Unerwartete Herkunft des Kupfers wirft neues Licht auf jungsteinzeitlichen Fernhandel Ötzis Beilklinge stammte aus der Toskana - scinexx | Das Wissensmagazin
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Unerwartete Herkunft des Kupfers wirft neues Licht auf jungsteinzeitlichen Fernhandel

Ötzis Beilklinge stammte aus der Toskana

Das gut 5.000 Jahre alte Kupferbeil von Ötzi, der Gletschermumie. © Südtiroler Archäologiemuseum

Überraschende Fernverbindung: Das Kupfer von Ötzis Beilklinge stammt aus unerwarteter Quelle. Denn es wurde in der Toskana gewonnen und verarbeitet, wie Analysen belegen. Unerwartet ist dies, weil es auch im Alpenraum und auf dem Balkan reichlich Kupferabbau gab, weshalb Archäologen bisher von einem lokalen Ursprung ausgingen. Warum Ötzi das Kupfer oder sogar die fertige Klinge aus Mittelitalien bezog, ist bisher rätselhaft.

Auch mehr als 25 Jahre nach ihrem Fund liefert die Gletschermumie Ötzi immer neue Einblicke in das Leben und die Welt dieses Mannes aus der Kupferzeit. Seine Kleidung, Ausrüstung, Gene und sogar sein Blut verraten unter anderem, dass Ötzi aus dem südlichen Alpenraum stammte, einen hohen Rang bekleidete und höchstwahrscheinlich gewaltsam starb. Der Mann aus dem Eis vertrug zudem keine Milch, hatte schlechte Zähne und litt wahrscheinlich unter einem Magengeschwür.

Woher stammt das Kupferbeil?

Eine weitere Information liefert nun das Kupferbeil, das bei der Gletschermumie gefunden wurde. Es blieb mitsamt Holzgriff und Lederschnüren erhalten, wodurch sein Alter mittels Radiokarbondatierung auf etwa 5.000 bis 5.350 Jahre datiert werden konnte. Damit ist dies das weltweit älteste komplett erhaltene Beil der Jungsteinzeit. Frühere Studien hatten zudem bereits gezeigt, dass die Beilklinge gegossen und nicht geschmiedet wurde.

Woher jedoch das Kupfer für die Klinge stammt, haben erst jetzt Gilberto Artioli von der Universität Padua und seine Kollegen aufgeklärt. Sie hatten dafür eine winzige Probe des Metalls entnommen und mittels unter anderem mittels Massenspektrometrie auf seine chemische Zusammensetzung analysiert.

Die Beilklinge aus Kupfer in Nahansicht © Artioli et al./PLOS ONE, CC-by-sa 4.0

Toskana statt Alpen

Das überraschende Ergebnis: Das Kupfer stammt weder aus dem Alpenraum noch vom Balkan, was man bisher angenommen hatte. Stattdessen muss das Kupfererz in der Toskana gewonnen und verarbeitet worden sein, wie die Forscher anhand der Isotopensignatur des Metalls herausfanden. „Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass die Quelle des Metalls das erzreiche Gebiet der Südtoskana ist“, berichten Artioli und seine Kollegen.

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Wie die Forscher erklären, passt dies relativ gut zu jüngsten archäologischen Funden in der Toskana. Denn dort hatten Archäologen Überreste von Kupferschlacken und Kupferschmelzen entdeckt, die aus der Zeit um 3400 bis 3100 vor Christus stammen – und damit etwa aus der Zeit, in der der Eismann lebte. Offenbar gab es demnach dort während seiner Zeit ein bedeutendes Zentrum der Metallverarbeitung.

Neues Sicht auf Handelsverbindungen

Obwohl es damals im Alpenraum reichliche Erzvorkommen gab, die auch intensiv genutzt wurden, wurde das Kupfer für Ötzis Beil offensichtlich nicht lokal gewonnen, sondern importiert. Diese enge Verbindung von Mittelitalien mit den Alpen sei unerwartet, so die Archäologen: „Dies liefert eine ganz neue Sicht des Austauschs von Gütern und der Beziehungen über weite Entfernungen hinweg in diesen frühen Kupferzeit-Kulturen.“

„Damit erscheint die Klinge des Eismannes in einem völlig neuen Licht“, konstatieren die Wissenschaftler. Unklar ist allerdings noch, in welcher Form das Kupfer von Ötzis Beil von der Toskana in die Alpen gelangte: Denkbar wäre, dass das Metall als Rohmaterial, beispielsweise als Kupferbarren eintauscht oder erhandelt wurde. Möglich wäre aber auch, dass Ötzi oder jemand anderes in seinem Umfeld die fertige Beilklinge erwarb.

Die Archäologen hoffen, diese Frage in weiteren Forschungen zur jungsteinzeitlichen Metallverarbeitung in Mittelitalien und den Alpen klären zu können. (PLoS ONE, 2017; doi: 10.1371/journal.pone.0179263)

(Südtiroler Archäologiemuseum, 07.07.2017 – NPO)

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