Archäologen finden 3.000 Jahre alte Textilien in alten Kupferminen des Negev Stoffreste aus der Zeit König Salomos entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Archäologen finden 3.000 Jahre alte Textilien in alten Kupferminen des Negev

Stoffreste aus der Zeit König Salomos entdeckt

Dieses in Timna entdeckte Stoffstück wurde vor rund 3.000 Jahren gewebt © Clara Amit/ Israel Antiquities Authority

In den alten Kupferminen von Timna in Israel haben Archäologen 3.000 Jahre alte Textilreste entdeckt. Die Stoff-Fragmente stammen teilweise von aufwändig verzierter Kleidung, aber auch von Taschen, Zelten oder Schnüren. Sie sind die ersten Stoffe aus der Zeit des Königs Salomo, die jemals in Israel entdeckt wurden, wie die Forscher berichten. Ihr Fund belegt auch, wie angesehen und reich die Kupferschmelzer in dieser Region damals waren.

Der Nahe Osten ist in mehrfacher Hinsicht Vorreiter der Menschheitsgeschichte, davon zeugen archäologische Funde. So könnten dort schon vor 400.00 Jahren erste Vertreter des Homo sapiens gelebt haben, vor gut 12.000 Jahren hielten unsere Vorfahren dort rituelle Begräbnisfeiern ab und der Fund einer 7.000 Jahre alten Ahle aus Kupfer am Jordan belegt, dass die Kupferzeit in dieser Region deutlich früher begann als in den meisten anderen Regionen der Erde.

Fund in alter Kupfermine

Dass es im Gebiet des heutige Israel im Altertum reichlich Kupfer gab, davon zeugt unter anderem die Timna Mine in der Negev Wüste. Hier gruben schon die alten Ägypter ab 5500 nach dem begehrten Edelmetall und schufen die ältesten Bergwerke der Welt. Später bauten auch die halbnomadischen Bewohner der Region, die Edomiten, hier Kupfer ab oder arbeiteten für die jeweiligen Herrscher.

In einer der alten Minen von Timna haben Erez Ben-Yosef von der Universität Tel-Aviv und seine Kollegen nun einen unerwarteten Fund gemacht: Sie stießen auf eine ganze Sammlung von 3.000 Jahre alten Stoffresten. Durch das heiße, trockene Klima des Negev blieben diese fragilen Textilien bis heute erhalten – eine echte Rarität.

Noch heute sind in Timna die Höhlen und Gruben zu erkennen, in denen schon vor mehr als 5.000 Jahren nach Kupfer gegraben wurde. © Zairon/CC-by-sa 3.0

Erste Stoffreste aus König Salomos Zeit

„In Ausgrabungen in Jerusalem, Megiddo oder Hazor wurden bisher noch nie Textilen gefunden“, sagt Ben-Yosef. „Dieser Fund eröffnet daher ein einzigartiges Fenster in einen Aspekt des alltäglichen Lebens der damaligen Zeit, für den wir bisher keinerlei Belege hatten.“ Datierungen zeigen, dass die Stoffreste aus der Ära der Könige Salomo und David stammen und wahrscheinlich den damals hier ansässigen Edomiten gehörten.

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Überraschend ist die Vielfalt der in Timna entdeckten Stoffe: „Wir haben Fragmente von Textilien gefunden, die einst Teil von Taschen, Kleidung, Zelten, Seilen und Schnüren waren“, berichtet Ben-Yosef. Einige der Stoffe sind eher einfach gewebt, andere dagegen sehr fein und aufwändig verziert. Dies gibt Einblick in die komplexe Gesellschaftsstruktur der an diesen Minen lebenden Edomiten.

Aufwändige Stoffe zeigen hohen Status

Auch wenn viele der Arbeiter in den Kupferminen einen niedrigen Status besaßen und vielleicht sogar Sklaven oder Gefangene waren, galt dies für die Kupferschmelzer nicht. Denn ihr Handwerk erforderte lange Erfahrung und war zu dieser Zeit hoch angesehen. „Wenn eine Person damals das Wissen darüber besaß, wie man das begehrte Kupfer herstellt, galt er als absoluter Experte, fast schon als magisch – und sein sozialer Status spiegelte dies wieder“, so der Archäologe.

Dass die Schmelzer von Timna wohlhabend gewesen sein müssen, davon zeugen auch ihre Kleidungsreste. „Wir haben reich verzierte Stoffe gefunden, wie sie von den oberen Rängen der Gesellschaft getragen wurden“, sagt Ben-Yosef. „Diese Luxusstoffe wurden von den fachkundigen, hoch angesehenen Experten für das Kupferschmelzen getragen.“

Importiert aus anderen Regionen

Und nicht nur das: Viele der Stoffe wurden offenbar auch eigens aus fernen Regionen importiert. „Wir haben Leinen gefunden, das nicht lokal erzeugt worden sein kann“, sagt Vanessa Workman von der Universität Tel Aviv. „Es muss aus dem Jordan Tal oder aus dem Norden Israels importiert worden sein.“ Ein großer Teil der Stoffe wurde zudem aus Schafswolle gewebt – auch das ein in diesem Gebiet und zu dieser Zeit ungewöhnliches Material. „Dies verrät, wie hochentwickelt das Textilgewerbe, aber auch die Handelsbeziehungen der Edomiten waren.“

Um die aufwändige Kupferindustrie in dieser abgelegenen Wüstengegend zu versorgen, waren Textilien nur eines der Güter, die über Handelswege per Karawanen herangeschafft wurden. Auch Nahrung und Wasser wurden wahrscheinlich in großen Menge importiert. „Diese Entdeckung stärkt unsere Vorstellung von den Edomiten als wichtige geopolitische Präsenz der damaligen Zeit“, sagt Ben-Yosef. „Nomadisch bedeutet eben nicht automatisch primitiv.“

(American Friends of Tel Aviv University, 02.03.2016 – NPO)

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