50.000 Jahre alte Relikte von dekorierten Muschelketten und Körperbemalung entdeckt Neandertaler nutzten Schmuck und Schminke - scinexx | Das Wissensmagazin
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50.000 Jahre alte Relikte von dekorierten Muschelketten und Körperbemalung entdeckt

Neandertaler nutzten Schmuck und Schminke

Muschelschalen © University of Bristol

Neandertaler waren – entgegen bisheriger Ansicht – offenbar durchaus fähig zu symbolischem und abstraktem Denken. Das belegen die ersten Schmuckstücke und Schminkereste, die eindeutig den Eiszeitmenschen zugeordnet werden können. Die 50.000 Jahre alten in Spanien entdeckten Artefakte zeigen, dass die Neandertaler rituelle Körperbemalungen und Schmuck nutzten, etwas, was bisher nur den modernen Menschen zugeschrieben worden war.

Lange Zeit galt der Neandertaler als unfähig zu abstraktem und symbolischem Denken. Schmuck oder religiöse Bräuche soll seine Kultur noch nicht gekannt haben. Zwar wurden im französischen Châtelperron 40.000 Jahre alte durchbohrte und dekorierte Knochen gefunden, doch zu dieser Zeit gab es dort auch schon moderne Menschen. Viele Forscher interpretierten diese Artefakte daher als Hinterlassenschaften des Homo sapiens, die von Neandertalern mit genutzt wurden, oder aber als krude Nachahmung, ohne dass die Neandertaler den dahinterstehenden Sinn und die verknüpften Verhaltensweisen verstanden hätten.

50.000 Jahre alter Muschelschmuck

Jetzt aber könnte sich dieses Bild des vermeintlich „primitiven“ Frühmenschen ändern. Denn Wissenschaftler der Universität von Bristol entdeckten an zwei Fundorten im südöstlichen Spanien, Cueva de los Aviones und Cueva Antón, verschiedene perforierte und pigmentgefärbte Muschelschalen, die höchstwahrscheinlich als Halsketten getragen worden waren. Die an der Universität von Oxford durchgeführte Radiokarbon-Datierung der Schalen wies ihnen ein Alter von 50.000 Jahren zu.

„Dies ist der erste sichere Beleg für ein von Symbolismus geprägtes Verhalten der Neandertaler – und dies vor 50.000 Jahren, zehn Jahrtausenden bevor die modernen Menschen in Europa ankamen“, erklärt Professor João Zilhão von der Universität von Bristol. Die Schalen sind damit die ältesten Belege für Schmuck in der Neandertalter-Kultur in Europa. Die meisten von ihnen stammen von der Muschel Spondylus gaederopus, einer leuchtend rot oder violett gefärbten, reich skulpturierten Art, die deshalb in vielen Kulturen weltweit symbolische und rituelle Bedeutung hatte.

Pigmente für Körperbemalung

Eine der in Cueva Antón gefundenen Schalen enthält Reste einer rötlichen Masse, die aus den Mineralien Pyrit, Hämatit und Lepidokrit zusammengemischt war. Frisch hat diese Farbe ein tiefes, brillantes Schwarz. Nach Ansicht der Forscher könnte dieses Pigment von den Neandertalern für kosmetische oder rituelle Zwecke angerührt und genutzt worden sein. In Cueva de los Aviones entdeckten die Wissenschaftler Reste eines gelblichen Pigments aus einem Eisenmineral, das später auch von den alten Ägyptern als Schminke benutzt wurde. Vermutlich wurde es einst in einem Säckchen aus Haut oder anderem nicht konservierten organischem Material aufbewahrt.

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Neandertalerkultur der des modernen Menschen ebenbürtig

„Die Belege von den spanischen Fundorten beseitigen auch die letzten Zweifel an der Modernität und Kognition der letzten Neandertaler“, so Zilhão. „Sie zeigen zudem, dass es keinen Grund gibt, die Neandertaler als Urheber auch der symbolischen Artefakte der Châtelperron-Kultur in Frage zu stellen.“ Nach Ansicht des Wissenschaftlers hatten zum Zeitpunkt der Begegnung zwischen modernem Menschen und Neandertalern in Europa vor rund 45.000 Jahren beide Menschenarten gleiche Stufen der kulturellen Entwicklung erreicht. Die Vorstellung des kulturell und geistig unterlegenen Neandertalers müsse revidiert werden.

(University of Bristol, 14.01.2010 – NPO)

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