Satelliten registrieren längste und anhaltendste je beobachtete Entladungen Mega-Blitz überspannt 700 Kilometer - scinexx | Das Wissensmagazin
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Mega-Blitz überspannt 700 Kilometer

Satelliten registrieren längste und anhaltendste je beobachtete Entladungen

Blitz
Die Weltwetterorganisation WMO meldet zwei neue Rekordblitze - die Mega-Entladungen übertreffen alles bisher Bekannte um gut das Doppelte. © Sjo/ iStock

Entladungen der Superlative: Blitze können größere Distanzen überbrücken als gedacht, wie ein neuer Rekordblitz belegt. Der Weltwetterorganisation WMO zufolge zuckte dieser Mega-Blitz in Brasilien auf und erstreckte sich über 709 Kilometer Länge – mehr als doppelt so weit der zuvor längste bekannte Blitz. Und auch bei der Blitzlänge gibt es einen neuen Rekord: In Argentinien hielt ein Blitz mehr als 16 Sekunden an.

Blitze gehören zu den spektakulärsten Phänomenen unseres Wetters. Mit bis zu einer Milliarde Volt springen die grellleuchtenden Entladungen zwischen Gewitterwolken oder zwischen Wolken und Erdoberfläche über. Innerhalb von Sekundenbruchteilen fließen im Blitzkanal dann Ströme von bis zu 100.000 Ampere, sie heizen die Luft bis auf 30.000 Grad auf. Sogar Antimaterie und energiereiche Gammastrahlen werden bei starken Blitzen frei.

Hotspots und Mega-Blitze

Wo und wie oft Blitze zucken, überwachen Meteorologen heute vor allem vom Weltraum aus: Mehrere Wettersatelliten haben spezielle Blitzsensoren an Bord, die Dauer, Häufigkeit und Länge der irdischen Blitze registrieren. Durch sie weiß man, dass der aktivste Blitz-Hotspot der Erde über einem See in Venezuela liegt – bis zu 65 Mal am Tag blitzt es dort. In Deutschland ist dagegen das Alpenvorland ein Hotspot für Blitze.

Doch die orbitalen Sensoren ermöglichen es auch, die Giganten unter den Blitzen aufzuspüren – Mega-Blitze, die energiereicher, länger und anhaltender sind als normale Entladungen. „Die Verbesserungen unserer weltraumgestützten Sensorkapazitäten erlauben es uns nun, zuvor unbeobachtete Blitzextreme zu detektieren – Mega-Blitze die mehr als 100 Kilometer Länge erreichen“, erklärt Michael Peterson vom Los Alamos National Laboratory.

Auf der Suche nach Mega-Blitzen haben Peterson und sein Team die Blitzdaten von vier Satelliten ausgewertet und prompt neue Rekordhalter entdeckt.

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Zwei neue Rekordblitze

Der längste Blitz der Welt ereignete sich demzufolge am 31. Oktober 2018 über dem Süden Brasiliens. Der Blitz überspannte eine horizontale Distanz von 709,8 Kilometer – das entspricht der Strecke von London nach Basel. Dieser Mega-Blitz war damit mehr als doppelt so lang wie der vorherige Rekordhalter, ein 321 Kilometer langer Blitz, der 2007 über dem US-Bundesstaat Oklahoma aufzuckte.

Ebenfalls einen neuen Rekord gibt es bei der Blitzdauer: Der am längsten anhaltende Blitz dauerte 16,73 Sekunden und ereignete sich am 4. März 2019 über dem Norden Argentiniens. Er übertrifft den bisher längsten Dauerblitz damit ebenfalls um gut das Doppelte. Dieser Vorgänger leuchtete am 30. August 2019 7,74 Sekunden lang über dem Südosten Frankreichs auf, wie Peterson und seine Kollegen berichten.

Das sind die neuen Rekordblitze.© WMO

„Es existieren noch größere Extreme“

„Dies sind außergewöhnliche Rekordwerte für Einzelblitz-Ereignisse. Solche Extreme sind lebende Beispiele dafür, wozu die Natur fähig ist“, sagt Randall Cerveny von der Weltwetterorganisation WMO. „Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sogar noch größere Extreme existieren. Wir werden diese beobachten können, wenn die Blitzsensoren noch besser werden.“

Gleichzeitig unterstreichen solche Mega-Blitze die Gefahr, die selbst von einem vermeintlich noch fernen Gewitter ausgehen kann. Experten empfehlen, sich schon dann in Gebäuden oder einem Auto in Sicherheit zu bringen, wenn zwischen Blitz und Donner noch 30 Sekunden liegen. Zudem sollte man beachten, dass die Ladung eines Blitzeinschlags sich gerade bei feuchtem Untergrund Dutzende Meter weit ausbreiten kann. Entsprechend große Anstände von Bäumen und anderen möglichen Blitzanziehungspunkten sind daher ratsam. (Geophysical Research Letters, 2020; doi: 10.1029/2020GL088888)

Quelle: World Meteorological Organization (WMO)

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