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Slawische Kriegerin im Wikingergrab?

Axt slawischer Herkunft in tausend Jahre altem Frauengrab gibt Rätsel auf

Axt
Diese Axt stammt aus einem Wikingergrab auf Langeland, in dem eine Frau bestattet lag – war sie eine slawische Kriegerin? © Mira Fricke

Kam sie aus Polen? Auf der dänischen Insel Langeland haben Archäologen das Grab einer Wikingerfrau entdeckt, die mit einer Kriegsaxt begraben wurde. Dies spricht dafür, dass es sich hier entweder um eine Kriegerin handelte oder dass sie diese Axt im rituellen Kontext verwendete. Interessant auch: Weil diese Axt slawischer Machart ist, könnte diese Kriegerin ebenfalls aus dem slawischen Raum stammen.

Vor rund tausend Jahren dominierten die Wikinger weite Teile Nordeuropas und segelten sogar bis nach Grönland und Nordamerika. Sie unterhielten ein ausgedehntes Handelsnetz, waren aber vor allem als Krieger und räuberische Eroberer gefürchtet. Gängiger Annahme nach war dabei das Kriegshandwerk Männersache, während die Frauen Hof und Kinder versorgten.

Gab es „nordische Amazonen“?

Doch schon vor einigen Jahren haben Archäologen in Skandinavien einige Gräber entdeckt, in denen Wikingerfrauen in vollem Kriegsstaat bestattet worden waren. Eine dieser Kriegerinnen, begraben im schwedischen Birka, muss ihren Grabbeigaben nach sogar eine Art Anführerin oder Offizierin gewesen sein. Stimmen demnach die Legenden von den „nordischen Amazonen“ die an der Seite der Männer kämpften?

Einer der Forscher, die dieser Frage auf den Grund gehen, ist Leszek Gardela von der Universität Bonn. Er hat im Rahmen seiner Studie gezielt nach weiteren Gräbern möglicher Wikingerkriegerinnen gesucht – mit Erfolg. Neben den bereits bekannten 20 Gräbern mit bewaffneten Wikingerfrauen stieß er auf zehn weitere Grabstätten mit Waffen als Grabbeigaben, in denen höchstwahrscheinlich weibliche Tote bestattet lagen.

Slawische Axt im Wikingergrab

Eines dieser Gräber hat sich nun als besonders aufschlussreich erwiesen. In ihm wurde vor rund tausend Jahren eine Frau auf einem Wikingerfriedhof der dänischen Insel Langeland bestattet. Das Ungewöhnliche jedoch: Neben der Toten lagen eine arabische Münze und eine Kriegsaxt. Sie ist die einzige Tote auf dem gesamten Friedhof, die mit einer Waffe beerdigt worden war, wie Gardela berichtet.

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Frauengrab
Rekonstruktion des Wikinger-Frauengrabes auf Langeland. © Miroslaw Kuzma

Doch wer war diese Frau? Nähere Untersuchungen enthüllten, dass die Axt kein heimisches Fabrikat war, sondern in ihrer Machart eher den damals im Baltikum verbreiteten Äxten ähnelte. „Bisher war niemandem aufgefallen, dass die Axt in diesem Grab aus dem südlichen Ostseeraum stammte, wahrscheinlich aus dem Gebiet des heutigen Polen“, sagt Gardela.

Eine Kriegerin aus dem südlichen Baltikum?

Der Forscher schließt daraus, dass auch die Tote möglicherweise slawischer Abstammung gewesen sein könnte. „Während des Mittelalters war diese Insel ein wahrer Schmelztiegel von slawischen und skandinavischen Elementen“, erklärt Gardela. „Die Präsenz von slawischen Kriegern war in Dänemark wahrscheinlich größer als lange gedacht – das legen neue Studien nahe.“

Ob allerdings auch die Tote aus Langeland eine slawische Kriegerin war, lässt sich bisher nicht eindeutig sagen, wie Gardela betont. Ihre Gebeine lassen keine Verletzungen erkennen, so dass unklar ist, woran diese Frau vor rund tausend Jahren starb. Die Tote könnte ihre Waffe zu Lebzeiten als Waffe im Kampf verwendet haben. Dafür würden zeitgenössische Berichte über weibliche Kriegerinnen und die anderen Gräber bewaffneter Wikingerfrauen sprechen.

Waffe oder Ritualobjekt?

Denkbar ist aber auch, dass die Axt eher rituellen Zwecken oder der Selbstverteidigung diente. Das allerdings sei damals kein sehr häufiges Phänomen gewesen“, sagt der Archäologe. Seiner Ansicht nach könnte die rätselhafte Tote aus Langeland daher durchaus eine Wikingerkriegerin slawischen Ursprungs gewesen sein. „Es gab damals viele weibliche Kriegerinnen – sie nahmen an Kriegszügen teil und führten sogar ganze Armeen in die Schlacht“, so Gardela.

Quelle: Science in Poland

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