Meereswissenschaftler wollen Prozesse im Meeresboden besser verstehen Methanquellen in Neuseelands Tiefsee im Visier - scinexx | Das Wissensmagazin
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Meereswissenschaftler wollen Prozesse im Meeresboden besser verstehen

Methanquellen in Neuseelands Tiefsee im Visier

Das deutsche Forschungsschiff Sonne © Peter Linke / IFM-GEOMAR

Kieler Geophysiker untersuchen auf einer neuen Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff „Sonne“ natürliche Methanquellen in der Tiefsee vor Neuseelands Ostküste. Die genauere Kenntnis dieser so genannten „cold seeps“ ermöglicht den Forschern Aussagen über Prozesse im Meeresboden, über mögliche Rohstoffvorkommen, aber auch über Zusammenhänge von Rutschungen und Gashydraten.

Es blubbert und brodelt im Meer vor Neuseeland. An den Kontinentalhängen, die fast unmittelbar vor der Ostküste der Nordinsel auf bis zu 3.000 Meter Tiefe abfallen, liegen zahlreiche Quellen, an denen freies Methangas als Blasenstrom aus dem Meeresboden quillt. Da unterhalb des Meeresbodens auch Gashydrate, also feste Methan-Wasser-Verbindungen, liegen, scheint das nicht verwunderlich.

„cold seeps“ im Visier der Forscher

Doch längst nicht an allen Gashydrat-führenden Kontinentalhängen gibt es diese „cold seeps“. Am Rande des neuseeländischen Hikurangi Tiefseegrabens zeigen die Methanquellen zudem den Wissenschaftlern zufolge eine sehr große Bandbreite unterschiedlicher Erscheinungsformen und unterschiedlichen Verhaltens.

„Diese Variabilitäten wollen wir genauer untersuchen, denn sie können uns mehr darüber verraten, wie und warum Methanquellen am Meeresboden entstehen“, sagt Jörg Bialas vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und Leiter, der von Anfang März bis Ende April 2011 dauernden Expedition.

Meeresboden in 3D

Während der Fahrt untersuchen die Wissenschaftler an Bord der Sonne den Meeresboden und die dortigen Methanquellen mit geochemischen und geophysikalischen Methoden. Darunter sind neu entwickelte Techniken, die dreidimensionale Darstellungen vom Inneren des Meeresbodens ermöglichen.

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„Wir kennen diese seeps bereits von einer Expedition 2007 und konnten vielfältige Unterschiede beschreiben“, sagt Bialas, „jetzt wollen wir mit neuen Daten erklären, wodurch diese Unterschiede verursacht werden“.

Das Arbeitsgebiet des Expedition SO214 vor der Nordinsel Neuseelands. © IFM-GEOMAR

Tektonische Vorgänge beeinflussen seeps

Neben den kurzzeitigen Messungen während der Forschungsfahrt wird der Vergleich mit den früheren Fahrten Anhaltspunkte für langfristige Veränderungen bieten. Entlang des Hikurangi Grabens sind seeps unter anderem von tektonischen Vorgängen beeinflusst, denn hier schiebt sich die pazifische Erdplatte unter die australische. Eine Folge dieser Bewegung sind auch die starken Erdbeben, die Ende Februar besonders die Stadt Christchurch auf der Südinsel getroffen haben.

Die Untersuchungen der Methanquellen stehen aber mit diesen Vorgängen nicht in Zusammenhang. Während die Gashydrate, die im Focus der Kieler Forscher sind, nur wenige hundert Meter unter dem Meeresboden liegen, haben sich die tektonischen Spannungen der Erdbeben in vielen Kilometern Tiefe aufgebaut.

seeps verraten mehr über den Aufbau der Sedimente

„Die seeps verraten uns aber mehr über den Aufbau der Sedimente am Meeresboden und die Prozesse darin. Das könnte auch Rückschlüsse auf Gefahren wie Hangrutschungen zulassen“, sagt Bialas.

Neben Forschern aus Kiel sind auch Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), des Niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ, Texel) und des neuseeländischen Institute of Geological and Nuclear Sciences (GNS, Lower Hutt) an dem Projekt beteiligt.

(Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, 09.03.2011 – DLO)

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