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Unsere Sommer werden länger

Klimawandel hat die Dauer der Jahreszeiten auf der Nordhalbkugel deutlich verändert

Jahreszeiten
Früher waren alle Jahreszeiten bei uns etwa gleich lang – das aber hat sich geändert. © Zuberka/ iStock

Der Klimawandel verändert unsere Jahreszeiten: Früher waren alle vier Jahreszeiten etwa gleich lang, inzwischen nimmt der Sommer immer mehr Zeit ein. Er ist heute schon 17 Tage länger als noch 1950, wie eine Studie enthüllt. Frühjahr, Herbst und Winter werden dagegen auf fast der gesamten Nordhalbkugel immer kürzer. Setzt sich dieser Trend fort, dann könnte der Sommer im Jahr 2100 fast ein halbes Jahr dauern – mit erheblichen Folgen für Mensch, Natur und Wetter.

Der Klimawandel lässt nicht nur die globalen Temperaturen steigen, er verändert auch die Lage der Klimazonen und beeinflusst die Natur. So zeigen Studien, dass Pflanzen im Frühjahr immer früher austreiben und blühen, vielerorts hat sich die Vegetationsperiode dadurch insgesamt verlängert. In manchen Regionen verschieben und verkürzen sich die Regenzeiten, in anderen nehmen sommerliche Hitzephasen zu.

Jahreszeiten-Trends seit 1952 verglichen

Was diese Entwicklungen für die typischen Jahreszeiten der Nordhalbkugel bedeuten, haben nun Forschende um Jiamin Wang von der Lanzhou Universität in China näher untersucht. Dafür werteten sie Wetterdaten der Zeit von 1952 bis 2011 für die mittleren Breiten der Nordhalbkugel aus und nutzten mehrere Klimamodelle, um die Jahreszeiten-Trends zu analysieren. Im nächsten Schritt prognostizierten sie die Entwicklung bis zum Jahr 2100.

Um die Abgrenzung der Jahreszeiten trotz unterschiedlicher lokaler Klimabedingungen vergleichbar zu machen, verwendeten die Wissenschaftler die relative Temperatur: Als Sommer definierten sie die Zeit, in der die Tagestemperaturen zu den wärmsten 25 Prozent des Jahres gehörten. Winter war durch Temperaturen in den unteren 25 Prozent gekennzeichnet. Frühjahr und Herbst lagen jeweils dazwischen.

Jahreszeiten-Verschiebung
Beginn und Dauer der Jahreszeiten im Jahr 1952, 2011 and 2100. © Wang et al./ Geophysical Research Letters, AGU

Sommer wird immer dominanter

Das Ergebnis: Die Jahreszeiten haben sich seit 1952 deutlich verschoben. Die Sommer werden immer länger, während sich Frühjahr, Herbst und Winter verkürzen. Konkret verlängerte sich der Sommer im Schnitt von 78 auf 95 Tage, gleichzeitig beginnt er heute 2,5 Tage früher. Im Schnitt sind die Sommer der Nordhalbkugel dadurch um 4,2 Tage pro Dekade länger geworden, wie die Forschenden berichten.

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Die restlichen drei Jahreszeiten haben sich dagegen verkürzt: Der Winter dauert heute nur noch 115 Tage – er hat sich im Schnitt um 2,1 Tage pro Jahrzehnt verkürzt. Der Winterbeginn rückt gleichzeitig um rund einen halben Tag pro Jahrzehnt nach hinten. Frühjahr und Herbst sind seit den 1950er Jahren um rund einen Tag pro Dekade kürzer geworden. Am deutlichsten ist die Verschiebung der Jahreszeiten im Mittelmeerraum sowie in Tibet, so Wang und seine Kollegen.

Kühlerer Frühling, heißerer Sommer

Auch die Temperaturen der verschiedenen Jahreszeiten haben sich geändert: „Die Sommer werden länger und heißer, die Winter kürzer und milder“, berichtet Koautor Yuping Guan von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Die Sommertemperaturen sind um 0,089 Grad pro Jahrzehnt gestiegen, die Winter haben sich um 0,26 Grad pro Dekade erwärmt. „Gleichzeitig hat sich im Sommer die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzewellen seit den 1950er Jahren signifikant erhöht“, so das Team.

Im Gegensatz dazu ist der Frühling eher kälter geworden. „Ein zunehmend kühles und früheres Frühjahr bedeutet für Pflanzen ein erhöhtes Risiko“, erklären die Wissenschaftler. Denn es kann häufiger zu Frosteinbrüchen kommen, die die verfrüht austreibenden Pflanzen schädigen. Ein milder Winter kann einen solchen zu frühen Wachstumsbeginn der Pflanzen weiter begünstigen.

Klimawandel als Triebkraft

Als Hauptursache für diese Verschiebung der Jahreszeiten sehen die Wissenschaftler den Klimawandel. Aus ihren Klimamodellen geht hervor, dass der beobachtete Trend ausbleibt, wenn man die globale Erwärmung seit 1950 aus den Simulationen herausrechnet. „Das spricht dafür, dass der anthropogene Treibhauseffekt diese Veränderungen in Länge und Beginn der vier Jahreszeiten dominiert“, konstatieren Wang und sein Team.

Setzt sich der Klimawandel fort, werden sich demnach auch die Jahreszeiten weiter verschieben. Wie stark, haben die Forschenden mithilfe ihrer Klimasimulationen ermittelt. Im extremsten Szenario ohne effektiven Klimaschutz könnte der Sommer im Jahr 2100 im Schnitt 166 Tage lang sein – fast ein halbes Jahr. Der Winter würde sich dagegen auf nur noch 31 Tage verkürzen. Frühjahr und Sommer beginnen dann rund einen Monat früher, Herbst und Winter dagegen einen Monat später.

Weitreichende Folgen

Für die Natur und den Menschen werden diese Verschiebungen nicht ohne Folgen bleiben, wie Wang und sein Team betonen: „Die sich verändernden Jahreszeiten stören die Landwirtschaft und den Biorhythmus von Arten“, erklären sie. Im Frühjahr verlieren viele Tierarten die Synchronisation ihrer Balz- und Brutzeit mit dem Vegetationszyklus, im Winter fehlt zunehmend der Frost als Klimasignal.

„Zudem begünstigen heißere, längere Sommer auch Hitzewellen, Stürme und Waldbrände, wodurch auch die Risiken für die Menschheit steigen“, so die Wissenschaftler. Die kurzen, milden Winter könnten dagegen Winterstürme und auch kurze Kälteeinbrüche wie gerade in Texas fördern. (Geophysical Research Letters, 2021; doi: 10.1029/2020GL091753)

Quelle: American Geophysical Union

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