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Sind Waldbrände vermeidbar?

Wissenschaftler erforschen Feuer im Mittelmeerraum

Die Landschaften südlich der Loire bis nach Südportugal und Südspanien sind von der schlimmsten Dürre seit mehr als 60 Jahren betroffen. In Portugal haben Waldbrände bereits 15 Menschen das Leben gekostet und Schätzungen zufolge etwa 180.000 Hektar Wald verwüstet. Wissenschaftler der Universität Karlsruhe halten solche Katastrophen für unnötig.

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„Diese Schäden sind vermeidbar“, sagt Christophe Neff, der schon im Mai auf die Waldbrandgefahren in Südwesteuropa hingewiesen hatte. Der Feuerökologe am Institut für Geographie und Geoökologie fordert ein an die jeweiligen Umweltbedingungen angepasstes Feuermanagement, vor allem auch in der Maghreb-Region in Nordafrika, wo aufgrund der globalen Umweltveränderungen die Waldbrandrisiken seiner Meinung nach erheblich zunehmen werden.

Die langjährigen Forschungen von Neff und seinen Kollegen zeigen: Das kontrollierte Abbrennen von großen Flächen, etwa in den mediterranen Pyrenäen, aber auch die Pflege der mediterranen Kulturlandschaft, würden das Risiko von katastrophalen, unbeherrschbaren Feuern erheblich reduzieren. Außerdem würde dies dazu beitragen, die Strukturvielfalt der mediterranen Berglandschaft mit ihrer einzigartigen Flora zu erhalten. Damit nicht genug: In der Verwertung der Biomasse als Brenn- und Heizstoff, zum Beispiel in Form von Holzhackschnitzel und -pellets oder als Grundlage für „biofuel“, sieht Neff eine weitere Möglichkeit, die Waldbrandgefahren zu vermindern.

„Das Energiepotenzial dieser Biomasse, die sich ja faktisch in Luft auflöst und dabei noch Mensch und Landschaft gefährdet, ließe sich mittelfristig besser nutzen“, so Neff. Der auf neue Rekordwerte gestiegene Rohölpreis könnte die wirtschaftliche Bedeutung der mediterranen Wald- und Buschlandschaften erhöhen. Neff ist sich sicher: „Wenn die mediterranen Wälder einen wirtschaftlichen Wert haben, werden sie auch besser gemanagt – und es wird weit weniger katastrophale Waldbrände geben.“

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Frühwarnsysteme für Waldbrände

Neff widmet sich der geographisch-landschaftsökologischen Analyse von Waldbränden im westlichen Mittelmeerraum. Er entwickelt Szenarien für Landschaftsräume und Regionen, die Prognosen über die Waldbrandgefahr und die wahrscheinliche Ausbreitung von Feuern erlauben. Mit diesen Schwerpunkten bereichert er die Forschung am Institut, das sich schon länger mit den Auswirkungen von Feuer und Waldbränden auf natürliche Ökosysteme und Kulturlandschaften beschäftigt.

Die Feuerexperten um Professor Manfred Meurer untersuchen vor allem die Folgen von Vegetationsfeuern für Planzendecke und Boden. So haben die Wissenschaftler Feuerexperimente zum Beispiel auf der Kykladeninsel Naxos, in Benin und im Schwarzwald vorgenommen.

Kontrolliert Feuer als Lösung

Am Institut werden Waldbrände aber nicht nur erforscht. Auch in der Lehre berücksichtigen Meurer und sein Team verstärkt die Rolle des Feuers als dynamischem Element der Landschaftsgestaltung. Im Juni 2005 untersuchten Karlsruher Studierende die Vegetationsregeneration auf der Waldbrandfläche Leuk-Albinen in der Schweiz, die Folge eines großen Bergfeuers im August 2003 war.

Im Oktober werden sich die Teilnehmer einer „Mittelmeerexkursion“ mit den ökologischen Folgen der aktuellen Sommerwaldbrände und historischen Waldbrandereignissen in den mediterranen Pyrenäen befassen. Auch wird eine für Anfang 2006 geplante Landeskundliche Exkursion den Schwerpunkt „Anwendung von kontrollierten Feuern in den mediterranen Pyrenäen zur Brandprävention und Landschafts- und Naturschutz“ haben.

Beim Deutschen Geographentag vom 1. bis 8. Oktober in Trier leiten Professor Meurer und Dr. Neff gemeinsam eine Fachsitzung zur „Landschaftsökologischen Bewertung und Raumrelevanz von Waldbränden und Vegetationsfeuern“.

(idw – Universitaet Karlsruhe, 20.09.2005 – DLO)

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