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Warme Nächte machen Waldbrände aktiver

Austrocknende Wirkung der Nachtluft ist in den letzten 40 Jahren stark gestiegen

FEuer
Kampf gegen einen Waldbrand in Idaho. Hier, wie in vielen Regionen im Westen der USA, ist die Nachtluft erheblich trockener geworden. © Idaho Bureau of Land Management

Keine Pause mehr: Forscher haben einen weiteren Grund aufgedeckt, warum die Feuer im Westen der USA immer heftiger wüten. Demnach sind die Nächte in den letzten 40 Jahren überproportional heißer geworden. Das erhöht die austrocknende Wirkung der Nachtluft um bis zu 50 Prozent. Während die Brände früher wegen der höheren Feuchtigkeit oft nachts nachließen, heizt die trockene Nachtluft die Feuer heute weiter an. Dies gilt vor allem im trockenen Vorland von Gebirgszügen.

Es brennt immer früher im Jahr, immer ausgedehnter und immer heftiger: In Nordamerika, aber auch in anderen Regionen der Welt haben Wald- und Buschbrände dramatisch zugenommen. Neben der allgemeinen Klimaerwärmung und der Verlängerung des Sommers spielt dafür die Häufung von Hitzewellen und Dürreperioden eine Rolle – oft kommen sie gleich im „Doppelpack„. Selbst über dem Amazonas-Regenwald trocknet die Luft zunehmend aus.

Kein Nachlassen mehr in der Nacht

Einen weiteren Grund dafür, dass die Waldbrände so viel heftiger geworden sind, hat nun ein Team um Andrew Chiodi von der University of Washington in Seattle ermittelt. Sie haben den Eindruck vieler Feuerwehrleute überprüft, nach der das sonst übliche Abflauen der Feuer über Nacht inzwischen immer häufiger ausbleibt. „Die Nacht ist eine wichtige Atempause für die Brandbekämpfung. Aber Feuerwehren berichten, dass die nächtliche Feueraktivität unerwartet stark zugenommen hat“, so Chiodi.

Um dies zu überprüfen, analysierten die Forscher Wetterdaten zu Nachttemperaturen und Luftfeuchtigkeit der letzten 40 Jahre für den Westen der USA. Im Speziellen untersuchte das Team Veränderungen im Sättigungsdefizit der Nachtluft. Dieses ergibt sich aus der Wasserdampfmenge, die die Luft bis zu ihrer Sättigung aufnehmen kann und dem tatsächlichen Wasserdampfgehalt. Weil warme Luft mehr Wasser aufnehmen kann, wächst auch ihr „Wasserhunger“ – und damit ihre austrocknende Wirkung.

Sättigungsdefizit
Veränderungen des nächtlichen Sättigungsdefizits in Prozent gegenüber den 1980er Jahren. © Chiodi et al./ Geophysical Research Letters

Sättigungsdefizit der Nachtluft drastisch gestiegen

Die Auswertungen enthüllten: In vielen Gebieten des westlichen Nordamerika haben sich die Nächte stärker erwärmt als die Tage. Dadurch ist auch das nächtliche Sättigungsdefizit angestiegen: „In der südlichen Sierra Nevada liegt das Sättigungsdefizit im aktuellen Jahrzehnt um 50 Prozent höher als in den 1980er und 1990er Jahren“, berichtet Chiodi. „Ich war wirklich überrascht, denn es ist ungewöhnlich, dass sich geophysikalische Daten so drastisch verändern.“

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Diese Veränderungen bedeuten, dass die Luft nachts nicht nur wärmer, sondern auch deutlich trockener ist als früher. Die Vegetation wird dadurch weiter ausgetrocknet und die Waldbrände nehmen auch nachts kaum an Intensität ab – anders als früher. „Feuerwehrleute berichten schon seit einigen Jahren, dass die Feuer immer später in den Abend hinein brennen“, sagt Koautor Brian Potter vom U.S. Forest Service. Die neuen Daten bestätigen nun diese Beobachtung.

Gebirgsflanken besonders betroffen

Konkret ermittelten die Wissenschaftler eine mehr als 50-prozentige Erhöhung des Sättigungsdefizits an den Westflanken der Sierra Nevada, der Rocky Mountains in Idaho und der Blue Mountains in Oregon und Washington. „Diese regionalen Maxima betreffen vor allem gebirgiges Terrain, das an trockene Plateaus grenzt, wie im Becken des Columbia River oder dem San Joaquin Valley in Kalifornien“, schreibt das Team.

Ergänzenden Modellsimulationen zufolge spielen für diese Veränderung sowohl der Klimawandel als auch die natürlichen Klimaschwankungen durch die Pazifische Dekadische Oszillation (PDO) eine Rolle. „Die dekadische Variabilität allein kann die größten beobachteten Zunahmen des Sättigungsdefizits nicht erklären“, betonen die Forscher. (Geophysical Research Letters, 2021; doi: 10.1029/2021GL092830)

Quelle: University of Washington

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