Spektakuläre Gefäßfunde während der Ausgrabungen in der Hethiter-Hauptstadt Hattuscha Stierkopf- und Zinnenvase überraschen Archäologen - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Spektakuläre Gefäßfunde während der Ausgrabungen in der Hethiter-Hauptstadt Hattuscha

Stierkopf- und Zinnenvase überraschen Archäologen

Nahaufnahme der hethitischen Stierkopfvase © DAI

In der alten Hauptstadt der Hethiter in Anatolien, Hattuscha, haben Archäologen einen spektakulären Fund gemacht: Neben zahlreichen Schalen und Tellern entdeckten sie zwei Vasen, die in dieser Form bisher noch nirgends gefunden worden waren. Biede wurde vermutlich im Rahmen von Zeremonien genutzt.

Im Herzen Anatoliens, rund 150 km östlich von Ankara lag einst das Zentrum des Reiches der Hethiter: die Hauptstadt Hattuscha. Von 1600 bis 1200 v. Chr. Herrschten hier die Großkönige der Hethiter über weite Teile Kleinasiens und Syriens, sie eroberten Babylon, und Troja war ihr Vasall. Die Hethiter gelten neben Ägypten und Babylonien die dritte Großmacht des Alten Orients. Seit einigen Jahren graben Archäologen des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in der westlichen Oberadt Hattuschas. Ihr Ziel: Durch eine Kombination von geistes und naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden die Lebenswirklichkeit einer der größten Städte des Alten Orients zu erhellen.

Vollständiges Gefäßensemble

Eine kleine Sensation brachten nun neue Funde im Rahmen der 69. Grabungskampagne des DAI im Sommer dieses Jahres. In einem großen Gebäude, das an der Schnittstelle zwischen zwei Stadtbereichen liegt, entdeckten die Forscher einen seltenen Schatz: Ein vollständiges Gefäßensemble, das aus mehr als 70 Schalen und Tellern und zwei Vasen besteht. Da das Gebäude, in dem das Ensemble gefundne wurde, wahrscheinlich um 1400 v. Chr. errichtet wurde, abbrannte und im späten 14. Jh. v. Chr. erneut aufgebaut wurde, ordnen die Archäologen die Gefäße dieser zweiten Nutzungsphase zu.

Das in Hattuscha ausgegrabene Gefäßensemble © DAI

Überraschend und eine absolute Besonderheit waren die beiden Vasen: Eine davon ist ein großes Gefäß mit geschwungener Wandung und vier Henkeln, dessen Rand in Form von Zinnen gestaltet ist. Zwar sind kleine Fragmente entsprechender Gefäße bereits des öfteren in den Ausgrabungen in Hattuscha gefunden worden, jedoch ist es das erste Mal, dass ein vollständiges Gefäß dieses Typs rekonstruiert werden konnte.

Stierkopf auf Vase bisher einmalig

Bisher völlig einmalig hingegen ist das zweite Gefäß, das unmittelbar mit dem ersten zusammen gefunden wurde. Es hat eine hohe schlanke Form, mit langem Hals, auf dem ein Stierkopf als Ausguß sitzt. Beide Gefäße bilden zusammen mit den genannten Schalen und Tellern ein beispielloses Ensemble, das vermutlich im Rahmen von Zeremonien genutzt wurde. Diese Funde ermöglichen ungekannte Einblicke in die Nutzung eines Gebäudes, das mit großer Wahrscheinlichkeit einer sehr hoch gestellten Persönlichkeit der hethitischen Gesellschaft zu zuweisen ist.

Anzeige

(Deutsches Archäologisches Institut, 08.10.2008 – NPO)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

Rungholt - Rätsel um das Atlantis der Nordsee

News des Tages

Wassermoleküle

Wasser: Doch keine zwei Varianten?

Fördert Salz Allergien?

Neptun: Rätsel des "unmöglichen" Mondes gelöst

Wie gelangen Schwermetalle in Bier und Wein?

Bücher zum Thema

Städte der Welt - In historischen Karten von Peter Whitfield

Rätsel der Archäologie - Unerwartete Entdeckungen - Unerforschte Monumente von Luc Bürgin

Tauchgang in die Vergangenheit - Unterwasser- archäologie in Nord- und Ostsee von Friedrich Lüth (Hrsg.)

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige