Hügelketten in Namibia zeugen von eisigen Strömen vor rund 300 Millionen Jahren Urzeit-Eisstrom in Afrika - scinexx | Das Wissensmagazin
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Hügelketten in Namibia zeugen von eisigen Strömen vor rund 300 Millionen Jahren

Urzeit-Eisstrom in Afrika

Drumlin
Vom Eis geformt: Blick auf einen Drumlin mitten in der Savanna Namibias. Er belegt, dass hier einst ein Eisstrom floss. © WVU

Von Gletschern geformt: Im Nordwesten Namibias haben Forscher erstmals Belege für einen urzeitlichen Eisstrom entdeckt – vor rund 350 Millionen Jahren strömten dort große Mengen Eis Richtung Ozean. Damals lag der Süden Afrikas gemeinsam mit Südamerika am Südpol und erlebte dadurch eine Eiszeit. Die langgeschliffenen Hügel und Kerben in der Landschaft belegen nun, dass dieses Eis damals stellenweise schnell strömte.

Vor rund 350 Millionen Jahren waren Südamerika, Afrika, Australien und die Antarktis noch zu einem großen Kontinent vereint – Gondwana. Diese Landmasse driftete während des Perm- und Karbon-Zeitalters mehrfach über dem Südpol und erlebte dadurch mehrere, langanhaltende Vereisungen. Während dieses urzeitlichen Eiszeitalters waren Teile des südlichen Afrikas und Südamerikas von einem dicken Eisschild bedeckt, wie unter anderem Gletscherschrammen im Gestein dieser Zeit belegen.

Tropfenförmige Hügel in der Wüste

Einen neuen Einblick in diese „afrikanische Eiszeit“ liefern nun die Entdeckungen von Graham Andrews und seinem Team von der West Virginia University. Bei einer Expedition in die Wüstengebiete im Norden Namibias fielen den Forschern ungewöhnliche Hügel-Formationen auf: Sie stießen auf zahlreiche langgestreckte rundliche Kuppen mit steilen Seitenhängen.

Das Merkwürdige daran: Diese Hügel mit tropfenförmigem Grundriss zeigen alle in die gleiche Richtung. „Uns wurde schnell klar, was wir da vor uns hatten. Denn sowohl ich als auch Sarah Brown sind in Regionen der Erde aufgewachsen, die einst unter Gletschereis lagen“, sagt Andrews. Die seltsamen Hügel mitten in der namibischen Wüste ähnelten verblüffend den Drumlins – Hügeln, die von schnell strömendem Gletschereis geformt wurden.

Noch mehr Drumlins

Konnte dies möglich sein? „Man wusste natürlich, dass dieser Teil der Welt einst von Eis bedeckt war“, sagt Andrews. „Aber bisher hatte niemand etwas über die Existenz von Drumlins in dieser Gegend erwähnt oder wie sie dort entstanden sein könnten.“ Die Wissenschaftler beschlossen, der Sache nachzugehen und nutzten Satellitenbilder von Google Earth, um nach weiteren dieser Hügelformationen in Namibia zu suchen.

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Und tatsächlich: „Die Satellitenaufnahmen enthüllen die Präsenz von mindestens 93 asymmetrischen Formationen allein im Gebiet von Twyfelfontein“, berichten die Forscher. „Diese Landschaftsformen treten in Reihen, Clustern oder isoliert auf. In allen Fällen aber ragen sie über die umgebende Wüstenebene hinaus.“ Die meisten dieser Hügel sind mehr als 100 Meter lang, aber nur halb so breit und asymmetrisch.

Karoo-Eiszeit
Lage des Eisschilds und der Glescher und Eisströme während des permokarbonischen Eiszeitalters. © Andrews et al./ PLOS ONE, CC-by-sa 4.0

Erster Beleg für einen Eisstrom in Namibia

Auffallend auch: Viele der Drumlins wiesen lange Kerben auf, die fast alle in die gleiche Richtung wie die Hügel zeigten – nach Nordwesten. Nach Ansicht der Forscher ist dies ein klarer Beleg dafür, dass hier während des permokarbonischen Eiszeitalters ein Eisstrom entlangfloss. „Diese Formationen zeigen nicht nur, dass hier damals Eis war, sondern auch, dass sich das Eis in diesem Gebiet sehr schnell bewegte“, sagt Andrews. „Dabei grub das Eis diese tiefen, langen Kerben ins Gestein.“

Diese Beobachtungen belegen erstmals, dass es vor rund 300 Millionen Jahren einen Eisstrom im Gebiet des heutigen Namibia gab, so die Forscher. Das Eis floss darin vom sogenannten Kaokovelt-Eisschild 200 Kilometer westwärts bis in eine große Senke, die dem heutigen Paraná-Becken in Südamerika entspricht. Dieses Gebiet war damals ein flaches Binnenmeer. „Die von uns untersuchten Formationen bilden damit einen weiteren Beweis dafür, dass das südliche Afrika und Südamerika einst verbunden waren“, sagt Andrews. (PLOS ONE, 2019; doi: 10.1371/journal.pone.0210673)

Quelle: West Virginia University

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