Schwindendes Ozonloch schwächt polaren Wirbel Ozonerholung erwärmt Antarktis - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schwindendes Ozonloch schwächt polaren Wirbel

Ozonerholung erwärmt Antarktis

Ozonloch über der Antarktis (2006) © NASA/GSFC/OMI

Wenn sich das Ozonloch über dem Südpol schließt, ist dies auf den ersten Blick positiv. Doch für das Klima der Südhalbkugel könnte dies negative Folgen haben. Wie Forscher in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters” berichten, könnte es sogar die Erwärmung der Antarktis weiter vorantreiben.

Während die Temperaturen weltweit allmählich ansteigen, ist das Innere der Antarktis bisher sogar eher abgekühlt. Ursache dieses vor allem im südlichen Sommer und Herbst wirksamen Kühlungseffekts ist der Ozonschwund über der Region. Seit Jahrzenten liegt über dem Südpol ein Ozonloch, das alljährlich im Frühjahr der Südhalbkugel seine größte Ausdehnung erreicht. Da die Ozon zerstörenden Treibgase inzwischen verboten sind, erholt sich die Ozonschicht langsam wieder. Das Ozonloch schrumpft. Welche Folgen aber hat das für das Klima in der Region?

Wissenschaftler der Universität von Colorado in Boulder, der NASA und der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) um Judith Perlwitz haben dies nun genauer untersucht. Sie modellierten die Interaktionen zwischen Klima und den chemischen Prozessen in der Ozonschicht um herauszufinden, wie sich zukünftig Wetter und Klima über der Antarktis entwickeln werden.

Ozonerholung schwächt polaren Wirbel

Das Ergebnis: Wenn sich die Ozonschicht gegen Ende des 21. Jahrhunderts soweit erholt hat, dass die Ozonkonzentration wieder auf die Werte von vor 1969 ansteigt, werden sich die großräumigen Zirkulationsmuster über der Antarktis deutlich ändern. Der polare Wirbel, der heute das kühle Innere der Antarktis vor den wärmeren Luftmassen aus dem Norden abschirmt, wird sich im Sommer abschwächen oder sogar komplett abbrechen.

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Die Ursache dafür liegt in der unteren Stratosphäre. Nimmt das Ozon in dieser Atmosphärenschicht wieder zu, absorbiert es mehr ultraviolette Strahlung von der Sonne. Dadurch heizt sich die Luft in ungefähr zehn bis 20 Kilometer Höhe um bis zu acht Grad auf. Dies wiederum schwächt das normalerweise starke Nord-Süd-Gefälle der Lufttemperaturen ab, das die starken westwärts um den Pol wehenden Winde am Leben hält.

Auswirkungen auch auf Australien und Südamerika

„Es scheint, dass der durch das Ozonloch bedingte Klimawandel in der Vergangenheit sehr schnell stattfand, über nur 20 bis 30 Jahre hinweg“, erklärt Steven Pawson vom Goddard Space Flight Center der NASA. „Diese saisonalen Veränderungen werden sich allerdings etwas langsamer wieder zurückentwickeln, da es länger braucht, um die Atmosphäre von den Ozon zerstörenden Gasen wieder zu reinigen als sie anzureichern.“

Die klimatischen Veränderungen, die möglicherweise bis Ende des Jahrhunderts eintreten, wirken sich nicht nur auf die Antarktis, sondern auch auf Australien und Südamerika aus. In Australien könnte es wärmer und trockener werden, in Südamerika dagegen deutlich feuchter. Ob und wie stark diese Veränderungen tatsächlich eintreten werden, hängt aber auch von der Entwicklung des Klimawandels und der weltweiten Treibhausgasemissionen ab.

„Bei unseren Simulationen gingen wir davon aus, dass Treibhausgase wie Kohlendioxid sich in den nächsten 40 Jahren zunächst verdoppeln werden, ihre Emissionen aber allmählich abflauen“, so Perlwitz. „Wenn menschliche Aktivitäten zu einem noch rapideren oder länger anhaltenden Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen führen, dann könnte dies die Effekte der Ozonerholung wieder teilweise aufheben.“

(University of Colorado at Boulder, 25.04.2008 – NPO)

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