenstatistik 2009 sind die hohen Einzelschäden durch Unwetter in den USA. Allein drei Ereignisse verursachten versicherte Schäden von jeweils über einer Milliarde US-Dollar. Insgesamt entfielen 45 Prozent der weltweiten versicherten Schäden auf Unwetterereignisse. In den USA sind in den vergangenen Jahrzehnten von 1980 bis heute die Schäden durch starke Gewitter mit Hagel, Starkregen oder Tornados inflationsbereinigt im Schnitt von vier auf zehn Milliarden US-Dollar pro Jahr gestiegen, so die Bilanz von Munich Re.

„Erste Analysen lassen darauf schließen, dass hier neben den sozioökonomischen Faktoren auch der Klimawandel bereits eine Rolle spielt“, erklärte Höppe.

Wintersturm Klaus teuerstes Einzelereignis

Das teuerste Einzelereignis 2009 war der Wintersturm Klaus, der zwischen dem 23. und 25. Januar mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 195 Kilometer pro Stunde Nordspanien und Südwestfrankreich traf. Meterhohe Wellen an der Altantikküste waren die Folge, zahlreiche Gebäude und Fahrzeuge wurden beschädigt oder zerstört. Über eine Million Menschen waren zeitweise ohne Strom. In Spanien wurden zudem viele Photovoltaikanlagen beschädigt. Obwohl für einen Wintersturm nur ein vergleichsweise kleines Gebiet betroffen war, betrugen die versicherten Schäden rund drei Milliarden US-Dollar.

Erdbeben sorgte für die meisten Todesopfer

Die meisten Todesopfer forderte dagegen laut Munich Re ein Erdbeben, das am 30. September die indonesische Insel Sumatra erschütterte. Obwohl sich der Erdstoß der Stärke 7,6 in 80 Kilometern Tiefe ereignete, stürzten in der 45 Kilometer vom Epizentrum entfernten Großstadt Padang und in den umliegenden Gebieten zehntausende Häuser ein. Fast 1.200 Menschen kamen ums Leben.

Zahlreiche Menschen starben aber auch bei Stürmen in Asien, wobei besonders die Philippinen, aber auch Vietnam und Taiwan betroffen waren. Gleich drei schwere Taifune – Morakot, Ketsana, Parma – sorgten dort für Zerstörungen, mehr als 1.700 Menschen kamen zu Tode.

Dagegen verlief die Hurrikansaison im Nordatlantik glimpflich. Obwohl die warmen Wassertemperaturen im tropischen Meeresgebiet Bedingungen für eine überdurchschnittliche Hurrikansaison boten, wurden nur neun namentlich benannte Stürme gezählt, davon drei in Hurrikanstärke. Damit blieben die Zahlen deutlich unter dem Durchschnitt der seit Mitte der 1990er-Jahre anhaltenden Warmphase – 14,3 benannte Stürme, 7,5 Hurrikane -, aber auch unter dem langjährigen Durchschnitt (10,8 benannte Stürme).

El Niño mit dämpfendem Effekt

Nach ersten Einschätzungen von Munich Re dürfte das El Niño-Phänomen einen dämpfenden Effekt auf die Entstehung der Wirbelstürme gehabt haben. Bei El Niño-Bedingungen verändern sich auch die Windgeschwindigkeiten in höheren Atmosphärenschichten über dem Atlantik, wodurch die

Entstehung von Wirbelstürmen verhindert wird.

„Das langfristige Hurrikanrisiko wird nicht in einer einzelnen Saison manifest. Viele Experten sind davon überzeugt, dass der Klimawandel die Hurrikangefährdung bereits erhöht hat“, so Höppe. Die Experten von Munich Re gehen weiterhin davon aus, dass sich in den nächsten Jahren die Hurrikanaktivität auf dem Durchschnitt der seit rund 15 Jahren anhaltenden Warmphase im Nordatlantik bewegen wird.

Leicht unterdurchschnittlich verlief in diesem Jahr die Tropensturm-Saison im Indischen Ozean und im West-Pazifik. Das Jahr endete jedoch mit einem Super-Zyklon, der kurz vor Weihnachten an der australischen Nordwestküste wütete. „Laurence“ erreichte zeitweise die Stufe 5, also die höchste Intensitäts-Kategorie. Glücklicherweise verlief seine Zugbahn weitgehend über unbewohntem Gebiet. Hätte Laurence eine Stadt getroffen, wären vermutlich hohe Schäden die Folge gewesen. So aber blieben die Folgen relativ gering.

Klimawandel als Risikofaktor

Torsten Jeworrek, im Vorstand von Munich Re für das weltweite Rückversicherungsgeschäft zuständig, verwies auf die deutliche Zunahme von großen wetterbedingten Naturkatastrophen weltweit seit 1950, deren Zahl mittlerweile auf das etwa Dreifache angestiegen sei. Seit 1980 entstanden bei wetterbedingten Naturkatastrophen volkswirtschaftliche Schäden von etwa 1.600 Milliarden US-Dollar.

„Dazu dürfte der Klimawandel bereits einen signifikanten Teil beigetragen haben. Angesichts dieser Fakten ist es schon sehr enttäuschend, dass auf dem Klimagipfel im Dezember 2009 in Kopenhagen kein Durchbruch erzielt wurde. Wir bei Munich Re befassen uns intensiv mit einer Vielzahl von Risiken und wie man am besten mit diesen umgeht. Besonders gefährlich sind Risiken, die sich über die Zeit ändern. Der Klimawandel ist ein solches Änderungsrisiko“, so Jeworrek.

Neues Klimaabkommen gefordert

Die durch den Klimawandel verursachten Schäden werden vermutlich in Zukunft weiter zunehmen. „Wir brauchen schnell ein Abkommen, das die Treibhausgasemissionen spürbar zurückführt, denn das Klima ist träge. Und was wir jetzt nicht schaffen, wirkt sich noch jahrzehntelang aus“, so Jeworrek weiter. Umso nachdrücklicher werde Munich Re nun eigene Initiativen voranbringen, so etwa Investitionen in Erneuerbare Energien im Umfang von bis zu zwei Milliarden Euro oder das Wüstenstrom-Projekt Desertec.

„Wir werden alles daran setzen, dass die DII GmbH als Planungsgesellschaft für das Desertec-Projekt in drei Jahren fertige Pläne auf den Tisch legen kann. An der Umsetzung wird sich Munich Re dann selbstverständlich auch beteiligen – als Investor und Versicherer“, kündigte Jeworrek an.

(Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, 05.01.2010 – DLO)

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