Knapp 30 Prozent der großen Legehennenbetriebe mit Keimen infiziert Salmonellenflut bei Legehennen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Knapp 30 Prozent der großen Legehennenbetriebe mit Keimen infiziert

Salmonellenflut bei Legehennen

Die Salmonellose ist die zweithäufigste Lebensmittelinfektion in Deutschland. Allein im vergangenen Jahr steckten sich bundesweit rund 52.000 Personen mit dieser Krankheit an, die mit Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen sowie manchmal Fieber einhergeht. Eine bedeutende Infektionsquelle sind Eier, die von infizierten Legehennen mit Salmonellen kontaminiert und vor dem Verzehr nicht ausreichend erhitzt wurden. Nun kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass in circa 30 Prozent der großen deutschen Legehennenbetriebe die gefährlichen Erreger vorkommen. Zum Vergleich: In den skandinavischen Ländern liegt die Quote unter einem Prozent, in einigen osteuropäischen Ländern hingegen bei 65 Prozent und darüber.

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Sommerzeit ist Salmonellenzeit: Die Keime lieben die Wärme. Einmal vorhanden, können sie sich jetzt explosionsartig vermehren und krank machen. Meist sind die Krankheitsverläufe leicht, es gibt aber auch schwere, typhusartige Fälle. Häufigste Infektionsquelle sind kontaminierte Lebensmittel und hier besonders Eier und daraus hergestellte Speisen. Infizierte Legehennen übertragen die Salmonellen in und auf die Eier.

Betriebsgröße und Haltungsform entscheidend

Wie viele Betriebe tatsächlich von den Erregern betroffen sind, sollte eine einjährige Pilotstudie klären, die im Auftrag der Europäischen Kommission in 25 europäischen Ländern durchgeführt und nun von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ausgewertet wurde. Nach ersten Auswertungen scheint ein Zusammenhang zwischen Salmonellenbelastung, Betriebsgröße und Haltungsform zu bestehen: Größere Betriebe mit mehr als 3000 Legehennen und Tiere in Käfighaltung waren häufiger betroffen als kleinere Betriebe und solche mit Boden-, Volieren- oder Freilaufhaltung. Betriebe mit weniger als 1000 Tieren wurden nicht untersucht.

Mit positiven Befunden in 29 Prozent der großen Legehennenbetriebe liegt Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt von 31 Prozent. Betrachtet man nur die für den Menschen gefährlichsten Salmonellentypen S. Enteritidis und S. Typhimurium, liegt Deutschland knapp darüber. Bislang war man von Größenordnungen im einstelligen Prozentbereich ausgegangen. Diese Zahlen basierten auf freiwilligen Probeneinsendungen an die amtlichen Untersuchungseinrichtungen und waren daher nicht repräsentativ.

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"Die Zahl der Salmonellen-Infektionen ist insgesamt rückläufig", so der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Professor Andreas Hensel. "Die Ergebnisse der Pilotstudie zeigen aber, dass wir uns auf diesem Erfolg nicht ausruhen können. Das Vorkommen von Salmonellen bei Legehennen muss weiter reduziert werden, um den Verbraucher noch besser zu schützen."

Unterschiedliche Erreger

Die Daten der Pilotstudie wurden von der amtlichen Überwachung der Bundesländer bei insgesamt 563 ausgewählten Herden anhand intensiver Untersuchung von Kot- und Staubproben aus jeder Herde flächendeckend und repräsentativ erhoben, und auch Salmonellenfunde in der Tierumgebung wurden in die Bewertung einbezogen. Positive Befunde wurden im Nationalen Referenzlabor für Salmonellen des BfR experimentell bestätigt. Sie zeigen, dass bei Legehennen der beim Menschen häufigste Salmonellentyp S.Enteritidis vorherrscht, während die ebenfalls humanpathogene S. Typhimurium- Variante nur in zwei Prozent der Herden nachgewiesen wurde.

Schon in den neunziger Jahren hatten Untersuchungen darauf hingedeutet, dass S. Enteritidis bei Legehennen ein Problem sein könnte. In Deutschland wurde daraufhin eine Pflichtimpfung für Legehennen eingeführt. Der kontinuierliche Rückgang der gemeldeten Salmonellose-Fälle des Menschen, um rund ein Drittel allein seit 2001, wurde als Erfolg dieser Impfung gewertet. Die Ergebnisse der Studie machen aber auch deutlich, dass weitere Anstrengungen erforderlich sind, um den Verbraucher noch besser zu schützen. Künftig sollen Herden deshalb in Deutschland regelmäßig amtlich untersucht und bei positiven Befunden gezielte Maßnahmen ergriffen werden.

Denkbar sind beispielsweise Einschränkungen im Hinblick auf die Verwendung der Eier. Mit diesen und weiteren Maßnahmen soll das Risiko für den Verbraucher weiter gesenkt werden. Gleichzeitig wird damit der Vorgabe der Europäischen Kommission Rechnung getragen, die für Deutschland eine Reduktion der Zahl Salmonellen belasteter Bestände um 30 Prozent bis Ende 2008 vorsieht.

Der Verbraucher kann sich vor einer Salmonellen-Infektion durch Eier leicht schützen, indem er Eier immer kühl lagert, möglichst frisch verwendet und nur hart gekocht verzehrt, daraus hergestellte Speisen ausreichend erhitzt und eine Kontamination anderer Lebensmittel oder Gegenstände vermeidet.

(Bundesinstitut für Risikobewertung, 30.06.2006 – AHE)

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