Seltene Kombination von mehreren widrigen Wetterbedingungen Schnee und Wind machte Masten den Garaus - scinexx | Das Wissensmagazin
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Seltene Kombination von mehreren widrigen Wetterbedingungen

Schnee und Wind machte Masten den Garaus

Satellitenaufnahme des "Schneetiefs" vom 26.11.2005 © Eumetsat

Nach den Schneechaos des Wochenendes wurde auch Kritik am Stromversorger RWE laut. Größte Frage dabei: Warum führten die Schneefälle zu so massiven Schäden an Strommasten und –leitungen? Doch Entlastung bringt jetzt der Deutsche Wetterdienst (DWD): Er diagnostizierte eine ungewöhnliche Kombination aus Schnee und Wind, die auch die im Prinzip ausreichend stabilen Masten umlegte.

Die außergewöhnlichen Schneemassen von Tief „Thorsten“ haben in den letzten Tagen in Nordrhein- Westfalen teilweise zu chaotischen Verhältnissen geführt. So fielen beispielsweise im Bergischen Land insgesamt 40 bis 60 Zentimeter Schnee.

Nach einer ersten Berechnung der aufgetretenen Schneelasten waren laut DWD die Schneefälle zwar ungewöhnlich, lagen aber nicht außerhalb der für die Bauwirtschaft geltenden Normwerte. Vielmehr habe die Kombination von mehreren widrigen Wetterbedingungen zu den Schäden geführt.

Maximalwerte für „Schneelast“ nicht überschritten

Der DWD erstellt seit Jahrzehnten Wind-, Schnee- und Eislastgutachten für die deutsche Bauwirtschaft. Die für einen Zeitraum von 50 Jahren ermittelten Maximalwerte der Schneelast für das Münsterland liegen bei über 50 Kilogramm je Quadratmeter. Am vergangenen Wochenende wurden im Münsterland und im Bergischen Land jedoch nur Schneelasten von etwa 30 bis 50 Kilogramm je Quadratmeter erreicht. Das Maximum der Belastung damit also nicht überschritten.

Schnee und Wind in Kombination

Warum aber knickten die Strommasten dennoch um? Nach Angaben der Wetterexperten war die Kombination mehrerer Faktoren schuld: Die außergewöhnliche Verbindung von Nassschnee, Temperaturen um 0 Grad Celsius und einem Wind der Stärke 8 wie er am Freitag Nachmittag im Raum Osnabrück gemessen wurde. Diese Kombination führte zu massivem Schnee- und Eisansatz an Freileitungen und Hochspannungsmasten.

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Dadurch vervielfachte sich die Oberfläche, auf die der Wind einwirken konnte. So nahm der Winddruck immer mehr zu. Örtlicher Eisabfall an den Leitungen und dadurch entstandene Schwingungen könnten, so der DWD, zu starken asymmetrisch wirkenden Kräften an den Freileitungsmasten und schließlich zu ihrer Zerstörung geführt haben.

Schwererer Schnee im Flachland

Dass im Flachland Nordrhein-Westfalens größere Schäden auftraten als beispielsweise im Bergischen Land lag nach Angaben des DWD wahrscheinlich an der Konsistenz des Schnees: Der Wassergehalt der Schneedecke im Flachland lag um etwa 50 Prozent höher als in den höheren Lagen. Der Schnee war daher in der Ebene deutlich „kompakter“ und damit schwerer.

Wetterlagen, die zu einem derartig starken Schnee- und Eisansatz an Freileitungen führen, sind in Deutschland sehr selten. Sie können aber, laut DWD, prinzipiell in jeder Region Deutschlands auftreten.

(DWD, 29.11.2005 – NPO)

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