Pflanzenfressender Nigersaurus hatte eine Staubsaugerschnauze und Haifischzähne Quasimodo unter den Dinos enthüllt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Pflanzenfressender Nigersaurus hatte eine Staubsaugerschnauze und Haifischzähne

Quasimodo unter den Dinos enthüllt

Nigersaurus taqueti - Skelett und Rekonstruktion © Tyler Keillor/ Mike Hettwer, courtesy of Project Exploration, National Geographic

Er hat ein Maul wie ein Staubsauger, hunderte von winzigen scharfen Zähnen, papierdünne Schädel- und Wirbelknochen und ist 110 Millionen Jahre alt – der Nigersaurus taqueti. Neue Details über diesen anatomisch extrem bizarren Dinosaurier und seinen Lebenswandel wurden jetzt von amerikanischen Wissenschaftlern enthüllt.

Paul Sereno, Paläontologe der Universität von Chicago und seine Kollegen entdecken die fossilen Relikte des Dinosauriers 1997 auf einer Expedition in der Sahara auf dem Gebiet des Niger. Seither gelang es ihnen, rund 80 Prozent des Skeletts zu bergen. Die ersten Funde eines Nigersaurus machten bereits in den 1950er Jahren französische Paläontologen, doch da es sich nur um vereinzelte Knochen handelte, konnte nur wenig über die Tiere in Erfahrung gebracht werden, die Art wurde daher damals noch nicht einmal benannt.

Anatomisches „Sondermodell“

Inzwischen allerdings, dank des nahezu vollständigen Skeletts, ist klar, dass Nigersaurus taqueti ein anatomisch extrem seltsames Wesen gewesen sein muss: Als jüngerer Cousin des Diplodocus maß der Pflanzenfresser nur rund neun Meter vom Kopf bis zum Schwanz. Sein plumper, elefantengroßer Rumpf wurde von einem extrem kleinen und leichten Schädel gekrönt. Kaum dazu fähig, seinen Kopf über Schulterhöhe zu bringen, glich er mehr einer mesozoischen Kuh als einem giraffenähnlichen Reptil.

Der bizarrste Teil des Dinosauriers aber war seine breite, unten gerade abschließende Schnauze, die perfekt an das Abweiden der niedrigen Pflanzendecke angepasst war. Wie Sereno und seine Koautoren in der Fachzeitschrift „PLOSOne“ berichten, könnte eine solche Schnauze die meisten Diplodocoiden charakterisieren. „Einige dieser ungewöhnlichen Sauropoden entwickelten sich zu den dominierenden Weidegängern des Mesozoikums“, erklärt Jeffrey Wilson, Assistenzprofessor der Universität von Michigan.

50 Zahnreihen mit hunderten von Ersatzzähnen

Im Gegensatz zu allen anderen Pflanzenfressern besaß Nigersaurus nicht nur ein paar kräftige Mahlzähne, sondern 50 Reihen von rasiermesserscharfen Zähnen, alle eng beieinander entlang der Vorderseite seines Kiefers aufgereiht. Sie bildeten im Prinzip eine scharfe, 30 Zentimeter lange Schere.

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Nigersaurus taqueti - Künstlerische Darstellung © Todd Marshall, courtesy of Project Exploration, National Geographic

Eine Computertomographie der Schädelknochen enthüllte, dass hinter jedem Schneidezahn bis zu neun Ersatzzähne auf ihren Einsatz warteten – ähnlich wie bei den modernen Haien. Fiel einer aus, rückte dieser Ersatz direkt an seine Stelle. Insgesamt kam der Nigersaurus damit auf mehr als 500 Zähne, jeden Monat wuchs jede Reihe um einen Zahn an. „Unter den Dinosauriern hat Nigersaurus damit eindeutig den Guiness-Rekord für Zahnersatz“, so Sereno.

Senkrechter Kopf und papierdünne Wirbel

Der CT-Scan gab den Forschern auch die Bestätigung dafür, dass der Dinosaurier seinen Kopf samt Schnauze üblicherweise tatsächlich senkrecht zu Boden gerichtet hielt. Die Ausrichtung winziger Kanäle im Gleichgewichtsorgan verriet dies. “Was wir hier haben ist der erste genaue Blick in ein Sauropodengehirn“, erklärt Lawrence Witmer, Professor der Universität von Ohio, der die Scans durchführte. „Er erzählt uns wichtige Dinge über die Haltung und das Verhalten dieses Tieres.“

Doch der Kiefer war bei weitem nicht das einzige bizarre Merkmal des Nigersaurus. Die Untersuchung der Knochen enthüllte, dass das große Tier erstaunlicherweise eine Wirbelsäule hatte, die fast mehr aus Luft als auch Knochen bestand. „Die Wirbel sind so papierdünn, dass es schwer ist sich vorzustellen, wie sie mit den Belastungen des täglichen Gebrauchs fertig wurden“, so Wilson. „Aber wir wissen, dass ihnen das gelang – und zwar gut.“

(Public Library of Science, 16.11.2007 – NPO)

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