Braunkohlestück gibt Speiseplan des längst ausgestorbenen Tieres preis Urpferdchen fraßen gerne Früchte - scinexx | Das Wissensmagazin
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Braunkohlestück gibt Speiseplan des längst ausgestorbenen Tieres preis

Urpferdchen fraßen gerne Früchte

Braunkohlenprobe mit zugehörigem Etikett in der Handschrift von Erhard Voigt (1905-2004) © Archiv Geiseltalmuseum

Das berühmte Urpferdchen hat vor rund 50 Millionen Jahren gelebt. Kaum jemand hat eine genaue Vorstellung davon, wie das Leben auf der Erde damals tatsächlich aussah. Was aber auf dem Speiseplan des Urpferdchens stand, können die Wissenschaftler jetzt genau sagen: Es fraß vorwiegend Laubblätter, aber auch Früchte und Blüten, enthüllen die Forscher in einer Studie der Fachzeitschrift „Hercynia“.

Ein unscheinbares, bislang nicht inventarisiertes Glasröhrchen mit Korkverschluss befindet sich schon seit 1933 in der Sammlung des Geiseltalmuseums in Halle. Es enthält ein dreieckig umrissenes Braunkohlenstück.

„Ich hielt es vor zwei Jahren plötzlich in der Hand und war wie elektrisiert“, sagt Meinolf Hellmund, Kustos des Geiseltalmuseums, der zusammen mit Volker Wilde vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum für die neuen Ergebnisse verantwortlich ist. „Auf dem beiliegenden Etikett steht mit Bleistift vermerkt: Mageninhalt Paläohippide CI NO. Dies weckte meine Neugier.“

Urpferdchen aus dem Tagebau Cecilie

Anhand von Vergleichen ließ sich mit großer Sicherheit die Handschrift von Erhard Voigt (1905-2004) identifizieren, der 1933 bei den Ausgrabungen des Urpferdchens im Tagebau Cecilie entscheidend beteiligt war. Trotz der rasch erlangten Berühmtheit des Urpferdchens erfolgte damals noch keine detaillierte systematische Bearbeitung aller gesicherten Bestandteile des Fundes. Es gab auch noch nicht die Untersuchungsmöglichkeiten wie heute, erklärt Hellmund. So geriet das Glasröhrchen offenbar in Vergessenheit.

Von Erhard Voigt beschriftete Mikropräparate aus den frühen 1930er Jahren © Archiv Geiseltalmuseum

Nahrungsspektrum und Ernährungsbiologie offen gelegt

Nun liegen neueste Erkenntnisse vor. Mit Hilfe eines Durchlichtmikroskops und eines Rasterelektronenmikroskops gab das kleine Braunkohlestück den Speiseplan eines längst ausgestorbenen Tieres preis und sagt auch noch etwas über sein Verhalten beim Nahrungserwerb aus. Der Mageninhalt bzw. Inhalt des Verdauungstrakts des Urpferdchens Propalaeotherium isselanum gibt Auskunft über das Nahrungsspektrum und die Ernährungsbiologie dieses Lebewesens.

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„Die Untersuchung ergab eine dichte Packung von kleinen und kleinsten Fragmenten unterschiedlicher pflanzlicher Gewebe, darunter Früchte, Blüten und Samen“, so Hellmund. Eine größere Zahl von Pollenkörnern ließ sich ebenfalls erkennen – überwiegend ein bestimmter Typ, nämlich Tedradenpollen höchstwahrscheinlich von Heidekrautgewächsen.

Sand als Beifang

Darunter gemischt waren nach Angaben der Forscher kleine Quarzkörner, vermutlich nicht absichtlich aufgenommener Sand, so genannter Beifang, der beim Fressen von am Boden liegenden Früchten oder von Laub dabei war. Das Probenmaterial besteht aus intensiv zerkautem, durchmengten und teilweise anverdautem Inhalt des Verdauungstrakts, typisch für einen Pflanzenfresser.

Die Befunde bestätigen nach Ansicht der Wissenschaftler, dass sich die im Mitteleozän lebenden Pferdeartigen aus dem Geiseltal ausschließlich vegetarisch ernährten. Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass der Nahrungserwerb dieser Tiere opportunistisch und dem Zufall überlassen war.

(idw – Universität Halle-Wittenberg, 15.12.2009 – DLO)

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