Hitzewelle fördert schädliche Algenblüten, Bakterienvermehrung und "Todeszonen" Rekordtemperaturen in Nord- und Ostsee - scinexx | Das Wissensmagazin
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Hitzewelle fördert schädliche Algenblüten, Bakterienvermehrung und "Todeszonen"

Rekordtemperaturen in Nord- und Ostsee

Ganz schön warm: An der Ostseeküste herrschen aktuell Bedingungen wie am Mittelmeer. © Mije_shots/ istock

Aufgeheizt: Die Temperaturen von Nord- und Ostsee haben im Juli Spitzenwerte erreicht. Wie aktuelle Daten zeigen, stellte die Ostsee mit einer mittleren Oberflächentemperatur von 20 Grad Celsius sogar einen neuen Rekord auf. Was Touristen an unseren Küsten eine Mittelmeeratmosphäre beschert, kann allerdings problematisch werden. Denn die Hitze kurbelt die Verbreitung gesundheitsschädlicher Mikroorganismen an und fördert die Entstehung sogenannter Todeszonen.

Tropische Temperaturen und Sonne ohne Ende: Europa erlebt seit Wochen eine außergewöhnliche Hitzewelle. Viele Bäche, Flüsse und Seen bringt dieses extreme Wetter bereits spürbar an ihre Belastungsgrenzen – und auch unsere Meere lässt die Hitze alles andere als kalt.

Wie im Mittelmeer

Wie Daten des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie nun zeigen, haben die Oberflächentemperaturen von Nord- und Ostsee im Juli Spitzenwerte erreicht. Demnach erreichte die Nordsee mit 16,3 Grad Celsius die zweithöchste mittlere Temperatur seit 50 Jahren und blieb nur 0,1 Grad hinter der Rekordtemperatur vom Juli 2014 zurück.

Noch stärker aufgeheizt ist die Ostsee. Das Binnenmeer erwärmte sich im Mittel auf 20 Grad Celsius – ein neuer Rekord. Seine Oberflächentemperatur lag den Messungen zufolge 0,5 Grad über der letzten Höchsttemperatur im Juli 2014 und außerdem um 2,8 Grad über dem Langzeitmittel der letzten dreißig Jahre. Damit ist die Ostsee inzwischen fast schon so warm wie das Mittelmeer.

Entwicklung der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee seit 1969 © Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie

Algenblüte und Sauerstoffmangel

Das Problematische daran: Solche Wassertemperaturen können die dort etablierten Ökosysteme empfindlich aus dem Gleichgewicht bringen. Unter anderem wird unter diesen Bedingungen das Wachstum von Blaualgen und anderen Bakterien angekurbelt. Die Mikroorganismen sind potenziell gesundheitsschädlich und haben bereits zur Sperrung einiger Strände geführt.

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Hinzu kommt, dass die exzessive Ausbreitung von Cyanobakterien und Co zur Entstehung sogenannter Todeszonen beiträgt. In solchen Gebieten mit extremem Sauerstoffmangel ist höheres marines Leben kaum noch möglich. Durch den Klimawandel und die Überdüngung des Wassers breiten sich „tote Zonen“ in der Ostsee bereits seit einigen Jahrzehnten immer weiter aus.

Keine Abkühlung in Sicht

Eine Besserung der aktuellen Situation ist für die Nord- und Ostsee erst einmal nicht in Sicht. Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass sich die extremen Temperaturbedingungen im Laufe des Augusts weiter verschärfen werden. Denn erst wenn im Herbst die Sturmsaison beginnt, kann sich das aufgeheizte Oberflächenwasser mit kühlerem Tiefenwasser vermischen.

(Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, 06.08.2018 – DAL)

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