Projekt untersucht Prozesse und Zusammensetzung der polaren Stratosphärenwolken Messflug in polare Wolken - scinexx | Das Wissensmagazin
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Projekt untersucht Prozesse und Zusammensetzung der polaren Stratosphärenwolken

Messflug in polare Wolken

Polare Stratosphärenwolken © NASA/JPL

Sie bestehen aus gefrorenen Teilchen von Eis und Salpetersäure und bergen noch immer einiges an Geheimnissen: die polare Statosphärenwolken. Weil sie im Schwund der Ozonschicht eine entscheidende Rolle spielen, wird jetzt ein internationales Forscherteam Messflüge direkt an den Ort des Geschehens unternehmen: 20 Kilometer hoch in die Stratosphäre über der Arktis. Die Messungen sollen auch Aufschluss darüber geben, wie der Klimawandel die physikalischen und chemischen Prozesse im Zusammenhang mit der Ozonschicht verändert.

Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) und ein spezieller Wolkentyp sind die entscheidenden Akteure im Ozonabbau der Stratosphäre. Normalerweise wird das Chlor aus den FCKWs in der Atmosphäre zu Substanzen wie Salzsäuredampf und Chlornitrat gebunden, die für die Ozonschicht harmlos sind. Aber in polaren Stratosphärenwolken kann das Chlor ozonzerstörende, aggressive Chlormonoxidradikale (ClO) bilden. Ohne diese ungewöhnlichen, natürlichen Wolken, die nur in der Stratosphäre auftreten und dies nur in der Kälte des polaren Winters der Arktis oder Antarktis, gäbe es daher vermutlich keine Ozonlöcher.

Ein internationales Team von Atmosphärenforschern, darunter auch Stephan Borrmann, Professor am Institut für Physik der Atmosphäre der Universität und einer der Direktoren am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie, will nun herausfinden, wie schnell die Prozesse ablaufen, die zu den winterlichen Ozonlöchern über den Polkappen führen. „Zudem wirkt sich die Erwärmung der Atmosphäre auf Grund des Klimawandels direkt auf die physikalischen und chemischen Prozesse im Zusammenhang mit der Ozonschicht aus, so dass hier neue Forschungsarbeiten dringend nötig sind“, erklärt Borrmann.

Wolken aus Eis und Salpetersäure

Die Wissenschaftler messen mit ihren am Flugzeug befestigten Instrumenten direkt die Eigenschaften der Partikel, aus denen polare Stratosphärenwolken bestehen. Es handelt sich dabei um etwa drei bis 20 Mikrometer große gefrorene Teilchen aus Eis und Salpetersäure. Für die Berechnung des Ozonabbaus und dessen Geschwindigkeit ist wichtig, wie viele solcher Teilchen in diesen Wolken vorkommen und wie groß sie genau sind. Weitere Instrumente der Mainzer Gruppe ermitteln die Eigenschaften ultrafeiner, luftgetragener Aerosolpartikel, die ebenfalls in der Stratosphäre vorkommen und in die Prozesse eingreifen.

Riesenteilchen und Meteoritenstaub

Während der Messflüge, die Mitte Januar begannen und noch bis Mitte März laufen, konnte sogar meteoritischer Staub in der Stratosphäre nachgewiesen werden. Zudem gelang es, erhebliche Datenmengen direkt in den polaren Stratosphärenwolken zu messen. „Überraschend war, dass wir in den Polaren Stratosphärenwolken extrem große Teilchen nachweisen konnten. Diese hatten bis zu 30 Mikrometer Durchmesser und fallen auf Grund ihres Gewichts sehr schnell nach unten. Dadurch

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transportieren sie die in ihnen enthaltenen chemischen Substanzen aus der Stratosphäre irreversibel heraus und intensivieren damit den Ozonabbau“, berichtet Borrmann.

Forscher aus neun Ländern

M55 Geophysica, ehemals ein russisches Spionageflugzeug, ist eines von drei Flugzeugen weltweit, das Flüge in stratosphärische Höhen ermöglicht – und das mit Messgeräten und Instrumenten von rund einer Tonne Gewicht an Bord. Nur so können die Atmosphärenforscher noch fehlende Daten ermitteln, um dem Zusammenspiel von Ozonabbau und Klimawandel auf die Spur zu kommen. An den Messaktionen, die von Kiruna in der nordschwedischen Arktis aus starten, sind Forscher aus neun Ländern beteiligt. Die Kampagne ist Teil des EU-Projekts „RECONCILE“ (reconcilation of essential parameters for an enhanced predictability of arctic stratospheric ozone loss and its climate interactions), das Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich koordinieren.

(Universität Mainz, 19.03.2010 – NPO)

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