Forscher finden 230 Millionen Jahre alte Haigelege und Zähne in Kirgistan Urzeit-Haie: Kinderstube im Süßwasser - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher finden 230 Millionen Jahre alte Haigelege und Zähne in Kirgistan

Urzeit-Haie: Kinderstube im Süßwasser

Rekonstruktion des 30 bis 40 Zentimeter langen adulten Hais Lonchidion ferganensis. © Frederik Spindler/ Journal of Vertebrate Paleontology 31(5) 2011

Im Südwesten Kirgistans haben Paläontologen einen überraschenden Fund gemacht: Sie stießen auf eine 230 Millionen Jahre alte Haikapseln und winzige Haizähne – meilenweit von jedem Ozean entfernt. Sie seien ein erster Beleg dafür, dass sich die Haie damals offenbar im Süßwasser aufhielten und dort ihre Jungen aufzogen, berichten die Forscher im Fachmagazin „Journal of Vertebrate Paleontology“. „Das steht in starkem Kontrast zu allen modernen eierlegenden Haien, die sich nur im Meer fortpflanzen“, sagt Hauptautor Jan Fischer von der TU Bergakademie Freiberg. Chemische Analysen des Zahnschmelzes belegten jedoch eindeutig, dass die neu entdeckte Hai-Kinderstube in Süßwasser gelegen habe.

Entdeckt wurden die Haizähne und Gelege in der sogenannten Madygen-Formation. Diese Sedimentgesteine aus dem Zeitalter der späten Trias waren einst der Grund von ausgedehnten Süßwasserseen und Überschwemmungsgebieten. Bereits in den letzten Jahren entdeckten Paläontologen dort zahlreiche Fossilien von rund 200 Millionen Jahre alten Pflanzen und Insekten. „Heute ist diese Fossillagerstätte einer der am weitesten vom Meer entfernten Punkte auf der Erde – das war damals im späten Trias nicht anders“, sagt Sebastian Voigt von der TU Bergakademie Freiberg, einer der Autoren der Studie. Es sei daher eine Überraschung gewesen, fossile Heigelege und Junghairelikte in dieser Gegend zu finden.

Dutzende Zähne von zwei verschiedenen Arten

Die neu entdeckte Hai-„Kinderstube“ besteht aus Dutzenden von Haizähnen und Eikapseln, die von mindestens zwei verschiedenen, heute ausgestorbenen Haiarten stammen, wie die Forscher berichten. Nur wenige der Zähne stammten von erwachsenen Haien, die meisten seien von Jungtieren hinterlassen worden. Allein die schiere Menge dieser Funde sei eine Besonderheit, sagen die Wissenschaftler. Da Haie ein Knorpelskelett besitzen, überdauern ihre Fossilien nur sehr selten, entsprechend dünn seien die Funde bisher gesät. „Gleich Dutzende von Eikapseln neben Junghai-Zähnen in einer Fundstätte zu entdecken, ist ein wahrgewordener Traum“ sagt Mitentdecker Michael Buchwitz, ebenfalls von der TU Freiberg.

Fossile Eikapseln des vor 230 Millionen Jahren lebenden Hais Lonchidion ferganensis; von links: nicht komprimiertes Fossil, komprimiertes Fossil, Rekonstruktion. © Journal of Vertebrate Paleontology 31(5) 2011

Wanderten die Urzeithaie wie heutige Lachse?

Die Tatsache, dass diese Funde im Süßwasser entdeckt wurden, wirft ein ganz neues Licht auf die Fortpflanzung und das Verhalten der urzeitlichen Raubfische. „Wir sind neugierig zu erfahren, ob die erwachsenen Haie damals permanent im Süßwasser lebten oder ob sie vom Meer aus hunderte von Kilometern flussaufwärts wanderten, um sich fortzupflanzen“, sagen die Forscher. Dann wäre ihr Fortpflanzungsverhalten sehr ähnlich dem der heutigen Lachse gewesen. Ob dies tatsächlich so war, lässt sich allerdings auch mit Hilfe der neuen Fossilien noch nicht endgültig beantworten.

Heutige Süßwasserhaie nur lebendgebärend

Auch heute noch gibt es einige wenige Haiarten, die im Süßwasser leben. Zu ihnen gehören beispielsweise die Bullenhaie im Sambesi-Fluss in Afrika oder im Mississippi. Im Unterschied zu den jetzt entdeckten fossilen Haien sind die modernen Süßwasserarten jedoch alle lebendgebärend. Ähnlich wie ihre modernen, eierlegenden Verwandten im Meer legten wohl auch die Urzeit-Haie ihre Kinderstuben vorwiegend in flacheren Gewässerbereichen an. Darauf deute der Fund von fast nur Jungtier-Zähnen in diesem ehemaligen Flachwasserbereich hin, sagen die Forscher. Gelege und Junghaie seien dort besser vor größeren Fressfeinden geschützt gewesen. Erst wenn sie ein gewisses Alter und mehr Körpergröße erreichten, verließen die Haie wahrscheinlich die flachen Ufergewässer. (Journal of Vertebrate Paleontology, 2011; DOI: 10.1080/02724634.2011.601729)

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(Society of Vertebrate Paleontology, 13.09.2011 – NPO)

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