Australische Gesteinsformationen deuten auf Präsenz offener Meeresgebiete hin „Schneeball Erde” hatte doch eisfreie Oasen - scinexx | Das Wissensmagazin
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„Schneeball Erde” hatte doch eisfreie Oasen

Australische Gesteinsformationen deuten auf Präsenz offener Meeresgebiete hin

Schneeball Erde © SXC

Die große Vereisung der „Schneeball Erde“-Ära vor rund 700 Millionen Jahren war vermutlich doch nicht vollständig. Eine Gesteinsformation in Australien liefert jetzt Belege dafür, dass mindestens ein großes Meeresgebiet damals eisfrei geblieben sein muss. Diese jetzt in der Fachzeitschrift „Geology“ vorgestellte Oase könnte der Schlüssel für das Überleben der frühen Organismen und damit für das gesamt Leben auf der Erde gewesen sein.

Seit langem streiten Geologen und Klimaforscher darum, ob unser Planet im Laufe seiner Geschichte auch Phasen der vollständigen Vereisung erfahren hat. Nach der Hypothese des „Schneeball Erde“ soll dies im Erdaltertum, in einer Zeit etwa vor 750 bis 600 Millionen Jahren der Fall gewesen sein. Bisher existieren zwar Indizien dafür, dass es damals Gletscher sogar in den Tropen gegeben hat, ob die Eisdecke komplett war ist jedoch unklar. Ebenso ungeklärt ist auch, wie die frühen Organismen eine „Schneeball-Periode“ überstanden haben sollen.

Spurensuche in der australischen Flinders Range

Jetzt hat ein britisch-australisches Forscherteam Belege dafür entdeckt, dass die Erde damals wohl doch kein kompletter „Schneeball“ war, sondern es mindestens noch einige eisfreie Gegenden gegeben haben muss. Im Rahmen ihrer Studie hatten die Wissenschaftler unter Leitung von Dan Le Heron von der Royal Holloway Universität von London Gesteinsformationen in der südaustralischen Flinders Range untersucht. Der zentrale Bereich dieses Gebirgszuges besteht aus bis zu 5.000 Meter dicken Gesteinsschichten, die größtenteils während der Vereisungsperiode des Kryogenium – der „Schneeball Erde“-Zeit – gebildet worden sind.

Ein Einschluss fremden Gesteins, hineingeschleudert einst durch starken Sturm © Royal Holloway

Urzeitliche Sturmspuren im Gestein

Mitten in diesen Formationen stießen die Forscher auf spezielle Strukturen, die normalerweise nur dann entstehen, wenn Sturmwellen auf offenem Meer auftreten: Angetrieben durch den Wind wirbeln die Wellen Sand und Steine vom Meeresboden auf, reißen sie mit sich und lassen sie an anderer Stelle wieder absinken. Als Resultat finden sich im späteren Sedimentgestein dann plötzlich Brocken von Fremdgestein eingebettet in die ansonsten homogene Umgebungsschicht. Diese so genannte „hummocky cross-stratification“ belegt nach Ansicht der Forscher eindeutig, dass die Meeresoberfläche vor gut 700 Millionen Jahren eisfrei gewesen musste.

„Das ist eine unglaublich spannende Geschichte“, erklärt Le Heron. „Was wir gefunden haben ist der beste Beweis dafür, dass große Bereiche der irdischen Ozeane auch während der ‘Schneeball Erde’-Zeit eisfrei blieben. Solche ‚Oasen‘ könnte der Schlüssel für das Überleben des Lebens – und damit für unsere eigene Existenz – gewesen sein.“

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(Royal Holloway, University of London, 15.12.2010 – NPO)

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