Jordanien: Archäologen entdecken "sprechende" Fresken in römischem Grab Wandgemälde ist ein antiker "Comic" - scinexx | Das Wissensmagazin
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Jordanien: Archäologen entdecken "sprechende" Fresken in römischem Grab

Wandgemälde ist ein antiker „Comic“

2.000 Jahre alte "Sprechblasen": Inschriften in dem Wandgemälde des antiken Grabes © Julien ALIQUOT/ HiSoMA 2018

Sprechblasen auf antike Art: Im Norden Jordaniens haben Archäologen ein römisches Grab mit einzigartigem Wandschmuck entdeckt. Denn die Fresken umfassen nicht nur mehr als 260 Figuren von Menschen, Göttern und Tieren, sie sind auch eine Art Comic. Denn wie bei diesen werden einige Figuren von Sprechblasen-ähnlichen Kommentaren begleitet. Die Inschriften enthalten Ausrufe der Handelnden oder Beschreibungen ihrer Tätigkeiten – eine echte Rarität, wie die Forscher berichten.

In ganz Europa und dem Nahen Osten haben die Römer reiche Zeugnisse ihrer Kultur hinterlassen. Unzählige Tempel, aber auch Befestigungsanlagen, römische Villen oder Gräber geben Einblick in die Religion, Kunst, aber auch den Alltag der antiken Welt. Sie enthüllen beispielsweise, dass die Römer ihre Villen oft mit Motiven gegen den bösen Blick und gegen Neid schmückten.

Antike Grabkammern im Berg

Doch nun haben Archäologen um Julien Aliquot von der Forschungseinrichtung HiSoMA einen Wandschmuck der ganz besonderen Art entdeckt. Sie stießen auf die Fresken, als sie im Norden Jordaniens eine in den Berg gehauene Grabanlage aus dem ersten Jahrhundert vor Christus freilegten. „Das Grab ist in exzellentem Erhaltungszustand“, berichtet Aliquot. „Es ist Teil einer Nekropolis, die einst zu der antiken Stadt Capitolias gehörte.“

Auffallend sind die Wandmalereien in den beiden zusammen 52 Quadratmeter großen Grabkammern: Sie zeigen verschiedene Szenen antiken Lebens und umfassen mehr als 260 Figuren von Menschen, Göttern und Tieren. „Diese wimmelnden Figuren bilden eine Erzählung, die sich zu beiden Seiten eines zentralen Gemäldes entlangziehen“, so Aliquot. Aus dem Inhalt der Wandgemälde schließen die Forscher, dass der einst in einem großen Basalt-Sarkophag bestattete Tote möglicherweise sogar der Gründer der Stadt Capitolias war.

Die Entdeckung des Grabes von Bayt Ras und seiner Wandmalereien© USAID SCHEP

Szene für Szene – wie bei einem Comic

Ähnlich wie bei einem Comic folgen die verschiedenen Szenen einem zeitlichen Ablauf: Sie berichten von der Vorgeschichte und dem Bau der Stadt Capitolias. So sieht man links erst eine Bankettszene, in der die Götter den Bau beschließen, dann eine Landschaft mit Bauern, die Früchte und Wein ernten und das Land mit Hilfe von Ochsen bestellen und für den Bau vorbereiten. Dann folgt eine Szene, in der Waldarbeiter Bäume fällen – Baumaterial für die neue Stadt.

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Auf der rechten Seite des Grabes sieht man, wie die Befestigungsmauer der Stadt errichtet wird: „Figuren, die Architekten oder Vorarbeitern ähneln, stehen neben Arbeitern, die Material auf dem Rücken von Kamelen und Eseln heranbringen“, beschreibt Aliquot die Szene. „Steinmetze und Maurer erklimmen die Wände, und auch Unfälle sind dargestellt.“ Im letzten Wandgemälde sieht man, wie Priester nach getaner Arbeit zu Ehren der der Schutzgötter von Capitolias ein Dankopfer darbringen.

Eine der Inschriften in der Konstruktionszene, hier bei zwei Arbeitern, die Baumaterial heranschaffen. © Julien ALIQUOT/ HiSoMA 2018

Figuren mit „Sprechblasen“

Das Besondere an diesen Wandgemälden aber sind rund 60 Inschriften, die in die Konstruktionsszene integriert sind – und wie bei einem Comic neben den Köpfen bestimmter Figuren stehen. „Diese Inschriften sind Sprechblasen in Comicbüchern sehr ähnlich, denn sie beschreiben, was die Charaktere gerade tun oder sagen. Beispielsweise: ‚Ich behaue den Stein‘ oder ‚Wehe mir, ich bin tot‘. Das ist wirklich außergewöhnlich“, berichtet Aliquots Kollege Jean-Baptiste Yon.

Ungewöhnlich an den „Sprechblasen“ ist auch ihre Ausführung: „Diese Texte sind in der lokalen Sprache Aramäisch verfasst, aber in griechischen Buchstaben geschrieben“, erklärt Yon. „Diese Kombination der beiden primären Idiome des antiken Nahen Ostens ist extrem rar. Diese Texte könnten uns daher helfen, die Struktur und Entwicklung des Aramäischen besser zu rekonstruieren.“

(CNRS News, 01.10.2018 – NPO)

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