Situation in den Krisengebieten gerät außer Kontrolle USA: Chaos an der Golfküste - scinexx | Das Wissensmagazin
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Situation in den Krisengebieten gerät außer Kontrolle

USA: Chaos an der Golfküste

Katrina: Hurrikan mit katastrophalen Folgen © NOAA

Die Krisenregion an der Südküste der USA versinkt drei Tage nach dem verheerenden Hurrikan Katrina im Chaos. Noch immer sind fünf Millionen Menschen ohne Strom und mehr als 900.000 Bewohner der Region obdachlos. Nahrungsmittel und Trinkwasser werden immer knapper und nach Angaben von Behörden besteht auch Seuchengefahr.

Mittlerweile sind von den Rettungskräften im Katastrophengebiet bereits weit über 100 Tote entdeckt worden, in den zum Teil völlig zerstörten Häusern werden aber noch zahlreiche weitere Leichen vermutet. Viele Menschen harren noch immer auf den Dächern ihrer Häuser aus und warten auf Hilfe aus der Luft.

New Orleans komplett unter Wasser

Völlig außer Kontrolle geraten ist mittlerweile die Situation in New Orleans. Nach mehreren Dammbrüchen steht jetzt fast das gesamte Stadtgebiet meterhoch unter Wasser. Ein letzter, verzweifelter Versuch die Deiche zu reparieren, ist am gestrigen Abend gescheitert. Auch der Rückstau aus dem Missisippi hat für ein weiteres Ansteigen der Hochwasserpegel gesorgt.

Die Behörden haben nun beschlossen, alle noch verbliebenen Bewohner der Metropole zu evakuieren. Auch aus dem Football-Stadion „Superdome“ müssen die bis zu 60.000 Flüchtlinge – die genaue Zahl der Schutzsuchenden ist nicht bekannt – in Sicherheit gebracht werden, nachdem die hygienischen Verhältnisse besorgniserregend wurden.

In den besonders betroffenen Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama ist derweil die größte Hilfsmaßnahme aller Zeiten angelaufen. U.S.-Präsident George W. Bush schickt mehr als 100.000 Nationalgardisten in die Region, um nach Überlebenden der Katastrophe zu suchen, Plünderungen zu verhindern und wenn möglich bereits mit den Aufräumarbeiten zu beginnen.

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Derweil bereiten sich in Deutschland Organisationen wie DRK oder THW auf einen Einsatz in der Krisenregion vor. Noch gibt es aber keine offizielle Anfrage der amerikanischen Regierung um Beistand.

Benzinpreis explodiert

Fatale Folgen – dies wird erst allmählich richtig deutlich – hatte der Wirbelsturm Katrina auch für die Ölförderung im Golf von Mexiko. Zurzeit werden gerade mal fünf Prozent der normalerweise 1,5 Millionen Barrel täglich gefördert, 20 Förderplattformen sind nach dem Hurrikan komplett verschwunden. Welche Auswirkungen dies für die Meeresumwelt hat ist zurzeit noch unklar. Die U.S.-Regierung hat beschlossen die „eiserne“ Erdölreserve des Landes anzuzapfen – auch um den den Anstieg des Ölpreises an der Börse zu dämpfen.

In Deutschland haben Mineralölfirmen wie Shell und Esso die Preise nach der Hurrikan-Katastrophe gleich um rekordverdächtige acht Cent pro Liter für Superbenzin erhöht. Experten rechnen damit, dass Aral in Kürze nachziehen wird.

Hurrikan Katrina: Jahrhundertsturm oder Vorbote?

Während in den USA nach dem Wirbelsturm Katrina das Aufräumen begonnen hat, warnt der Sturmexperte der Rückversicherung Münchener Rück, Ernst Rauch, bereits vor schweren Unwettern in der Region: „Wir erwarten noch fünf bis acht weitere Stürme in dieser überaktiven Saison im Atlantik und in der Karibik“, sagt Rauch der ZEIT. Nach seinen Angaben gab es bis Ende August mit elf Tropenstürmen oder Hurrikanen „bereits so viele Tropenstürme wie normalerweise im gesamten Jahr“.

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Rauch macht darauf aufmerksam, dass seit 1995 deutlich mehr Stürme als üblich verzeichnet wurden. Über die Sturmaktivität sagt er der ZEIT: „Ab 1995 begann sie zu steigen, in den beiden vergangenen Jahren lagen die Werte bei 15 bis 16 Ereignissen, etwa die Hälfte mehr als langjährig üblich. Ob wir heuer den Rekordwert von 21 aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts erreichen oder gar überschreiten, ist noch offen. Bereits im Juni und im Juli 2005 verzeichneten wir eine absolute Rekordaktivität.“

Das Wasser im Golf von Mexiko und im Atlantik sei ein bis vier Grad wärmer als üblich, sagte er zur Begründung der vielen Unwetter. Der Trend passe zu den Prognosen, wonach die Klimaerwärmung zu „größerer Sturmaktivität“ führe.

Laut Rauch verursachen Stürme die schlimmsten Schäden von allen Naturkatastrophen. Seit 1950 seien 75 bis 95 Prozent der Schäden von versicherten Naturkatastrophen sturmbedingt. Er rät zur Vorbeugung, etwa durch feste Bauten. So fallen laut Rauch Sturmschäden in Deutschland deutlich niedriger aus, weil die Häuser sicherer gebaut sind. „Bei uns stürzen selten Häuser ein“, sagt der Fachmann.

(MMCD/ZEIT, 01.09.2005 – DLO)

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