Klimawandel hat den schnellsten Gletscher Grönlands weiter beschleunigt Turbo für einen Rekord-Gletscher - scinexx | Das Wissensmagazin
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Klimawandel hat den schnellsten Gletscher Grönlands weiter beschleunigt

Turbo für einen Rekord-Gletscher

Ein vom Jakobshavn Isbræ abgekalbter Eisberg in der grönländischen Disko Bay. © Ian Joughin/ PSC/APL/UW

Der schnellste Gletscher Grönlands hat sich in den letzten Jahren noch einmal beschleunigt. Der Eisfluss des Jakobshavn Isbræ erreicht nun Geschwindigkeiten von bis zu 46 Meter pro Tag – mehr als drei Mal mehr als zuvor. Als Folge hat er allein den Meeresspiegel in zehn Jahren um einen Millimeter ansteigen lassen, wie US-Forscher im Fachmagazin „Cryosphere“ berichten.

Gletscher sind Ströme aus Eis, langsam, aber stetig wälzen sie sich in Richtung eines Tals oder der Küste. Beim grönländischen Gletscher Jakobshavn Isbræ ist dieser Eisfluss besonders eindrucksvoll: Er galt mit etwa sieben Kilometern pro Jahr schon länger als der dauerhaft schnellste Eisstrom der Welt. Über den Jakobshavn Isbræ fließt ein beträchtlicher Teil der grönländischen Eismasse ins Meer ab.

Quelle des Titanic-Eisbergs

Von allen Eisgiganten des Nordens kalbt er auch am häufigsten: Von seiner Gletscherzunge lösen sich manchmal kilometergroße Eisberge und rutschen in den Ilulissat-Eisfjord an der Westküste Grönlands. Manche gehen dann auf weite Reise – so auch ein ausgesprochen prominentes Exemplar: Der Eisberg, der 1912 die Titanic versenkte, stammte wahrscheinlich vom Jakobshavn Isbræ.

Schon lange untersuchen Forscher den Gletscher und dokumentieren die drastische Abmagerungskur, die ihm der Klimawandel verpasst. Dabei hatte sich bereits abgezeichnet, dass der Gletscher nicht nur schwindet, sondern auch immer schneller fließt.

Die hochaufgelöste TerraSAR-X Aufnahme stammt vom 8. Januar 2014 und zeigt die Gletscherfront bzw. den „Terminus“ des Jakobshavn Isbræ. Die Gletscherzunge erscheint als helle, von Spalten geprägte Fläche, umgeben von den dunkleren sanften Gebieten entlang des Fjords. © DLR /CC-by-sa 3.0

„Wir beobachten Jakobshavn Isbrae bereits seit Mitte 2008 regelmäßig mit dem TerraSAR-X-Satellit. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, wie stark dieser Gletscher sich innerhalb kürzester Zeit verändert“, sagt Dana Floricioiu vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Ian Joughin von der University of Washington und seine Kollegen haben nun die Aufnahmen des DLR-Radarsatelliten aus verschiedenen Jahren ausgewertet, um die Geschwindigkeit des Eisflusses zu erfassen. Die neuen Zahlen übertreffen alle bisherigen.

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46 Meter pro Tag

Die Fließgeschwindigkeiten des Jakobshavn Isbræ waren 2012 und 2013 im Jahresdurchschnitt fast dreimal höher als noch vor zwanzig Jahren. Während der Sommerperiode übertrifft sich der Gletscher sogar um mehr als das Vierfache. Die Höchstgeschwindigkeit maßen die Wissenschaftler im Sommer 2012: 17 Kilometer pro Jahr. Dies entspricht einer Geschwindigkeit von mehr als 46 Meter pro Tag – ein Rekord für Ausflussgletscher nicht nur in Grönland, sondern auch in der Antarktis.

Doch der Gletscher fließt nicht nur immer schneller, er verliert dabei auch an Volumen, weil das Eis nun vermehrt und schneller ins Meer gelangt und dort schmilzt. Zwischen 2000 und 2010 war dadurch allein dieser Gletscher für einen Meeresspiegelanstieg von einem Millimeter verantwortlich, wie die Forscher berichten.

Rückzug der Gletscherzunge

Gleichzeitig zeigen die Satellitendaten, dass sich in den Rekordjahren 2012 und 2013 auch die Gletscherzunge stärker ins Landesinnere zurückgezogen hat: über einen Kilometer mehr als in den Jahren zuvor. Die derzeitige Kalbungszone befindet sich über einer sehr tiefen Stelle des Fjordes, sagen die Wissenschaftler: Das Felsbett liegt hier 1.300 Meter unter dem Meeresspiegel. Dadurch wird der Eisfluss weniger abgebremst und der Gletscher beschleunigt sich weiter, erklärt Joughin.

Nach Einschätzung der Experten könnte sich im Laufe dieses Jahrhunderts der Gletscher um weitere 50 Kilometer – bis zur Fjordspitze – zurückziehen. (Cryosphere, 2014; doi:10.5194/tcd-7-5461-2013)

(EGU, 04.02.2014 – MVI/NPO)

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