Herkunftszeichen auf Keramik verrät wahres Alter eines versunkenen Frachters Schiffswrack: "Made in China" vor 800 Jahren - scinexx | Das Wissensmagazin
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Herkunftszeichen auf Keramik verrät wahres Alter eines versunkenen Frachters

Schiffswrack: „Made in China“ vor 800 Jahren

Reiche Fracht: 800 Jahre alte Keramikgefäße eines vor Java gesunkenen Frachters aus dem alten China © The Field Museum/ Pacific Sea Resources

Älter als gedacht: In einem Schiffswrack vor der Küste Indonesiens haben Taucher einen entscheidenden Fund gemacht. Sie fanden Keramik mit eingeritzten Herkunftszeichen – eine alte Version des heutigen „Made in China“. Das Spannende daran: Der darin genannte Ortsname existierte nur bis zur Mongoleninvasion im Jahr 1278. Das Schiff und seine Fracht sind daher rund hundert Jahre älter als gdacht – und stammen aus einer wichtigen Umbruchszeit in Chinas Handel.

In den 1980er Jahren stießen Fischer in der Javasee zwischen Java und Borneo auf das Wrack eines halbzerfallenen Schiffs. Der hölzerne Rumpf war größtenteils zerstört, so dass die reiche Fracht dieses Schiffes zutage trat: Der Frachter hatte tausende von Keramikgefäßen und luxuriöse Handelswaren geladen, darunter auch Elefantenstoßzähne und wohlriechende Harze. Ersten Schätzungen nach kam dieser Frachter aus China und war rund 700 Jahre alt – so dachte man jedenfalls.

„Made in Jianning Fu“

Jetzt jedoch haben Archäologen um Lisa Niziolek vom Field Museum in Chicago unter den geborgenen Artefakten einen Fund gemacht, der neue Informationen über das wahre Alter der Fracht liefert. Es handelt sich um Keramikgefäße, die ein eingeprägtes Herkunftszeichen tragen. „Jemand versah diese Gefäße mit einem Label, das im Prinzip besagt: ‚Made in China'“, berichtet Niziolek.

Das Spannende daran: In dem Herkunftszeichen wird der Name der Regierungsprovinz genannt, aus dem die Keramik stammt: Jianning Fu. „Wegen dieses besonderen Ortsnamens können wir nun das Alter des Schiffswracks besser bestimmen“, erklärt die Archäologin. Denn: Nach der Invasion Chinas durch die Mongolen um 1278 wurde diese Region in Jianning Lu umgetauft.

Herkunftszeichen auf der Unterseite eines Keramikgefäßes. Als Ort wird Jianning Fu angegeben. © The Field Museum, cat. no. 344404/ Gedi Jakovickas

Stoßzähne und Harz bestätigen Datierung

Das aber bedeutet: Die Fracht des Schiffes muss aus der Zeit vor der Umbenennung stammen – und damit älter sein als bisher angenommen, so die Forscher. Denn die enorme Menge der Keramikobjekte mache es unwahrscheinlich, dass diese lange irgendwo gelagert worden sind. „Ein Händler hätte nicht für eine lange Lagerung so vieler Waren bezahlt“, sagt Niziolek. „Die Waren sind daher vermutlich nicht lange vor dem Versenden mit dem Frachter erzeugt worden.“

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Ein zweites Indiz: Die Archäologen unterzogen Proben einiger Elefantenstoßzähne und Harzreste aus der Schiffsfracht einer modernen Radiokarbondatierung. „Als wir die Ergebnisse bekamen, stellte sich heraus, dass diese Proben ebenfalls älter waren als bisher gedacht – ein spannendes Ergebnis“, sagt Niziolek. Demnach waren diese Relikte bereits rund 800 Jahre alt und damit rund 100 Jahre älter als angenommen.

Seehandel statt Seidenstraße

Die neue Datierung rückt diesen Frachter in eine besonders spannende geschichtliche Periode, wie die Forscher erklären. Denn für Chinas Handel bahnte sich damals ein Umbruch an: „In dieser Zeit wurden die chinesischen Händler aktiver im Seehandel und verließen sich mehr und mehr auf die Überseerouten, statt wie bisher auf den Landtransport über die Seidenstraße“, erklärt Niziolek.

Der Grund dafür: Die in Südchina herrschende Song-Dynastie wurde von vielen landbasierten Fernhandelsrouten abgeschnitten, als in Nordchina die Jin-Dynastie an die Macht kam. Um diese Blockade zu umgehen, verstärkte Südchina ihren Seehandel. Das in der Javasee gesunkene Frachtschiff gehörte demnach wahrscheinlich zu der damals neu heranwachsenden Handelsflotte Südchinas. „Das Wrack ist ein Zeugnis dieser wichtigen Übergangszeit“, erklären die Archäologen. (Journal of Archaeological Science: Reports, 2018)

(Field Museum, 18.05.2018 – NPO)

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