Verblüffend rechteckige Eistafel hat eine längere Reise hinter sich als gedacht Ursprung des Rechteck-Eisbergs geklärt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Verblüffend rechteckige Eistafel hat eine längere Reise hinter sich als gedacht

Ursprung des Rechteck-Eisbergs geklärt

Dieser rechteckige Eisberg hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Jetzt haben Forscher seine Herkunft enträtselt. © NASA/ Jeremy Harbeck

Erstaunliches Naturphänomen: Vor gut zwei Wochen sorgte ein überraschend rechteckiger Tafeleisberg in der Antarktis für weltweites Aufsehen. Jetzt haben Glaziologen herausgefunden, wie diese Eistafel entstand. Demnach brach der anfangs noch trapezförmige Eisberg schon im November 2017 von der Front des Larsen C-Schelfeises ab. Monatelang driftete er dann durch die enge Gasse zwischen Eisfront und dem Rieseneisberg A68 – und wurde dabei zum Rechteck abgestoßen.

An den Schelfeisen der Antarktis nagt der Klimawandel. Unterhöhlt von warmem Ozeanwasser und hinausgedrückt von den immer rascher ins Meer strömenden Gletschern brechen an den großen Packeisflächen rund um den eisigen Kontinent immer häufiger große Eisflächen ab. So auch im Sommer 2017, als vom Larsen-C-Schelfeis in der Westantarktis einer der größten jemals beobachteten Eisberge abbrach: Das A68 getaufte Eisstück war 5.8000 Quadratkilometer groß und wog rund eine Billion Tonnen.

Ungewöhnlich rechtwinklig

Vor Kurzem machte ein weiterer Eisberg Schlagzeilen – kein Eisriese wie A68, dafür aber eine ungewöhnlich rechteckige, ebenmäßig geformte Eistafel. „ich sehe oft Eisberge mit relativ geraden Kanten, aber einer mit zwei Ecken im rechten Winkel war mir zuvor noch nie untergekommen“, berichtete Jeremy Harbeck vom IceBridge-Projekt der NASA. Der Glaziologe machte am 16. Oktober 2018 einige Fotos vom Rechteck-Eisberg und seinem fast ebenso rechteckigen Nachbarn, die prompt um die Welt gingen.

Doch wie kann eine solche fast schon künstlich wirkende Form entstehen? Der Eisberg wirkte eher wie sorgsam zurechtgehauen, denn wie ein Naturprodukt. Wegen seiner geraden, unbeschädigt wirkenden Kanten vermuteten Eisforscher bisher, dass der eckige Tafeleisberg frisch von der Front des Larsen-C-Schelfeises abgebrochen sein musste.

Abbruch schon im November 2017

Doch das stimmt nicht, wie nun der Glaziologe Stef Lhermitte herausgefunden hat. Denn der Rechteck-Eisberg hat eine weitaus längere und rauere Reise hinter als bisher gedacht. Er entstand offenbar schon kurz nach dem Abbruch des großen A68-Eisbergs vom Larsen-C-Schelfeis, wie Satellitenaufnahmen zeigen. Der Forscher identifizierte den Vorläufer des Eisbergs in einer Aufnahme des Sentinel-1-Satelliten vom 9. November 2017.

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In dem Satellitenbild sind zwei frisch gekalbte Eisberge zu erkennen, die in der größer werdenden Spalte zwischen A68 und dem Schelfeis treiben. Neben einem gebogenen Eisstück schwimmt dabei ein rund vier Kilometer langer, schon relativ rechteckiger Eisberg – der Vorläufer des späteren Rechteck-Eisbergs. Im Laufe der folgenden Monate trieb der Eisberg langsam nach Norden und kollidierte dabei immer wieder mit der Eiskante und kleineren Eisstücken.

Der noch trapezförmige Eisberg am 14. Oktober 2018 in Aufnahme des Landsat-8-Satelliten. © NASA

Durch den „Nussknacker“

Auf seinem Weg musste der Eisberg auch eine echte Gefahrenzone passieren: Eine Engstelle, in der zwischen der Eiskante des gigantischen A68 und felsigen Vorsprüngen der antarktischen Küste nur wenig Platz bleibt. NASA-Glaziologe Chris Shuman beschreibt diese Zone als „echten Nussknacker“ Eisberge, die hier hindurch treiben, kommen nur selten unbeschadet davon.

So auch der lange Vorläufer des Rechteck-Eisbergs: Er zerbricht und es entstehen mehrere geometrisch geformte Bruchstücke, wie eine Landsat-8-Aufnahme vom 14. Oktober 2018 zeigt. Einer davon besitzt eine auffallende Trapezform mit zwei rechtwinkligen Ecken – es ist der rund 900 Meter breite und 1.500 Meter lange Rechteck-Eisberg. Inzwischen hat sich dieser Eisberg weiter nach Norden in offenes Wasser bewegt. Er wird nun auf einer der vier antarktischen „Eisberg-Autobahnen“ weiterdriften und schließlich irgendwann tauen.

(NASA, 09.11.2018 – NPO)

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