Landwirtschaft als Klimakiller? Streit um rülpsende Rinder - scinexx | Das Wissensmagazin
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Landwirtschaft als Klimakiller?

Streit um rülpsende Rinder

Treibhausgase werden nicht nur durch Fabrikschlote und die Auspuffrohre der Automobilflotte in die Luft geblasen, sondern auch durch rülpsende Rinder und überdüngte Felder. Jetzt sorgt ein neuer Report des WWF für Zoff. Denn die Autoren fordern marktwirtschaftliche Instrumente, um die Emissionen der Landwirtschaft zu begrenzen. Der Bauernverband hingegen pocht auf eine positive Netto-Klimabilanz und wehrt sich gegen die Anschuldigungen.

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Nach Angaben des Reports gehen in Deutschland gehen bis zu elf Prozent des vom Menschen verursachten Klimawandels auf das Konto der Landwirtschaft. Weltweit sei der Anteil mit 14 Prozent sogar noch höher. Rechne man die Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Nutzflächen dazu, steige der Anteil sogar auf über 30 Prozent. „Die Agrarindustrie heizt das Klima in etwa der gleichen Größenordnung an wie der Transportsektor“, erläutert Tanja Dräger de Teran, Agrarreferentin beim WWF Deutschland. Deshalb sei es längst überfällig, den Klimaschutz in die Landwirtschaftspolitik zu integrieren.

Demgegenüber kritisierte der Deutsche Bauernbverband (DBV) den Vergleich der Emissionen der Tierhaltung in der Landwirtschaft mit denen von Autos. Das sei ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen, der der Wahrheitsfindung und Problemlösung nicht diene, erklärte der DBV. Es sei absurd, die Milchkuh im Vergleich mit Automobilen als „Klima-Killer“ darzustellen, denn der Ausstoß von Methan aufgrund der natürlichen Verdauungsprozesse der Wiederkäuer trage nur zu rund zwei Prozent zu dem Gesamt-Treibhausgaseffekt in Deutschland bei.

Aufklärung als erster Schritt

Die Autoren des Reports von der Berliner Humboldt Universität und dem Beratungsbüro agripol GbR empfehlen dennoch marktwirtschaftliche Instrumente. Wenn Emissionen einen Preis haben, bestehe ein ökonomischer Anreiz, diese zu verringern. Neben der Aufklärung der Verbraucher müsse vor allem verstärkt über Emissionssteuern nachgedacht werden.

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„Methan und Lachgas aus der Landwirtschaft sind weitgehend vernachlässigte Treibhausgase“, erläutert Dr. Harald von Witzke, Professor für internationalen Agrarhandel an der Berliner Humboldt Universität. Obwohl man längst wisse, dass Methan 21-mal und Lachgas sogar 310-mal so klimawirksam wie Kohlendioxid ist, gebe es nach wie vor keine klimapolitischen Vorgaben für die Landwirtschaft. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf.

Ziel müsse es sein, dass der Preis die ökologische Wahrheit sage. „Das Verursacherprinzip muss auch für die Landwirtschaft gelten“, betont Dräger de Teran. Eine Internalisierung der Klimaschutzkosten führe zu einer geringeren Umweltbelastung. Überdies erwarten die Autoren des WWF Reports einen Innovationsschub durch agrarpolitische Klimaschutzvorgaben.

Der Bauernverband betont demgegenüber, dass die Landwirtschaft eine positive Bilanz im Klimaschutz habe. Den Emissionen in der Landwirtschaft in Höhe von 133 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten stehen Kohlendioxid-Exporte in anderen Sektoren von über 168 Millionen Tonnen gegenüber, erläuterte der DBV. Diese positive Netto-Klimabilanz könne bei stärkerer Verwendung von Bioenergie und damit dem Ersatz von fossilen Rohstoffen noch erheblich verbessert werden, indem der zusätzliche Ausstoß von Kohlendioxid vermieden werde. Bei einem vergleichsweise geringen Anteil an der Gesamtemission von Treibhausgasen konnte die Landwirtschaft immerhin ihre Emissionen seit 1990 bereits um insgesamt 24 Prozent senken.

(WWF/DBV, 06.11.2007 – NPO)

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