Das "Tier" aus der Offenbarung könnte für den römischen Kaiser Trajan stehen Rätsel der biblischen Zahl 666 gelöst? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Das "Tier" aus der Offenbarung könnte für den römischen Kaiser Trajan stehen

Rätsel der biblischen Zahl 666 gelöst?

Im Buch der Offenbarung der Bibel taucht ein "Tier" auf, dessen Zahl 666 sein soll. © Vukkostic/ thinkstock

Wer steckt hinter dem in der biblischen Offenbarung beschriebenen „Tier“ und seiner Zahl 666? Wiener Forscher haben nun das antike Zahlenspiel enträtselt und herausgefunden, welche reale Person damals mit diesem Symbol des Bösen gemeint sein könnte: der römische Kaiser Trajan. Denn die Zahlenwerte der Buchstaben seines Familiennamens ergeben zusammengerechnet 666 – und damit die Zahl des Tieres.

Das Buch der Offenbarung ist der wahrscheinlich rätselhafteste Teil der Bibel. Der Autor beschreibt hier Ereignisse, die die Apokalypse ankündigen sollen. Im Kapitel 13 wird ein ebenso geheimnisvolles wie furchterregendes „Tier“ beschrieben, dem der für den Teufel stehende „Drache“ große Macht verliehen hat und dessen Bild alle Menschen anbeten müssen. Und weiter heißt es: „Hier ist die Weisheit. Wer Verstand hat, berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist 666.“

Verschlüsselter Name

Was oder vielmehr wer mit dieser Zahl gemeint ist, darüber rätseln Historiker schon seit langem. Konsens ist jedoch, dass es sich um ein in der Antike verbreitetes Zahlenspiel handeln muss. Diese sogenannten isopsephischen Rätsel beruhen darauf, dass jeder Buchstabe des griechischen Alphabets zugleich einen Zahlenwert hat. Durch Addition der Zahlwerte, aus denen ein Name besteht, ergibt sich eine Summe, aus der Eingeweihte den ursprünglichen Namen erschließen konnten.

Antikes Graffiti aus Ephesos mit dem für damalige Zeit typischen Zahlenspiel: 865 steht darin für den Namen "Klodia!". © Nicholas Gail/ Österreichisches Archäologisches Institut

Wer aber steckt hinter der Zahl 666? „Der Kontext legt nahe, dass es sich um einen römischen Kaiser handeln dürfte“, erklärt Hans Taeuber vom Institut für Alte Geschichte der Universität Wien. Doch ohne den genauen zeitgeschichtlichen Bezug zu kennen, ist es extrem schwer, diese Zahlenspiele zu entschlüsseln. Während Zeitgenossen damals vermutlich sofort wussten, worauf diese Zahl anspielt, tappen heutige Forscher im Dunkeln.

Computerprogramm als Rätselknacker

Diana Altmann von der Universität Wien hat daher digitale Technik genutzt, um das Rätsel zu knacken. Sie entwickelte ein Computerprogramm, mit dessen Hilfe die Zahlenwerte aller in Kleinasien nachgewiesenen Personennamen berechnet werden können. „Damit ist es uns nun möglich, zu jeder ‚Rätselzahl‘ eine Liste antiker Personennamen zu erstellen, auf die die betreffende Quersumme zutrifft“, erklärt Taeuber.

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Als die Forscher die biblische Zahl „666“ ins Programm eingaben, erhielten sie ein unerwartetes Ergebnis: Zum Zahlenwert passt demnach am besten der Name Ulpius – der Familienname des römischen Kaisers Marcus Ulpius Trajan, der von 98-117 nach Christus regierte. Erstaunlich ist dies deshalb, weil die Zahl bisher zwar durchaus mit römischen Kaisern wie Nero, Domitian oder Hadrian verknüpft wurde, nie aber mit Trajan.

Der römische Kaiser Trajan - er könnte mit dem Tier der Apokalypse gemeint gewesen sein. © gemeinfrei

Kaiser Trajan als das „Tier“

Einer der Gründe: Von Trajan sind im Gegensatz zu Nero keine systematischen Christenverfolgungen bekannt, er sprach sich sogar in einem Brief dagegen aus, Christen aufzuspüren. Zudem hielt man das Sigma am Ende von „Ulpius“ bisher für den Zahlenwert 200 und damit würde die Gesamtsumme zu hoch, um auf 666 zu passen. Doch wie Taeuber herausfand, kann das Sigma auch für die Zahl 6 stehen – und dann kommt man auf den Familiennamen Trajans.

Nach Ansicht der Forscher ist Kaiser Trajan ist als „Untier“ der Apokalypse durchaus plausibel. Denn er verfolgte die Christen zwar nicht aktiv, befahl aber, diese zu töten, wenn sie sich weigerten, den heidnischen Göttern zu opfern und dem Kaiserkult zu huldigen. Zudem verkörperte er für die frommen Christen die Kultur und die Sitten Roms, das in ihren Augen geradezu als Ausbund aller satanischer Laster und als Hort des Bösen schlechthin galt.

„Sitz des Satans“

Nach Angaben der Forscher deutet zudem einiges darauf hin, dass die Offenbarung in trajanischer Zeit geschrieben wurde: Im Sendschreiben an die christliche Gemeinde in Pergamon bezeichnet der Autor diese Stadt zweimal als „Sitz des Satans“. Gerade in dieser Zeit, um 110 nach Christus, wurde dort ein großer Kaiserkulttempel, das sogenannte „Traianeum“, errichtet.

Dem Autor der Apokalypse musste dieses Bauwerk als gotteslästerlich erscheinen und könnte ihn daher zu dieser Bezeichnung bewegt haben. Das als letzter Teil des Neuen Testaments entstandene Werk wäre demnach in die letzten Regierungsjahre Trajans zu datieren und damit etwa zwei Jahrzehnte jünger als bisher allgemein angenommen.

(Universität Wien, 12.04.2016 – NPO)

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