Schwäbische Alb: Ritzreihen auf einer Mammutrippe ähneln Zählmarken – aber wofür? Steinzeit-Fund gibt Rätsel auf - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schwäbische Alb: Ritzreihen auf einer Mammutrippe ähneln Zählmarken – aber wofür?

Steinzeit-Fund gibt Rätsel auf

Diese Reihen von Ritzspuren auf einer 35.000 bis 30.000 Jahre alten Mammutrippe könnten steinzeitliche Zählmarken sein - aber wofür? © Hilde Jensen/ Universität Tübingen

Kalender, Spielstände oder rituelles Muster? In einer Höhle der Schwäbischen Alb haben Forscher eine Mammutrippe entdeckt, die ihnen Rätsel aufgibt. Denn der gut 30.000 Jahre alte Fund trägt Reihen von Ritzungen, die von Steinzeitmenschen stammen müssen. Das Muster der Ritzmarken spricht dafür, dass mit ihnen etwas gezählt wurde – aber was? Noch ist unklar, ob es sich bei diesem Fund um einen Steinzeit-Kalender, um Spielstände oder Notizen zu bestimmten Tätigkeiten handelte.

Die Höhlen der Schwäbischen Alb waren bereits vor 40.000 Jahren wichtige Rückzugsorte für unsere Vorfahren. Davon zeugen einzigartige Funde aus der Altsteinzeit, darunter die Venus vom Hohle Fels, die älteste Menschenfigur der Welt. Aber auch kunstvolle Tierfiguren und Flöten aus Mammutelfenbein oder Vogelknochen wurden in den inzwischen zum UNESCO-Welterbe erklärten Höhlen entdeckt.

Zwei Reihen paralleler Kerben

Jetzt jedoch gibt ein neuer Fund selbst den erfahrene Archäologen Rätsel auf. Nicholas Conard von der Universität Tübingen und sein Team haben in der Hohle Fels-Höhle eine Mammutrippe gefunden, die 30.000 bis 35.000 Jahre alt ist. Das Besondere an ihr: Das rund 44 Zentimeter lange Fundstück ist von Steinzeit-Menschen bearbeitet worden. An der dickeren Kante der Rippe sind zwei Reihen von Markierungen erkennbar.

Die parallelen Ritzspuren bilden zwei Blöcke von einmal 83 und einmal 90 Kerben. An anderer Stelle weist die Rippe weitere 13 schwächere und längere Einschnitte auf, wie die Forscher berichten. Alle Markierungen sind ihren Angaben nach gut erkennbare, saubere Einschnitte, die mit Sicherheit gezielt platziert wurden. Sie unterscheiden sich in Länge und Tiefe und wurden daher wahrscheinlich nicht in einem Durchgang eingeritzt.

Die Mammutrippe an ihrem Fundort in der Hohle-Fels-Höhle © Alexander Janas/ Universität Tübingen

Zählmarken, Spielstände oder Kalender?

„Die entscheidende Frage ist nun, welche Funktion dieser Fund besaß“, sagt Conard. Denn passende Vergleichsstücke gebe es weder aus Süddeutschland noch aus anderen Regionen der Welt. Die Archäologen vermuten, dass die Steinzeitmenschen mit diesen Ritzmarken etwas zählten. „Wir vermuten stark, dass die Rippe als Informationsträger diente“, so Conrad.

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Aber was wurde gezählt? „Es ist unbekannt, ob es hier um Jagdbeute, Menschen, Tage, Mondzyklen oder etwas anderes ging“, so Conard. „Eine Art von Kalender ist zwar naheliegend, aber die Zahlen 83, 90 und 13 ergeben für uns kein klares System.“ Die Ritzmarken könnten auch Notizstriche von komplizierten Arbeitsschritten oder Spielstände von einem altsteinzeitlichen Spiel sein.

Funktion bleibt rätselhaft

„Diese Mammutrippe steht in ihrer Interpretation zwischen komplexer symbolischer Bedeutung und einer ganz praktisch orientierten Nutzung im Alltag“, sagt Stefanie Kölbl vom Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu). Doch die genaue Funktion dieses Funds bleibt vorerst rätselhaft. Ideen zur Funktion sind daher durchaus willkommen – sowohl im urmu als auch auf der Facebook-Seite des Museums. „Wir freuen uns darauf, mit unseren Besuchern eine spannende Diskussion darüber zu führen, wofür die Reihen aus 13, 83 und 90 Strichen wohl stehen könnten“, so Kölbl.

(Eberhard Karls Universität Tübingen, 27.07.2018 – NPO)

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